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Kiel Auslaufmodell Flüchtlingsunterkunft
Kiel Auslaufmodell Flüchtlingsunterkunft
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12:17 21.05.2019
Von Karen Schwenke
In der ehemaligen Marinetechnikschule in der Arkonastraße wurde ein Block bereits geschlossen, der andere wird noch von 200 Flüchtlingen bewohnt. Quelle: Frank Peter
Kiel

Wie Sozialdezernent Gerwin Stöcken ankündigte, will die Stadt anschließend die Containersiedlung in Dietrichsdorf (am Gildeplatz) und in drei bis vier Jahren Kiels größte Gemeinschaftsunterkunft im Schusterkrug auf dem ehemaligen MFG-5-Gelände in Holtenau aufgeben. 

Diese Massenunterkünfte hatte die Stadt in den Jahren des größten Flüchtlingszustroms 2015/16 geschaffen. Seitdem sind rund 5600 Menschen nach Kiel geflüchtet und wohnen im Stadtgebiet. Aktuell sind davon noch 1200 Flüchtlinge in Gemeinschaftsunterkünften untergebracht. Fest stehe, dass die Zahl der Gemeinschaftsunterkünfte auf den Stand vor 2015 zurückgefahren wird. Die kleineren Unterkünfte, die der Christliche Verein in den vergangenen 25 Jahren geschaffen hat, werden also bleiben. Auch eine Auflösung des im Frühjahr 2014 errichteten Containerdorfs im Ellerbeker Weg in Elmschenhagen ist nicht geplant. Stöcken geht davon aus, dass „damit die Kapazitäten reichen, um dem Grundrecht auf Asyl in der Stadt gerecht zu werden“.

Schilksee: Schon seit Herbst nicht mehr in Betrieb

Auf dem Parkplatz Tempest in Schilksee ist die Unterkunft mit rund 50 Containern und Platz für 100 Menschen seit Herbst nicht mehr im Betrieb. Für Flüchtlinge würden die Container nun nicht mehr gebraucht, daher will Stöcken sie für andere, kommunale Zwecke nutzen – zum Beispiel als Umkleidekabinen für Sportplätze. „Derzeit wird eine Reihe Container abgebaut. Sie sollen auf dem Prof. Peters-Platz die Umkleidesituation für Jugendmannschaften verbessern“, berichtet Stöcken. Außerdem hätten Seglervereine angefragt, ob sie während der Kieler Woche ein paar Container für Übernachtungen auf dem Tempest nutzen dürften. Einige Container reserviert der Sozialdezernent auch für die Winternothilfe der Obdachlosen, andere könnten als Zwischenlösung dienen, wenn an Schulen oder Kitas gebaut wird. Die Sanitärcontainer plant der Stadtrat „an Stellen wie dem Camp 24 als Toiletten“. Die zwischenzeitlich nicht gebrauchten Container sollen auf dem Tempest in eine umzäunte Ecke des Parkplatzes geschoben und aufeinander gestapelt werden. Stöcken: „In der Abwägung zwischen einer guten Folgenutzung der Container und dem Parkplatzbedarf während der Kieler Woche würde ich sagen, eine Folgelösung ist mir wichtiger als ganz schnell Parkplätze freizumachen.“

Arkonastraße: Von 800 Plätzen noch 200 belegt

In der ehemaligen Marinetechnikschule in der Arkonastraße ist Platz für 800 Menschen. Ein Block wurde geschlossen, der andere wird von 200 Flüchtlingen bewohnt. Aber auch sie sollen jetzt nach und nach in eigene Wohnungen ziehen. Nach den Plänen der Stadt soll die Liegenschaft des Bundes mit Gebäuden, die teils unter Denkmalschutz stehen, zu einem Wohngebiet werden. Der Quartiersentwicklungsprozess wurde bereits vor Jahren angeschoben. „Mein Wunsch ist, dass dort dann auch geflüchteten Menschen wohnen können“, sagt der Sozialdezernent.

Gildeplatz Dietrichsdorf wird Containerlager

100 Menschen wohnen derzeit noch in Wohncontainern auf dem Gildeplatz am Poggendörper Weg. Damit ist die Kapazität der Gemeinschaftsunterkunft fast ausgelastet. Doch auch dieses erst im November 2016 eröffnete Containerdorf soll aufgelöst werden. Ein konkretes Datum zur Schließung nennt Stöcken nicht. Aber genau wie in Schilksee sollen die Container im Besitz der Stadt bleiben, „denn sie waren ja nicht geschenkt“. 5000 Euro pro Stück hatte die Stadt damals bei einer Kieler Firma bezahlt. „Wir hatten unglaubliches Glück, denn am Markt kostete ein Container bis zu 20.000 Euro“, erinnert sich Stöcken. Für die kommunale Nachnutzung hat die Verwaltung ähnliche Überlegungen wie für die Container in Schilksee. Daher ist der Gildeplatz ebenfalls als Lager für Container angedacht.

Schusterkrug: In drei, vier Jahren ist auch hier Schluss

In den Kasernengebäuden der größten Flüchtlingsunterkunft in Kiel auf dem Gelände des ehemaligen Marinefliegergeschwaders 5 mit Zugang vom Schusterkrug ist Platz für 1500 Menschen. Aktuell wohnen dort 700 Flüchtlinge. Von ihnen werden in den nächsten Jahren viele noch bleiben. Am längsten diejenigen, die nach den Worten von Stöcken „durch Fluchtgefahren psychisch so gebeutelt sind, dass sie länger brauchen, um irgendwo anzukommen, und die gern im Schutz einer Gemeinschaft sind“. Allerdings ist auch hier in drei, vier Jahren Schluss. Denn das MFG-5-Gelände ist wohl die wichtigste städtebaulichen Entwicklungsfläche für Wohnen, Gewerbe, Dienstleistung, Tourismus und Freizeit. „Wenn der Stadtentwicklungsprozess auf dem Gelände beginnt, werden wir uns mit den Flüchtlingen zurückziehen. Deswegen fangen wir heute schon an, die Unterkünfte kleiner werden zu lassen.“ Am Ende werde es aber „Personen geben, über die wir uns Gedanken machen müssen“, verletzliche Menschen, „die in der Obhut der Stadt bleiben müssen“. 

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Die Stadt Kiel will bis in etwa vier Jahren die Flüchtlingsunterkünfte dicht machen, die sie nach 2015 errichtet hat. Noch sind dort rund 1200 Flüchtlinge untergebracht. „Wir finden es richtig, dass die Menschen langsam in den Wohnungsmarkt einsickern“, sagt Sozialdezernent Gerwin Stöcken.

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