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Kiel Tauziehen um die Sicherheit im Saal
Kiel Tauziehen um die Sicherheit im Saal
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19:33 04.10.2015
Von Thomas Geyer
Unter strengen Sicherheitsvorkehrungen hat in Kiel der Prozess gegen zwölf mutmaßliche Mitglieder einer Räuberbande begonnen. Quelle: Uwe Paesler/dpa
Kiel

Die Anklage wirft den 22- bis 40-Jährigen drei Überfälle auf Juweliere und Pfandhäuser in Düsseldorf, Kiel und München vor. Mit rund 50 Prozessbeteiligten sprengt das Mammutverfahren um schweren Raub und gefährliche Körperverletzung alle bisherigen Dimensionen.

Schon zum Auftakt des Prozesses mussten etliche Hindernisse überwunden werden: Erst nach zweistündigem Ringen um die Präsenz bewaffneter und vermummter SEK-Kräfte im Saal konnte der Vorsitzende Richter die Verhandlung eröffnen. Solange wurden hinter verschlossenen Türen Fragen der Sitzordnung und Sicherheit diskutiert.

Die Auseinandersetzung zeigt, dass die schleswig-holsteinische Justiz mit dem Mammutverfahren räumlich und personell an ihre Grenzen stößt. Zur Sicherung der Verhandlung des Kieler Landgerichts, die aus Platzgründen in Schleswig geführt wird, stünden dem Land nicht genug Justizbeamte zur Verfügung, erklärte eine Gerichtssprecherin. Zum Hintergrund: Für jeden der als potenziell gefährlich eingestuften Angeklagten sind zwei Sicherheitskräfte eingeplant.

Die Personalnot schaffte in Schleswig ein zusätzliches Problem: Die Beamten des zur Verstärkung angeforderten SEK-Kommandos wollten nur mit schwarzen Gesichtsmasken und Schusswaffen auftreten. Doch die 25 Verteidiger weigerten sich, „mit bewaffneten Maskenmännern im Nacken“ zu verhandeln. Das Gericht lenkte ein, die Bewaffneten verließen nach der Vorführung der zwölf Angeklagten den Saal und hielten sich im Hintergrund. Den Männern wurden im weiteren Verlauf jeweils zwei unmaskierte Beamte an die Seite gestellt.

Hier sehen Sie Bilder vom Prozessauftakt zum Raubüberfall auf ein Kieler Pfandhaus.

Eine weitere, kleinere Geste des Gerichts stimmte die Verteidigung versöhnlich: Als ein Verteidiger sich beschwert, sein Mandant sei seit 5 Uhr morgens ohne jede Verpflegung, fordert der Vorsitzende ohne Umschweife „Wasser und einen Happen zu essen“ für den Mann an. Als sich danach ein Berliner Rechtsanwalt gegen die Pläne der Kammer stemmt, sämtliche Besetzungsrügen und Anträge zurückzustellen, ergreift ein Kieler Kollege prompt die Partei des Gerichts und würgt die weitere Diskussion ab.

Dass der Prozess gegen 12 Uhr in Gang kommt und die beiden Staatsanwälte die Anklage gegen die 22- bis 40-jährigen Litauer vortragen können, darf die Kammer als Erfolg verbuchen. Zuvor hatte ein Verteidiger die Ablösung eines Staatsanwalts gefordert. Der Ankläger habe im Juli einen aus Litauen ausgelieferten Angeklagten vor dessen Vernehmung unzureichend belehrt. Nun müsse der Staatsanwalt womöglich im Prozess als Zeuge gehört werden und später im Plädoyer seine eigene Aussage bewerten.

Ob der Staatsanwalt tatsächlich ausgetauscht wird, entscheidet sein Dienstvorgesetzter in Kiel. Über eine Besetzungsrüge wegen fehlerhafter Schöffenauswahl will die Strafkammer am Dienstag entscheiden. Beide Anträge könnten den Prozess platzen lassen, er müsste dann nochmals von vorne beginnen. Ein Drama wäre das nicht: Die Kammer hat vorsorglich 20 Verhandlungstermine bis Ende Januar anberaumt.

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