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Kiel Kritik der Betriebe zeigt Wirkung
Kiel Kritik der Betriebe zeigt Wirkung
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21:03 19.03.2015
Von Martina Drexler
Oberbürgermeister Ulf Kämpfer will die Stadt wirtschaftsfreundlicher aufstellen. Quelle: Frank Peter
Kiel

Erst vor wenigen Tagen war die Umfrage bekannt geworden, wonach etliche von 684 Kieler Unternehmen Wirtschaftsfreundlichkeit und Serviceorientierung bei der Stadt vermissten. Die Kieler Wirtschaftsförderungsgesellschaft (KiWi) war demnach nur der Hälfte der Firmen bekannt, nur 20 Prozent hatten ihre Leistungen in Anspruch genommen. Das Stimmungsbild soll Konsequenzen für die städtische Gesamtstrategie Wirtschaft haben, die dem Rat gestern ebenfalls präsentiert wurde. Statt zu viele Kräfte zu binden, um neue Firmen anzulocken, soll die KiWi künftig die bereits ansässigen Unternehmen durch eine verbesserte Bestandspflege unterstützen. Deren Lage sei besser als die Stimmung, bewertete Kämpfer als Wirtschaftsdezernent, dass immerhin zwei Drittel der befragten Unternehmen angaben, mehr Personal einstellen zu wollen.

Als zweiten Schwerpunkt sieht Kämpfer die Entwicklung der Gewerbeflächen im flächenarmen Kiel, die er – wie derzeit mit Melsdorf – über Grenzen von Kommunen verstärkt vorantreiben will. Da Kiel sich im Strukturwandel zu einem modernen Dienstleistungs- und Forschungszentrum befinde, stehe auch die Innovationsförderung gemeinsam mit Industrie- und Handelskammer (IHK) sowie den Hochschulen ganz oben auf der Agenda, so Kämpfer: „Wir haben hier noch eine Menge Luft nach oben. Die Kiel Region braucht mehr Unternehmertum und Patente.“ Zudem kündigte er ab April/Mai regelmäßige „industriepolitische Dialoge“ mit den Gewerkschaften und der IHK an.

 Mit den Eckpfeilern des künftigen Kurses zeigten sich alle Fraktionen zufrieden. Denn viele von ihren Anregungen fanden sich in dem Papier wieder. „Wir setzen auf produzierendes Gewerbe“, verwies Özlem Ünsal auf die Entwicklung des MFG-5-Geländes. Den dort geplanten Mix von Gewerbe und Wohnungen nannte Dirk Scheelje (Grüne) klug. Eine stabile Wirtschaftlage reiche nicht, sagte Sigrid Schröter (CDU) und forderte, die Potenziale der Hochschulen in Zusammenarbeit mit der Stadt und Wirtschaft stärker auszuschöpfen: „Wir müssen die Absolventen auch halten können.“ Christina Musculus-Stahnke (FDP) begrüßte, dass die Stadt künftig für die Wirtschaft „mehr Kümmerer“ sein will.

Erste Konsequenzen aus der Kritik der Unternehmen will Kämpfer durch die von der CDU bedauerte Auflösung des Wirtschaftsamtes ziehen: Er plant, die städtischen Wirtschaftsexperten und das Kieler-Woche-Büro seinem Büro anzugliedern, um eine zentrale Anlaufstelle für Wirtschaft zu schaffen. Der bisherige Wirtschaftsamtsleiter Tim Holborn wechselt nach zwölf Jahren bei der Stadt als Geschäftsführer zur Landesentwicklungsgesellschaft in Kronshagen. Der frühere KN-Redakteur wurde 2003 Pressesprecher der Stadt, das Amt für Wirtschaft übernahm er im April 2013. Er wurde mit viel Beifall verabschiedet.