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Kiel Ihr Leben bietet Stoff für viele Bücher
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08:00 20.01.2019
Von Karin Jordt
Foto: Am Sonntag wird Ruth Zöllner 100 Jahre alt. In einem Heft „Erinnerungen an das Sekukunisland“ hat die Jubilarin Fotos aus der Zeit in Südafrika zusammengestellt, die sie hier mit dem ältesten Sohn Christian ansieht.
Am Sonntag wird Ruth Zöllner 100 Jahre alt. In einem Heft „Erinnerungen an das Sekukunisland“ hat die Jubilarin Fotos aus der Zeit in Südafrika zusammengestellt, die sie hier mit dem ältesten Sohn Christian ansieht. Quelle: Karin Jordt
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Die Jubilarin hat ein bewegtes Leben hinter sich. In Potsdam wuchs Ruth Lucas mit fünf älteren Geschwistern auf und wurde Kindergärtnerin. 1938 heiratete sie Gerhard Zöllner, der als Pastor zur Bekennenden Kirche gehörte. Ruth Zöllner wurde Pfarrfrau mit ganzem Herzen und vielen Pflichten, kümmerte sich um Frauenarbeit und spielte die Orgel. Zwei Söhne wurden geboren. Als ihr Mann in den Krieg ziehen musste, hielt sie die Stellung in der Gemeinde von Pritzerbe an der Havel. 1944 kam die Tochter zur Welt. Nach Kriegsende wollte das Paar nicht gern in der russischen Zone bleiben. Daher nahm Pfarrer Gerhard Zöllner eine Stelle in Neuburg in Bayern an. Und so machte sich auch Ruth Zöllner zwischen Totensonntag und Erstem Advent 1945 mit ihren drei Kindern auf den Weg über die Zonengrenze zu ihrem Mann. „Die Reise war furchtbar“, erinnert sich Christian Zöllner, der älteste Sohn.

Mit dem "Rosinenbomber" nach London

Schon bald zog es die Familie wieder nach Potsdam, wo noch Verwandte lebten und Gerhard Zöllner ab Juni 1946 Jugendpfarrer für die Mark Brandenburg wurde. Seit seiner Studentenzeit interessierte sich der Theologe für die Mission und konnte wenige Monate später eine Stelle im Berliner Missionshaus übernehmen. 1949 wurde ein lang gehegter Wunsch wahr: Die Familie, mittlerweile mit einer Tochter und drei Söhnen, konnte in die Mission nach Afrika wechseln. Mit einem „Rosinenbomber“ der Luftbrücke ging es über Hamburg nach London, mit dem Passagierdampfer „Llandovery Castle“ nach Kapstadt und schließlich nach Transvaal auf eine Missionsstation. Andere Einsatzorte in Südafrika folgten, so Bloemfontein im Oranje-Freistaat und ab 1961 Swakopmund in Namibia. Ruth Zöllner unterstützte die Arbeit ihres Mannes nach Kräften, unterrichtete in einer deutschen Grundschule und half den Frauen. Auch für die eigenen Kinder – es waren mittlerweile acht Söhne und eine Tochter – blieb die abenteuerliche Zeit in Südafrika unvergessen.

Ein besonderes Buch zum Geburtstag

1968 zogen Ruth und Gerhard Zöllner nach Berlin zurück – und wie 1949 ging auf der Reise ein großer Teil der Möbel verloren. Der Pfarrer übernahm eine Stelle an der evangelischen Kirche St. Nikolai in Spandau. Nach der Pensionierung folgte der Umzug zum ältesten Sohn nach Schinkel, dann nach Kiel-Wellsee. Nach dem Tod ihres Mannes 1995 zog Ruth Zöllner nach Elmschenhagen, wo sie bis heute zum ehrenamtlichen Team der Trinitatisgemeinde gehört. „Ich bin zufrieden und dankbar“, sagt sie, „die Zukunft liegt in Gottes Hand.“ Als besonderes Geburtstagsgeschenk erscheint auf Initiative eines Sohnes eine 100 Seiten starke Biografie von Ruth Zöllner mit dem Titel „Ich zog meine Straße fröhlich – 100 Jahre zwischen Deutschland und Afrika, zwischen Liebe und Glauben“. 

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