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Kiel Möller geht in Ruhestand
Kiel Möller geht in Ruhestand
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08:26 18.03.2014
Von Jürgen Küppers
Stadtrat Adolf-Martin Möller verlässt das Rathaus in Kiel am 4. April 2014. Quelle: 0 Windows
Kiel

Ohne Jacket, weißes Hemd und Krawatte sah man Adolf-Martin Möller in all den Jahren fast nie. Trotz des förmlichen Kleidungsstils hat sich der hochgewachsene Mann eine gewisse Hemdsärmeligkeit bewahrt. Das spürten Besucher schon bei der Begrüßung, eingeleitet mit einem Händedruck so zwingend-kraftvoll wie der eines Schraubstocks. Zupacken musste der gelernte Bäcker und Konditor schon als (Einzel-)Kind im traditionsreichen elterlichen Betrieb in Artlenburg im Landkreis Lüneburg. Doch eine Mehlallergie und Strukturprobleme im Bäckerhandwerk mit all den aufkommenden Filialen von Großbetrieben drehten Möllers Leben in eine ganz andere Richtung.

Aber dazu musste sich der Handwerker zumindest schulisch noch einmal hocharbeiten. An beruflichen Fachschulen holte er erst die mittlere Reife nach, schaffte die Fachhochschulreife, studierte dann Verwaltung und Rechtspflege in Hannover. Es folgten Stationen im Landkreis Harburg als Sozialamtsleiter, dann als Sozialdezernent in Hagenow und in dieser Funktion wieder in Harburg.

Trotzdem hat der zweifache Vater mittlerweile erwachsener Söhne seine Herkunft nie vergessen. Das gläserne Bäcker-Gildezeichen mit der Brezel in der Mitte flankiert von zwei Löwen hing zwölf Jahre lang an der Wand neben seinem Dezernenten-Schreibtisch. Eine stete Mahnung sei das Symbol für ihn gewesen mit dem damit verknüpften Verweis auf alte Handwerkertugenden: Fleiß, Ehrlichkeit, Zielstrebigkeit, Menschlichkeit.

Auch der Unternehmergeist, den er in seiner Familie mitbekam, habe ihn in seiner Kieler Dezernentenzeit stark geprägt. „Ich war immer der Meinung, dass Eigenverantwortung kreatives Potenzial der Mitarbeiter freisetzt.“ So trieb Möller in seiner Amtszeit die Umwandlung kommunaler Institutionen wie dem Städtischen Krankenhaus, der Beratungs- und Pflegedienste oder des Jugendaufbauwerks in GmbHs voran. Besonders erfolgreich sei die Gründung der Bäder GmbH gewesen, hier seien Kosten deutlich reduziert und dabei noch Einnahmen gesteigert worden.

Zu weiteren Erfolgen seiner Arbeit in Kiel zählt Möller die erheblichen Steigerungsraten bei Kita-Plätzen, die stärkere Vernetzung von Schulen, anderen Trägern von Bildungsangeboten und Wirtschaft zur „Bildungslandschaft“ sowie die aus den Sozialraumanalysen – zum Beispiel für Gaarden – gewonnenen Daten für die Sozialpolitik der Stadt. Trotzdem fällt die Bilanz des scheidenden parteilosen Dezernenten nicht ungetrübt aus: rund 4600 arbeitslose Jugendliche unter 25 Jahren, davon 1200 kaum noch vermittelbar, etwa 34000 auf finanzielle Unterstützung des Staates angewiesene Menschen in Kiel. „Das sind erschütternde Zahlen, die sich im Laufe der Jahre so gut wie nicht verändert haben. Das schmerzt sehr. Aber wir können die dringend nötigen Jobs auch nicht herbeizaubern.“

Nach einem ihn „sowohl körperlich wie geistig fordernden Job“ wird sich Adolf-Martin Möller demnächst selber noch einmal umsehen müssen. Denn konkrete Pläne für mögliche weitere Aufgaben neben seinem Ruhestandsleben im Haus seiner Frau in Winsen hat er noch nicht. Sicher sei nur, dass nach zwölf intensiven Jahren in Kiel ein Schnitt verbunden auch mit räumlicher Distanz zur Stadt unumgänglich sei.

Wie er zur geplanten Aufteilung seines Dezernates mit mehr als 1850 Mitarbeitern steht (wir berichteten) und wen er von den drei dafür genannten Kandidaten für die zwei Chefsessel favorisiert, mag Möller nicht genau sagen. Muss er auch nicht. Kopfschütteln und ein verdrießlicher Geschichtsausdruck sprechen für sich. Und der Satz: „Ich bin nur froh, dass ich das alles nicht mehr mitansehen muss.“