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Kiel Schleusensanierung: Lange Wartezeiten für die Schifffahrt
Kiel Schleusensanierung: Lange Wartezeiten für die Schifffahrt
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06:00 15.08.2019
Von Frank Behling
In der Schleuse wird geputzt und gebaggert: Drei schwimmende Spül-Anlagen sind in Kiel-Holtenau im Einsatz. Quelle: Frank Behling
Kiel

Bis zum 27. September soll die Südschleuse gesperrt bleiben. „Es handelt sich hier um eine Kombimaßnahme, bei der mehrere Arbeiten zusammen erfolgen“, sagt Matthias Visser vom Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Kiel-Holtenau.

Südschleuse in Kiel-Holtenau: Sanierung in mehreren Schritten

Das Arbeitspaket umfasst sieben Punkte – vom Ausbau der Schleusentore über das Reinigen der Schleusenmauern bis zu Reparaturen an den Schienen der Torunterwagen, die die großen Schleusentore bewegen. Ein Großteil der Arbeiten spielt sich unter Wasser ab. Mit speziellen Spülfahrzeugen werden die Schleusentor-Bunker gereinigt. Das Mauerwerk der 1914 eingeweihten Schleusenkammer wird ebenfalls gewaschen. „Algen, Seepocken und Muscheln müssen runter“, sagt Lutz Peers, Bauingenieur beim Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Kiel-Holtenau. Drei schwimmende Spül-Anlagen sind im Einsatz. „Das sind Geräte, die sonst in Kiesgruben zum Einsatz kommen“, so Peers. Rund 60000 Quadratmeter unter Wasser liegende Schleusenfläche sowie 10000 Quadratmeter Wände der Schleusentore werden gereinigt.

Ohne den Einsatz von Tauchern geht es nicht

Gearbeitet wird nach einem strikten Ablaufplan. Alle Tage bis Ende September sind genau verplant. „Wir haben jeden Schritt festgelegt und mit den Firmen abgesprochen“, sagt Silke Meihsner, die für das Projekt als Ingenieurin zuständig ist.

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Ohne den Einsatz von Tauchern geht es nicht. „Es müssen an der Torbahn 1 und an der Torbahn 6 die Muttern an den Schienen gewechselt werden“, erklärt Peers. Bei der Nachfrage, warum die erst vor fünf Jahren eingebauten Muttern erneuert werden müssen, muss auch Kollege Visser passen. „Wir stehen da vor einem Rätsel. Es wurden an allen vier Schleusentoren identische Muttern verwendet. Warum aber ausgerechnet nur an zwei Torbahnen die Muttern korrodieren, ist ein Rätsel. Das wäre mal eine Aufgabe für einen Forschungsauftrag oder eine Doktorarbeit“, so Visser. Während die 910 Muttern an der Kanalseite korrodiert sind, sind die 910 Muttern der Schleusentorschienen an der Fördeseite vollkommen okay. Für den Einsatz unter Wasser bekommen die Taucher aus Brunsbüttel Unterstützung von Tauchern privater Firmen sowie Unterwasser Krause aus Kiel.

Das Arbeitspaket der Schleusensanierung in Kiel-Holtenau umfasst sieben Punkte.

Arbeiten sollen Ende September abgeschlossen sein

Der zweite große Posten auf der Arbeitsliste ist das Baggergut. Mit drei aus dem Emsland geholten Spülern wird nicht nur das Mauerwerk gewaschen. Die Maschinen wirken auch als Sauger. Deshalb sind die etwa zehn Meter langen und zwei Meter breiten Spüler mit ihren Rüsseln in den Torbunkern im Einsatz. Sie holen Schlick, Sand und Sediment vom Boden nach oben. Dort wird das Baggergut durch eine Spülleitung rund 500 Meter zu einem Arbeitsfeld am Wiker Ufer der Schleusenanlage gepumpt.

Sanierung „light“ für 3,75 Millionen Euro

Die 1914 eingeweihten großen Schleusen sollen noch mindestens zehn bis 15 Jahre sicher funktionieren. Erst nach Fertigstellung des Neubaus der kleinen Schleusen können an den Bauwerken umfangreiche Grundsanierungen beginnen. 3,75 Millionen Euro werden deshalb jetzt für die leichte Sanierung der 310 Meter langen und 42 Meter breiten Schleusenkammern ausgegeben. Bei der Gelegenheit werden auch die Tore ausgebaut und untersucht. Vier neue Tor-Unterwagen werden eingebaut. Darüber hinaus werden die Antriebe der Schleusentore überprüft und gewartet. Abschluss der Maßnahme ist eine genaue Vermessung der Schleusenkammer. Durch die Koppelung der Arbeiten auf eine Phase sollen weitere Sperrungen in den nächsten Jahren vermieden werden.

Auf einem gut zwei Hektar Gelände zwischen Schleuse und Fähranleger sind große Wassertanks aufgebaut. „Das sind sogenannte Flocmaster, in denen das Baggergut durch Zumischung eines Polymers behandelt wird und in den Behältern bleibt“, sagt Peers. Das Wasser löst sich dort vom Sediment und kann durch die Maschen des Tankmantels entweichen und in den Kanal zurückfließen.

In den gigantischen Stofftanks verbleibt das Sediment mit Sand und Schlick. „Das wird auf der Schleuseninsel zwischengelagert und dann entsprechend der Vorschriften entsorgt“, sagt Peers. Wenn die Arbeiten Ende September beendet sind, sollen rund 16000 Kubikmeter getrockneter Schleusenschlick zur Entsorgung anstehen.

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