RBZ Technik in Kiel: Kampf an digitaler und analoger Front
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Kiel Kampf an digitaler und analoger Front
Kiel Kampf an digitaler und analoger Front
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13:17 23.05.2020
Von Martin Geist
Wenige Schüler und viel Abstand: Lehrer Arne Paasch mit einer Mini-Klasse im RBZ Technik.
Wenige Schüler und viel Abstand: Lehrer Arne Paasch mit einer Mini-Klasse im RBZ Technik. Quelle: Martin Geist
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Kiel

Das bedeutet für die Lehrkräfte einen Kampf an allen digitalen und zunehmend auch wieder analogen Fronten. Egal ob der Erste Allgemeinbildende oder der Mittlere Schulabschluss, die Fachhochschulreife, das Abitur oder der Abschluss einer dualen Berufsausbildung: In die heiße Phase geht es stets zwischen Oster- und Sommerferien. Dumm nur, wenn dann Corona ist.

Wochenlang gab es im RBZ Technik überhaupt keinen Präsenzunterricht. Inzwischen wird zwar wieder von Mensch zu Mensch gelernt und gelehrt, das aber betrifft laut Schulleiter Jörn Schelzig nur 20 bis 30 Prozent der üblicherweise um die 1000 Anwesenden. Herausfordernd ist diese Konstellation besonders dann, wenn die vom Chef und seinem Kollegium einhellig getragene Prämisse gelten soll: „Auf jeden Fall ein Abschluss.“

Digitalisierung mit großen Schritten

„Ohne Digitalisierung geht das nicht“, betont Schelzig und berichtet, dass aus der Not eine Tugend gemacht worden sei. Über die E-Lernplattform Moodle wurden jede Menge virtuelle Klassenzimmer angelegt, aus dem Homeoffice erteilen die Lehrkräfte Lektionen, Lob und alles andere, was zu echtem Unterricht gehört. Und das mit einer enormen Reichweite. In den Ausbildungsgängen mit Vollzeitunterricht ist es gelungen, fast 100 Prozent der Schülerinnen und Schüler digital anzubinden.

Probleme gab es teils aber in den Berufsintegrationsklassen Deutsch als Zweitsprache (BiK-DaZ) sowie im Arbeitsvorbereitenden Jahr Schleswig-Holstein – einem beruflichen Orientierungsangebot für junge Leute, die nach der regulären Schule keine weitere Ausbildung gefunden haben. Weil in den Elternhäusern zuweilen wenig Geld da ist, mangelt es an Notebooks oder anderen Endgeräten, sodass zuletzt sehr mühsam individuelle Lösungen mit Smartphones gebastelt wurden. „Das geht dann nur in Eins-zu-Eins-Betreuung“, beschreibt Schelzig die bisweilen gewaltigen Mühen der Digitalisierung.

Lehrer als Tüftler und Motivatoren

Ebenfalls kein Selbstgänger ist der digitale Unterricht in der dualen Ausbildung. Angehende Mechaniker, Elektroniker oder Fachinformatiker kämpfen im digitalen Klassenzimmer zuweilen mit schlechtem Internet in ihren ländlichen Wohnorten – oder auch mit Chefs, die meinen, dass ja gerade sowieso keine Schule sei und das bisschen Lernerei zugunsten der Präsenz im Betrieb auch am Wochenende erledigt werden könne. 

Insofern müssen die Lehrkräfte derzeit immer wieder zugleich Tüftelarbeit, Überzeugungsarbeit und auch Motivationsarbeit leisten, um den Betrieb am Laufen zu halten beziehungsweise ihn überhaupt erst wieder dazu zu bringen. „Das ist für viele Kolleginnen und Kollegen sehr belastend“, hebt Schelzig hervor. Er denkt dabei an seine ausgewiesenen IT-Profis, die neben ihrer eigentlichen Arbeit von informationstechnisch weniger beschlagenen Kollegen stark in Anspruch genommen werden. Sehr fordernd ist die Lage aus seiner Sicht aber auch für Lehrkräfte, die mit digitalen Dingen eher fremdeln.

Prüfungen ab dem 25. Juni

Damit bei alldem die Wichtigsten, nämlich die Schüler, nicht auf der Strecke bleiben, stand im RBZ schon lange fest, dass in der Himmelfahrtswoche keine beweglichen Ferientage eingeschoben werden. „Wir wollten die jungen Leute nicht schon wieder in ein Loch fallen lassen“, erläutert der Schulleiter.

Übers Netz und für täglich 200 bis 300 Lernende auch in realen Klassenräumen läuft der Unterricht deshalb weiter. Vom 25. Juni an geht es schließlich in fast allen Ausbildungsgängen in die Prüfungen, und darauf sollen die Schüler trotz Corona bestmöglich vorbereitet werden. 

"Dann ist auch mal Erholung nötig"

Wenig anfangen kann Schelzig dagegen mit in der Landespolitik gehegten Überlegungen, in den Sommerferien freiwillig Unterricht anzubieten: „Die vergangenen Wochen waren wahrlich belastend genug. Da ist dann auch mal Erholung nötig, zumal wir ja davon ausgehen müssen, dass nach den Ferien noch lange kein normaler Schulbetrieb möglich sein wird.“ Bemühen will sich der RBZ-Chef aber darum, für die DaZ-Schüler, die die deutsche Sprache erlernen, in Zusammenarbeit mit einem privaten Bildungsträger ein Ferienangebot auf die Beine zu stellen.

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