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Kiel Auf Augenhöhe mit dem Richter
Kiel Auf Augenhöhe mit dem Richter
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09:00 29.01.2018
Von Oliver Stenzel
Monika Goldbaum ist seit fünf Jahren ehrenamtliche Schöffin am Kieler Amtsgericht. Quelle: Oliver Stenzel
Kiel

„In einem Verfahren habe ich durch gezielte Fragen dafür gesorgt, dass der Täter überführt wurde“, erinnert sich die 60-Jährige. Es sei damals um die Lichtverhältnisse während der Tat gegangen, ergänzt sie. Der Täter hatte seine Aussage vor der Verhandlung mit der eines Zeugen koordiniert, den die Laienrichterin durch ihre Nachfragen so ins Schleudern brachte, dass die Absprache aufflog.

Die Details zu der Geschichte spart Monika Goldbaum aus. Ihr Amt verpflichtet sie zur Verschwiegenheit, doch daran ist die Krankenschwester durch ihren Beruf schon lange gewöhnt. „Überhaupt sind viele der dort wichtigen Eigenschaften auch für mein Schöffenamt relevant“, sagt sie und hebt besonders die Beobachtungsgabe hervor: „Ich bin es gewohnt, genau auf die Regungen und Bewegungen meines Gegenübers zu achten. Das hilft mir auch im Gerichtssaal dabei, zu einer Einschätzung zu kommen.“ Im Prinzip könnten zwei Schöffen zusammen sogar einen Berufsrichter überstimmen, berichtet sie. Allerdings habe sie das nie erlebt: „Ich denke, dass das Gros der Menschen, die sich für diese Tätigkeit entscheiden, weiß, welche Verantwortung damit verbunden ist.“

Im Gegensatz zu dem Berufsrichter muss der Laienrichter natürlich kein Jura-Studium absolviert haben. Bei Amtsantritt verpflichtet er sich per Eid dazu, nach bestem Wissen und Gewissen der Wahrheit und Gerechtigkeit dienen. Monika Goldbaum verlässt sich dabei nicht allein auf ihre Menschenkenntnis und ihr Empfinden, sondern hat sich in das Themenfeld intensiv eingelesen und ist dem Schöffenverband beigetreten. Im Prinzip gehe es in ihrem Ehrenamtsalltag am Kieler Amtsgericht um Straftaten aller Art, so lange sie das Höchststrafmaß von vier Jahren nicht übersteigen und damit automatisch ans Landgericht übergehen: „In der Praxis hat gefühlt die Hälfte der Fälle mit Drogen und Beschaffungskriminalität zu tun“, berichtet Goldbaum, der bei den Urteilen die Frage besonders wichtig ist, wie man jemanden wieder auf den richtigen Pfad bringen kann.

Für die Amtszeit vom 1. Januar 2019 bis zum 31. Dezember 2023 sucht die Landeshauptstadt Personen, die Interesse am Schöffenamt haben. Neugierige zwischen 25 und 69 Jahren mit deutscher Staatsbürgerschaft können sich bis zum 31. März beim Bürger- und Ordnungsamt unter Tel. 0431/9012335, per E-Mail unter wahlen@kiel.de oder per Online-Formular auf www.kiel.de/wahlen melden.

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