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Kiel Künstliche Intelligenz schlägt viele Hautärzte
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04:51 29.04.2019
Von Christian Trutschel
Prof. Axel Hauschild ist Dermatologe am UKSH Kiel. Quelle: Thomas Eisenkrätzer
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Kiel/Heidelberg

Schon 2017 hatte eine im Wissenschaftsjournal "Nature" publizierte Studie aus Kalifornien weltweit unter Dermatologen für Aufsehen und Unruhe gesorgt. Ein lernendes, auf künstlicher Intelligenz (KI) basierendes Computer-Netzwerk war bei der Früherkennung von Hautkrebs 24 von 25 "Spitzen-Dermatologen" ebenbürtig. Der international anerkannte Kieler Hautkrebsspezialist Prof. Axel Hauschild hatte dazu auf dieser Seite gesagt: „Wir müssen anerkennen, dass ein solches lernendes System immer besser werden kann. Wenn es uns Hautärzte unterstützt, könnten wir noch besser werden.“

Hauschild ist Mit-Autor einer deutschen Studie, die dies nun in größerem Umfang bestätigt und aktuell im "European Journal of Cancer" veröffentlicht wurde. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ), der Universitäts-Hautklinik und des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg programmierten dafür einen Algorithmus, der verdächtige Hautveränderungen digital beurteilen kann.

Dann traten 157 Hautärzte von zwölf deutschen Universitätskliniken (Berlin, Bonn, Erlangen, Essen, Hamburg, Heidelberg, Kiel, Magdeburg, Mannheim, München, Regensburg und Würzburg) gegen die KI an. Bei 100 Bildern von Hautauffälligkeiten – 20 gesichert schwarzer Hautkrebs (Melanom), 80 gutartige Muttermale – mussten die 157 Dermatologen entscheiden: Gewebeprobe entnehmen (Biopsie) oder dem Patienten davon abraten.

Hier geht es zur Studie 

Dieselben 100 Bilder wurden anschließend von einem zuvor mit 12.378 anderen Bildern trainierten Algorithmus automatisiert bewertet.

Nur sieben der 157 Dermatologen schnitten besser als der Algorithmus ab, 14 erzielten gleich gute Ergebnisse und 136 hatten schlechtere Ergebnisse. Im Durchschnitt war der Algorithmus präziser in der Beurteilung der Hauttumoren als die Hautärzte. Dabei spielte es keine Rolle, welche Position und Erfahrung der Arzt hatte. Im Durchschnitt waren Assistenzärzte über Fach- und Oberärzte bis zum Chefarzt dem Algorithmus unterlegen.

"Die Ergebnisse zeigen, dass wir Hautärzte eine Unterstützung brauchen – aber diese werden nicht den Hautarzt ersetzen", sagt Axel Hauschild. "Es wird ein zusätzliches Hilfsmittel für die Hautärzte sein." Auf die Frage nach dem Abschneiden der Dermatologen der Uniklinik Kiel antwortet er: "Es gab kein Benchmarking unter den Unikliniken – schon aus Datenschutzgründen. Alle teilnehmenden Dermatologen bekamen das Resultat sofort zu sehen, aber die Resultate werden nicht kommuniziert."

"Hautärzte treffen differenziertere Diagnosen"

Der Algorithmus kennt bisher nur zwei Diagnosen: Muttermal oder schwarzen Hautkrebs. Die Heidelberger Wissenschaftler weisen darauf hin, dass ein Facharzt bei der körperlichen Untersuchung zwischen mehr als hundert Differentialdiagnosen unterscheiden können müsse. Kann eine KI in zehn Jahren die klinische Diagnose durch den Hautarzt vollständig ersetzen? "Es ist ähnlich wie beim Autopiloten im Flugzeug: Bei gutem Flugwetter und häufigen Strecken ist das Assistenzsystem hilfreich. Bei schwierigen Landungen muss ein erfahrener Pilot hingegen Verantwortung übernehmen. Das kann ein Computer so allein nicht leisten“", sagt Titus Brinker, Leiter der Studie und Wissenschaftler am DKFZ, NCT Heidelberg sowie Assistenzarzt an der Universitäts-Hautklinik Heidelberg.

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