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Kiel Funktioniert nicht? Gibt’s nicht!
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12:12 08.11.2019
Von Martin Geist
Hans-Ulrich Stangen in seiner Werkstatt. Zurzeit hat er mehrere Bohrmaschinen zu reparieren. Quelle: Martin Geist
Kiel

„So was sollte man mal machen“, sagten sich irgendwann im Sommer 2014 Nico Sönnichsen von der Stadtverwaltung und Jasmin Tarhouni vom Wirtschaftsbüro Gaarden. Und fanden in Hans-Ulrich Stangen sogleich einen motivierten Mann der Tat. Familiär vorbelastet als Sohn eines im Papiermaschinenbau tätigen und handwerklich rundumbegabten Ingenieurs stand der Kieler 41 Jahre lang als Schweißer und später als Gewerkschafter in Diensten von HDW. Was durchaus seine Logik hatte, denn er erwies sich als Kollege, der gleichermaßen geschickt mit den Händen wie mit seiner Zunge umzugehen wusste. 

"Der Uli kann alles"

Inzwischen ist Stangen 71 und eigentlich immer noch in Vollbeschäftigung. „Unser Haus kennt außer Malern keine Handwerker“, grinst der passionierte Selbermacher, der zudem oft Besuch selbst aus der entfernteren Nachbarschaft erhält. „Der Uli kann alles“, heißt es immer, wenn ein Haushaltsgerät streikt oder sonst etwas nicht so will, wie es soll. Reparieren hat dabei zunächst einmal viel mit Ruhe zu tun. Hinsehen, womit man es überhaupt zu tun hat, die Funktionsweise verstehen und im Zweifel nach dem Prinzip von Versuch und Irrtum die Ursache der Störung ermitteln. Einfach ist das bei einem wackeligen Stuhl, kniffelig kann es dagegen bei elektronischen Bauteilen werden. „Die Hersteller geben sich oft große Mühe, damit ihre Sachen zeitig kaputtgehen und nicht so leicht zu reparieren sind“, meint Stangen, der allerdings mit den herkömmlichen Tricks längst nicht mehr hinters Licht zu führen ist. 

Kupferschalter als Quell des Übels

Macht ein elektrisches Gerät keinen Mucks mehr, ist nach Stangens Erfahrung sehr häufig eine kleine Kupferplatte am Schalter der Quell des Übels. „Irgendwann beginnt das Teil zu korrodieren, und nichts geht mehr“, erklärt er. Ist das erst klar, geht es einfach mit dem Reparieren. Gründlich reinigen, mit Sekundenkleber-Gel fixieren – und schon ist der Fall erledigt. Wer so etwas kann und dann noch Kontakte hat wie Hans-Ulrich Stangen ist natürlich Gold wert für ein Reparaturcafé. Von Anfang an mobilisierte er etliche ehemalige Kollegen von der Werft, um ein möglichst breites Heilemach-Spektrum bedienen zu können. Persönlich wirkt er regelmäßig als Allrounder mit, weil er eben alles kann. „Von der Taschenuhr bis zur Heckenschere“, beschreibt es Jasmin Tarhouni. 

Mehr als 1000 Geräte wurden repariert

Dabei hat Stangen abgesehen vom Spaß an der Sache noch ein anderes Anliegen, das er mit seinem ehrenamtlichen Engagement verbindet. Er will ein Bewusstsein dafür wecken, dass nicht alles gleich bei der kleinsten Störung weggeworfen werden muss. Und den Leuten, die etwas zum Reparieren bringen, zumindest im Grundsatz beibringen, wie mit geringem Aufwand schon beachtliche Erfolge möglich sind. In den vergangenen fünf Jahren hat das Reparaturcafé, das einmal im Quartal seine Pforten im Vinetazentrum Gaarden öffnet, etwa 1500 Gäste gelockt. In Ordnung gebracht wurden dabei locker 1000 Geräte, viele davon aus dem Kreise üblicher Verdächtiger wie Mixer, elektrische Zahnbürsten, Föhn, Wasserkocher oder auch mal Kaffee-Vollautomaten. Zum Geburtstags-Reparaturcafé ist das Vinetazentrum am Sonnabend, 16. November, von 13 bis 16 Uhr geöffnet. Unter anderem gibt es dann zusätzlich Workshops zur Nachhaltigkeit und zur Wiederverwertung von Weggeworfenem. Mit dabei sind außerdem die „Resteritter“, die Nahrung vor der Mülltonne retten. Und ausnahmsweise gibt es schließlich einen Gabe- und Geschenketisch für gut erhaltene Werkzeuge, die auch vorab im Wirtschaftsbüro am Vinetaplatz abgegeben werden können.

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