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Kiel Tankstellen, Apotheken: Es waren Serienräuber mit brachialer Gewalt
Kiel Tankstellen, Apotheken: Es waren Serienräuber mit brachialer Gewalt
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09:59 25.10.2019
Von Thomas Geyer
Mit dem Transporter in die Tankstelle: Die spektakulärste Aktion, die der Bande zugeschrieben wird, war der Raubüberfall auf eine Aral-Tankstelle in Schönkirchen am 30. Dezember 2018. Quelle: Frank Peter
Kiel

Die Verlesung der über 30 Anklagevorwürfe zum Prozessauftakt dauerte knapp anderthalb Stunden. Die Angeklagten sind 22 bis 25 Jahre alt, haben die deutsche Staatsbürgerschaft und sollen in wechselnder Besetzung agiert haben. Bei einem Teil der Raubüberfälle und Einbrüche soll zudem ein Heranwachsender als Komplize beteiligt gewesen sein. Gegen ihn verhandelt demnächst ein Jugendschöffengericht. Der Jüngste im Quartett legte nach seiner Festnahme ein umfassendes Geständnis ab und kam als Einziger auf freien Fuß. Die drei erwachsenen Angeklagten sitzen in U-Haft.

Mit dem Transporter durch den Tankstellen-Eingang

Die spektakulärste Aktion, die der Bande zugeschrieben wird, war der Raubüberfall auf eine Aral-Tankstelle in Schönkirchen am 30. Dezember 2018. Zum Aufsprengen des Eingangsbereichs setzten die Täter einen Post-Transporter ein. Der weiße Kleinlaster wurde vom Betriebsgelände in Gaarden gestohlen und mit hoher Geschwindigkeit gegen die Glasfront des Verkaufsraums gefahren.

Der jüngste Angeklagte (22), der nur an wenigen Taten beteiligt gewesen sein soll, hatte als ehemaliger DHL-Paketzusteller Zugriff auf einen Dienstschlüssel für den Kleinlaster. Damit soll die Bande das Fahrzeug am frühen Morgen am Karlstal geholt haben. Am Steuer saß demnach ein Russlanddeutscher (25). Sein im Irak geborener Komplize (25) drang maskiert in den aufgesprengten Verkaufsraum ein und bedrohte einen Kassierer mit der Pistole, so der Vorwurf. Der Zeuge händigte dem Täter 936 Euro Bargeld aus. 

Übersicht: Tankstellen-Überfälle in Kiel

936 Euro Beute, 22.500 Euro Schaden

Beim Verlassen der Tankstelle bedrohte der flüchtende Räuber zwei Kunden, die gerade den Verkaufsraum betreten wollten. Die Zeugen folgten dem Kommando des Maskierten: „Hände über den Kopf und weggehen!“. Der Sachschaden an Tankstelle und Fahrzeug war angeblich mehr als 20-mal so hoch: 18.500 Euro kostete die Reparatur des Gebäudes, 4000 Euro die des als Rammbock eingesetzten DHL-Transporters.

Rund 3100 Euro Sachschaden richtete die Bande laut Anklage am Neujahrsmorgen dieses Jahres in der Medica Apotheke am Gesundheitszentrum in der Prüne an. Aus einem Bodenschacht vor dem Gebäude hoben sie einen Gullideckel und zertrümmerten damit die gläserne Schiebetür. Im Inneren fanden sie jedoch nur ein Sparschwein mit 50 Euro.

In der Kieler City gehörten eine weitere Apotheke in der Holstenstraße, die McDonalds-Filiale an der Holstenbrücke und das Kassenhäuschen der Tiefgarage am Kieler Schloss zu den Zielobjekten. Ein Mitarbeiter des Parkhauses wurde mit der Pistole bedroht und öffnete die Schublade mit der Geldkassette. Die Räuber flüchteten mit 170 Euro Bargeld sowie dem Handy und dem Portemonnaie des Opfers.

Keine Rücksicht auf die Opfer

Nach dem Raubüberfall auf eine Spielothek in der Eckernförder Straße am 13. Dezember litt das asthmakranke Opfer noch wochenlang unter Schlafstörungen und Angstzuständen, so die Anklage. Mit der Drohung, sie „abzustechen“, nötigten die Räuber die Mitarbeiterin zum Öffnen eines Tresors und erbeuteten knapp 2700 Euro. Mit dem Tode bedroht wurde am 3. Januar auch die Verkäuferin einer Bäckerei in Kronshagen. Die verängstigte Zeugin konnte nach dem Raub von rund 750 Euro Bargeld nicht mehr am Tatort arbeiten. Sie hat sich inzwischen eine andere Stelle gesucht.

Bei insgesamt acht Raubüberfällen und 21 Einbrüchen in Kiel, Schwentinental, Kronshagen, Schönkirchen und Mönkeberg soll die Bande rund 16 000 Euro Bargeld erbeutet haben. Der Sachschaden soll die Summe um ein Mehrfaches übersteigen.

Gericht regt einen Deal an

Zur Verkürzung des Prozesses hat das Gericht einen Deal angeregt. Das Ergebnis der internen Verständigungsgespräche mit Staatsanwaltschaft und Verteidigung will der Vorsitzende Ralph Jacobsen bei der Fortsetzung am Mittwoch mitteilen. Über zu erwartende Strafhöhen als Gegenleistung für Geständnisse war von den Beteiligten gestern nur so viel zu erfahren: Zweistellig dürften die Haftstrafen nicht ausfallen.

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