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Kiel Endgültiges Aus für den Legienhof
Kiel Endgültiges Aus für den Legienhof
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08:00 18.07.2019
Von Steffen Müller
Am morgigen Freitag öffnet das Restaurant Legienhof ein letztes Mal. Grund sind Streitigkeiten über eine nötige Sanierung. Quelle: Frank Peter
Kiel

Auslöser der Ungewissheit ist der Sanierungsbedarf des 112 Jahre alten Legienhofs in Kiel. Im Januar hatte ein Bausachverständiger in einem Gutachten festgestellt, dass einige Mängel bestehen, die im Laufe des Jahres behoben werden müssen. So besteht die Auflage, dass bis Ende 2019 eine neue Brandschutzgenehmigung eingeholt werden müsse. Dies ist Aufgabe der Grundstückseigentümerin, der Gewerkschaftshaus Kiel GmbH (eine Tochter der Vermögens- und Treuhandgesellschaft – VTG des DGB).

Eine neue Betriebserlaubnis liegt laut Pächter Frank Feddersen allerdings noch nicht vor. Ob die Vermieterin nicht willens oder nicht in der Lage sei, die behördliche Genehmigung zu bekommen, mag der Legienhof-Betreiber nicht beurteilen. Die VTG war am Mittwoch für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Legienhof-Pächter will Gewissheit

Unklar ist auch, welche Sanierungspläne es überhaupt für den Legienhof gibt. Zu den konkreten Vorstellungen hat sich die VTG bislang nicht geäußert. Diese Ungewissheit war der Grund für Feddersen, für das Restaurant, das er vor 20 Jahren von seinen Eltern übernahm, einen Schlussstrich zu ziehen und nicht mehr darauf zu hoffen, dass der Mietvertrag, der am 31. August ausläuft, verlängert wird. "Ein Hinauszögern macht keinen Sinn mehr", sagt er. "Das wäre gegenüber den Mitarbeitern nicht fair." Groll auf die VTG hegt er nicht.

"Ein Vermieter hat das Recht, mit seiner Immobilie zu machen, was er will." Feddersen gibt aber zu, dass er sich eine bessere Kommunikation gewünscht hätte, und dass er unter anderen Umständen hätte entscheiden wollen, wann er den 40 Jahre alten Familienbetrieb aufgibt. "Es ist aber auch schöner zu gehen, wenn alle sagen: ,Schade, dass es vorbei ist’".

Hintergrund: Legienhof in Kiel

Der Legienhof: Ein Haus mit Geschichte

Das Gewerkschaftshaus in der Legienstraße ist eines der geschichtsträchtigsten Gebäude in Kiel. Erbaut wurde es 1904 mit dem Ziel, ein Ort für die Veranstaltungen der stetig wachsenden Gewerkschafts- und Arbeiterbewegung zu schaffen. Das Haus in der damaligen Fährstraße, die 1923 in Legienstraße – nach dem Gewerkschaftsführer Carl Legien – umbenannt wurde, enthielt von Beginn an eine Gastronomie mit großem Versammlungssaal, das Restaurant Legienhof bietet gleich mehrere Säle.

Während des Matrosenaufstands und der Revolution im November 1918 haben sich die Kieler Arbeiter- und Soldatenräte im Gewerkschaftshaus, das gemeinhin als Legienhof bezeichnet wird, versammelt. Im Zweiten Weltkrieg wurden die Räume von der nationalsozialistischen Arbeiterorganisation „Deutsche Arbeitsfront“ genutzt, unmittelbar nach Kriegsende ging das Haus zurück an die Gewerkschaften. Noch heute haben Verdi und DGB ihre Büros in der Legienstraße 22-24.

Unterstützung von Gewerkschaften und Parteien

Damit spielt Feddersen auf die Unterstützung durch die Gewerkschaften an, die sich leidenschaftlich dafür eingesetzt haben, dass der Legienhof erhalten bleibt. Zuspruch gab es auch aus der Politik, schließlich dienten die Säle im Restaurant des Gewerkschaftshauses regelmäßig als Veranstaltungsort für Parteien und Arbeitnehmer-Vertretungen.

Unserer Redaktion liegen E-Mails vor, in denen sich führende Mitglieder von Verdi, IG Metall, DGB und GEW für den Legienhof stark machen und die VTG – die im Auftrag von Gewerkschaften als Eigentümerin Gebäude verwaltet – auffordern, die Pläne mit dem Restaurant offenzulegen.

Die Rede ist von einem "Vertrauensverlust" in die Gewerkschaftspartnerin. Es bestehe der Verdacht, dass die VTG das Mietverhältnis mit dem Legienhof nicht fortsetzen wolle. Bereits im März hatte es Gespräche gegeben, und schon damals hatte sich DGB-Regionsgeschäftsführer Frank Hornschu für den Erhalt des Restaurants ausgesprochen und gefordert, dass eine Sanierung bei laufendem Betrieb stattfinden müsse. Doch dazu wird es nicht mehr kommen.

"Flohmarkt" im Legienhof

Ausverkauf im Legienhof

Im Legienhof in Kiel Ausverkauf angesagt. Die gesamte Einrichtung und Ausstattung von Tischen und Stühlen bis zu Gläsern, Tellern und Accessoires wird veräußert – an die Öffentlichkeit. Jeden Tag ab 10 Uhr öffnet der "Flohmarkt" in dem Restaurant, in einem der großen Veranstaltungssäle gibt es Erinnerungsstücke wie alte Blöcke mit Garderobennummer, aber auch Haushaltswaren wie Weinkühler, Gläser und Servietten oder Deko-Elemente.

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