Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Anmelden
Kiel Ist das Meer noch zu retten?
Kiel Ist das Meer noch zu retten?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
07:00 09.12.2014
Von Thomas Lange
Plastikmüll, Glas, Unrat – so sieht es aus am Strand vom Papahanaumokuakea Marine National Monument im Pazifischen Ozean, dem zweitgrößten Meeres-Naturschutzgebiet der Welt. Quelle: Paulo Mauri
Anzeige
Kiel

Über Fragen zum Zustand der Ozeane und darüber, wer das Meer regiert diskutieren am Dienstag Robert Habeck (Stellvertretender Ministerpräsident und Umweltminister in Schleswig-Holstein), Dirk Lindenau (Ingenieur für maritime Projekte und ehemaliger Geschäftsführer der Kieler Lindenau-Werft), Prof. Dr. Martin Visbeck vom Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel und Thilo Maack (Greenpeace). Auf der Gemeinschaftsveranstaltung der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel und der Heinrich-Böll-Stiftung Schleswig-Holstein erörtern sie auch, welche Maßnahmen zum Schutz der Meere ergriffen werden können. Die Moderation übernimmt Dirk Scheelje (Ministerium für Bildung und Wissenschaft, Kiel), für die musikalische Untermalung sorgt Nora Piske-Förster.

„Die Nutzung der Meere erfolgt überwiegend nach dem Prinzip der Ausbeutung“, begründen die Veranstalter von der Uni Kiel ihre Initiative zu dieser Ringvorlesung: „Setzt sich dieser Trend unvermindert fort, sind irreversible Schäden für die marinen Ressourcen wahrscheinlich. Bereits heute gelten nur noch gut vier Prozent der Weltmeere als vom Menschen unberührt. Besonders belastet sind dagegen die Nordsee, das Mittelmeer und das Schwarze Meer.“

Anzeige

Erforderlich sei „ein Umdenken unserer Konsum- und Produktionsmuster, die Beteiligung und Zusammenarbeit mit verschiedenen Akteuren, das Schaffen von Konsens und Partnerschaften". Dies könne nur auf Grundlage eines breiten öffentlichen Dialogs erfolgen. „Bisher ist das in Deutschland nicht gelungen. Und der Stellenwert, den das Meer als Lebens-, Wirtschafts- und Kulturraum einnimmt, ist noch nicht im Bewusstsein der Öffentlichkeit angekommen“, meinen die Wissenschaftler. „Ein Grund mag sein, dass die Ozeane in ihrer Unzulänglichkeit und Dimension schwer begreiflich sind und sich zu einem großen Teil unserem Bewusstsein entziehen.“

Die Forscher fordern: „Meerespolitik ist auch unbequem. Maßnahmen gegen Meeresverschmutzung oder zum Schutz mariner Ökosysteme haben wegen ihres grenzüberschreitenden Charakters nur dann Aussicht auf Erfolg, wenn alle nationalstaatlichen Regierungen kooperieren. Auch die Vereinbarung von Regeln im Umgang mit globalen Gemeinschaftsgütern lassen sich nicht mehr auf nationalstaatlicher Ebene alleine bearbeiten.“

Für die Redner auf der Abschlussveranstaltung der Ringvorlesung haben sie einen Fragenkatalog erstellt: Welche Handlungsoptionen eröffnen sich für eine gestaltende Meerespolitik in Deutschland? Wo liegen Freiheitsspielräume? Welche Rolle kommt der Wissenschaft dabei zu? Wie sieht unser Kenntnisstand über den heutigen Ozean aus? Wo sind die Grenzen unseres Verständnisses? Wie kann die Schwierigkeit überwunden werden, dass individuell und nicht rational gehandelt wird - zum Beispiel von Wirtschaftsunternehmen. Wie kann das „Meeresbewusstsein“ in Deutschland geschärft werden?

9. Dezember, 18-20 Uhr: Audimax der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, Westring/Ecke Olshausenstraße, Hörsaal H (Frederik-Paulsen-Hörsaal). Eintritt frei. Infos Tel. 0431/880-3032 und www.futureocean.org/ocean-sustainability