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Kiel Superboy mit Herz und Stimme
Kiel Superboy mit Herz und Stimme
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12:30 21.06.2014
Von Kai-Peter Boysen
Mit drei Songs des neuen Albums "Pride" eröffnen Garvey und seine sechsköpfige Band den Abend. Quelle: Björn Schaller
Kiel

Der Rettungsschirm über dem Bühnenvorplatz wird nicht benötigt, Kieler-Woche-Kühle, aber jede Menge Herzenswärme von der Bühne. Mit drei Songs des neuen Albums "Pride" eröffnen Garvey und seine sechsköpfige Band den Abend. Als Backgroundsängerin ist Reas Schwester Margarita mit dabei.

"Can't Say No" ist eine pubtaugliche Mitsinghymne, die auch vor Tausenden funktioniert und daher später als letzte Zugabe gleich noch einmal gespielt wird. Laut Pressetext zum neuen Album haben wir das Lied seinem Aufenthalt in einer isländischen Kneipe zu verdanken, in der sich eine Männergruppe spontan erhob, um ein Lied anzustimmen. Diese unverfälschte Freude am Singen beeindruckte ihn, und auch die Kieler plus zahlreiche Nicht-Kieler geben sich im Verlauf des Konzerts immer ausgelassener dieser Leidenschaft hin. Anlässe gibt es genug, ob das verhaltene "Candlelight" oder "Oh My Love" mit seinem gospelhaften Refrain; das neue Material geht gut ins Ohr.

Schnell fallen Jacke und Sonnenbrille, der Ire geht am Bühnenrand auf Tuchfühlung mit seinen Fans, die teils schon drei Stunden vorher draußen an der Absperrung warteten, um dann ganz vorn stehen zu können.

Der erste Star auf der NDR-Bühne, und alle sind gekommen: Rea Garvey, der irische Superboy sorgte mit alten und neuen Songs für Begeisterung auf dem Gelände am Ostseekai in Kiel.

Mit „Colour Me In“ kommt ein Song seines Vorgängeralbums zu Ehren. Dann stellt er eine Freundin vor, „die ich lange nicht gesehen habe", ganz klar, es folgt "Supergirl", der Riesenhit seiner Ex-Band Reamonn. Die Freundin trägt ein neues Kleid und das steht ihr gut. Von Banjopicking und Keyboardflächen getragen, gleitet seine rau-reife warme Stimme fließend wie ein Crowdsurfer über die Menge.

Die Stimmung steigt kontinuierlich, Garvey fühle sich in Deutschland "umarmt und akzeptiert", erzählt er in einer seiner vielen persönlichen Ansprachen. „Ich bin kein Prediger, aber manchmal denke ich Fuck, das muss raus“, gesteht er grinsend. Dann stemmt er sich wieder rockstarmäßig ins Mikro, federt in den Knien, lockert die Nackenmuskeln wie ein Boxer vor dem Kampf, stimmt „We All Fall Down“ an, ein Song im Gedenken an Amy Winehouse.

„Ich danke Deutschland, dass ich hier meine große Liebe gefunden habe“ erzählt der glückliche Ehemann und nimmt zu „Love Someone“ ein Bad in der Menge. Das geschieht so unvermittelt, dass die Security ihm kaum folgen kann, aber so ist er halt, spontan und ohne Berührungsängste.

Viele Gänsehautmomente bei "Can't Stand The Silence", dem Titelsong des letzten Albums oder dem letzten Hit "Wild Love", eine Nummer mit mächtig Drive. "Ihr seid unfuckingfassbar", ruft er in das Meer aus klatschenden Händen, und das gilt auch für Rea Garvey, der live sauber abgeräumt hat. In diesem Jahr wird er auch wieder als Juror in „The Voice Of Germany“ zu sehen sein.