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Kiel Hoch hinaus mit der schwarzen Kluft
Kiel Hoch hinaus mit der schwarzen Kluft
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07:00 31.12.2016
Von Gunda Meyer
Sie klettert auf jedes Dach, schaut in jeden Kamin und berät die Hausbesitzer: Schornsteinfegerin Kristin Kelling aus Preetz. Quelle: Uwe Paesler
Kiel

Als die 22-Jährige vor knapp drei Jahren mit ihrer Ausbildung begann, war sie noch die einzige Frau an ihrer Berufsschule in Meldorf. Mittlerweile sind vier von insgesamt rund 80 Auszubildenden weiblichen Geschlechts. Und in Kiel ist sie inzwischen sogar eine von drei Frauen, die sich nicht vor schmutzigen Händen oder rußiger Bekleidung scheuen. „Dafür gibt es Wasser und Seife“, sagt Kelling.

 Zu ihrem Handwerk ist die Preetzerin schon während der Schulzeit gekommen: „Wir mussten ein Praktikum in einem Handwerksberuf machen“, erinnert sie sich. Tischlerin oder Friseurin war ihr zu langweilig – sie wollte etwas besonderes machen. „Das hat mir dann so gut gefallen, dass ich neben der Schule immer wieder Praktika bei Schornsteinfegern gemacht habe“, bekennt Kelling.

 Nachdem sie auf der Berufsfachschule ihre Mittlere Reife nachgeholt hatte, begann Kristin vor knapp drei Jahren bei Roland Freiberg in Schönkirchen ihre Ausbildung zur Schornsteinfegerin. Auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz wurde zwar bei den Vorstellungsgesprächen häufiger bemerkt, dass sie sich als Frau für einen von Männern dominierten Beruf entschieden hat. „Das war aber nie ein Ausschlusskriterium“, sagt die 22-Jährige. „Es wird sogar eher unterstützt.“

 Täglich ist die junge Frau bei Wind und Wetter in den Straßen von Holtenau, Friedrichsort, Projensdorf und der Wik unterwegs. Rund 3000 Haushalte gehören zu ihrem Zuständigkeitsgebiet, in dem sie und zwei weitere Schornsteinfeger arbeiten.

 Neben den klassischen Kehrarbeiten der Kaminschornsteine und dem Überprüfen von Heizungsanlagen wird die Beratungsarbeit in ihrem Handwerksberuf immer wichtiger. „Früher wurde gemessen und gekehrt. Das war’s. Heute beraten wir viel zum Thema Kamin oder den Gebäude-Energieausweisen“, erläutert Kelling. Und auch in Sachen Klimaschutz setzt sie sich mit ihren Kunden auseinander: „Wenn wir sehen, dass die Menschen Müll in ihren Kaminen verbrennen, klären wir sie auf, dass sie nur die vom Hersteller vorgegebenen Brennstoffe verwenden dürfen.“

 Die Abwechslung in ihrer Arbeit macht ihr besonders Spaß: „Wenn ich drei Monate kehren war, freue ich mich darauf, wieder drei Monate zu messen, und umgekehrt.“ Noch viel wichtiger ist ihr aber der Kontakt zu den Menschen. Täglich hat sie mit anderen Personen zu tun – und hat auch schon hin und wieder als Seelentrösterin geholfen.

 Sogar vom Dach ist die junge Frau schon einmal geplumpst. „Gott sei Dank war es nicht sehr hoch.“ Höhenangst sollte man aber nicht haben, wenn man sich für diesen Beruf entscheidet. Dafür aber gute Kenntnisse in Mathematik. Das ist notwendig, wenn es darum geht, das Raumvolumen oder Kilowattzahlen zu berechnen.

 Im Februar muss Kristin Kelling ihre Fähigkeiten bei der Gesellenprüfung unter Beweis stellen. Dort muss sie selbst für ihr Glück sorgen – mit Wissen und Geschick. Von Berufs wegen Glücksbringerin für andere zu sein, das mag die 22-Jährige. „Dass die Menschen mir die Hand reichen wollen, gehört einfach dazu.“

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