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Kiel Tötung sollte Missbrauch verdecken
Kiel Tötung sollte Missbrauch verdecken
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20:18 15.01.2019
Im April 2018 wurde in Kiel ein Baby getötet. Nun startete der Prozess gegen den jungen Vater. Quelle: Uwe Paesler (Archiv)
Kiel

Er wirkt schmächtig, die Haare kurz geschoren, der Blick scheu, die royalblaue Sweatshirt-Kapuzenjacke mit dem roten Innenfutter lässt sein Gesicht noch blasser erscheinen. Der junge Mann, grad 19 Jahre alt, kommt am Dienstag in Handschellen in den Saal des Landgerichts Kiel. Dann sitzt er auf der Anklagebank. Gelegentlich schluckt er - einzig sichtbare Gefühlsregung. Sichtkontakt meidet er.

Die Anklage gegen den Deutschen aus Kiel: Mord und schwerster Kindesmissbrauch. Details, die Staatsanwältin Melanie von Massow verliest, erschüttern die Zuhörer im Gerichtssaal. Staatsanwältin Melanie von Massow wirft dem 19-Jährigen vor, sich am 27. April 2018 in der gemeinsamen Dachwohnung in Kiel zunächst auf schwerste Weise an seiner kleinen Tochter vergangen und sie anschließend brutal getötet zu haben. Er habe damit auch den Missbrauch verdecken wollen, sagt die Anklägerin.

Der junge Vater kommt demnach mitten in der Nacht heim. Angetrunken und berauscht von halluzinogenen Pilzen. Nach Darstellung der Anklägerin ist er nackt und steckt offenbar voller Wut und Frust über seine aktuelle Lebenssituation und seine mangelnde Lebensperspektive. Die Kleidung legt er nahe der Tankstelle ab, in der er zuvor noch Alkohol kauft.

Angeklagter wirft Verlobte aus Zimmer

Auf dem kurzen Heimweg randaliert er bereits, beschädigt unterwegs mehrere Autos, sagt von Massow. Dann lassen ihn seine Eltern auf sein Klingeln ins Haus. Sie sehen im Dunkeln nicht, wie er unbekleidet die Treppen in die kleine Dachgeschoss-Wohnung hoch steigt und von dort die Treppen in das Mansarden-Schlafzimmer nimmt - wo seine Verlobte und die gerade vier Wochen alte kleine Tochter im Bett liegen. Er schickt die junge Frau in aggressivem Ton aus dem Zimmer. Dabei herrscht er die 18-Jährige an, ihn mit der Tochter allein zu lassen, schildert von Massow.

Dann beginnt - offenbar im wesensverändernden Drogenrausch - ein Horrortrip, den die Anklage in juristische Begriffe wie schwerer sexueller Kindesmissbrauch und Mord aus niedrigen Beweggründen fasst. Demnach vergeht der 19-jährige sich erst brutal an dem kleinen Kind. Dann schlägt er den Kopf des kleinen Mädchens mehrfach wuchtig gegen eine Wand oder ein Regal, um die schweren Verletzungen des Missbrauchs zu verdecken.

Hilfe für Baby kam zu spät

Die junge Mutter realisiert das grausige Geschehen erst, als sie hört, wie der 19-Jährige die Tochter anschreit. Als Polizei und Rettungskräfte eintreffen, ist es zu spät. Das Kind stirbt an einem schweren Schädel-Hirn-Trauma.

Auch die Mutter des jungen Mannes, die die 18-Jährige zuvor in ihrer Panik zu Hilfe holt, kommt zu spät. Am Fuße der Treppe zum Mansardenzimmer stehend, sieht sie nur noch, wie ihr Sohn die kleine Enkelin totschlägt. Das Bild, das sich ihr und den Einsatzkräften bietet, ist offenbar derart grausig, dass sie von einem Kriseninterventionsteam betreut werden müssen, wie die Polizei berichtet.

Öffentlichkeit ist vom Prozess ausgeschlossen

Die Öffentlichkeit wird gleich nach Verlesung der Anklage ausgeschlossen. Damit sollen entsprechend dem Jugendrecht die Persönlichkeitsrechte des noch als Heranwachsenden geltenden Angeklagten sowie der jungen Mutter und ihres toten Babys geschützt werden. Im Verfahren geht es auch um die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus oder den Entzug. Im Gerichtssaal ist auch ein Jugendpsychiater, der zur Frage der Schuldfähigkeit des Angeklagten zur Tatzeit Stellung nehmen wird.

Erst die Urteilsverkündung wird wieder öffentlich sein, sagte der Vorsitzende Richter Stefan Becker. Bis zum 15. Februar hat die Jugendstrafkammer neun Verhandlungstage angesetzt.

Von KN/dpa

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