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Kiel Kaum einer kennt die grünen Buden
Kiel Kaum einer kennt die grünen Buden
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00:17 24.06.2013
Von Felix Haas
Die grünen Hütten auf der Kieler Woche kennt kaum jemand. Quelle: Rainer Pregla
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Kiel

Am Donnerstagmorgen um 8 Uhr hörte ich zum ersten Mal davon. Torsten Lass, 46, Hauptbrandmeister bei der Ostwache und Kolonnenführer beim Kieler-Woche-Aufbauteam auf dem Rathausplatz, begrüßt mich mit festem Händedruck und einem Lachen. Einen Tag darf ich in seinem Team mithelfen. Darf die Abläufe kennen lernen und, genau: darf unter anderem auch beim Aufbau der kleinen grünen Buden helfen. Wozu die jetzt da sind? „Die Buden dienen als Lagerraum: für die Bühnentechnik, für die Standbetreiber des internationalen Marktes, für uns als Werkzeuglager,“ erklärt Lass.

 Seit 32 Jahren hat er beim Aufbau auf dem Rathausplatz seine Hände im Spiel. Mit den Ständen des internationalen Marktes haben er und sein Team zwar nicht direkt etwas zu tun. Aber alles, was drumherum dazu gehört, liegt in ihrer Obhut: Sie bauen die Wegweiser auf, verrammeln Schmutzecken, gewährleisten, dass der Rathausmarkt barrierefrei hergerichtet ist.

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 Nach einer morgendlichen Lagebesprechung geht es ersteinmal ans Ausladen. Schutzelemente für die Blumenkübel auf dem Rathausplatz werden geliefert. Torsten und ich heben die sechseckigen Holzbauten aus einem LKW und stülpen sie über die weißen Blumenkästen. Drei kleine Metallgewinde werden in eigens dafür eingerichtete Löcher gesteckt. „Ein perfekter Schutz für die Blumen“, berichtet Lass, „und äußerst praktisch: Die Holzelemente dienen gleichzeitig als Tresen.“

 Danach fahre ich mit Michael Picht von der Feuerwehr-Leitstelle nach Hassee. Dort hat die Kolonne ihr Lager. Alte Spanholzplatten, Holzreste, Werkzeug, Schilder, Flaggen – ein Team des Grünflächenamtes kümmert sich darum, dass alles bereit liegt als wir kommen. Wir packen das Holz und weitere Blumen-Schutzelemente ein und machen uns auf den Weg zurück. Die Zeit verfliegt. Es ist 11 Uhr als wir zurückkehren.

 Vor der Mittagspause muss noch einer der Lagerräume aufgebaut werden. Neben der Rathausbühne. Es ist die einzige pechschwarze Spanholzbude unter den ganzen grünen. Sie muss direkt hinter die Bühne gestellt werden. Dort wird Bühnenequipment verstaut. Fünf Holzplatten, eine Tür, zwölf Schrauben, zwölf Gewinde, ein Akkuschrauber, vier Helfer. Die Holzbude steht nach einer viertel Stunde.

 Dann ist Mittagspause. Wir stärken uns mit Pasta in der Sonne vor der Oper. Torsten Lass erzählt, er sei froh, dass das Wetter hält. In manchen Jahren seien sie schon beim Aufbau von Starkregen erwischt worden. Einmal hätten sie sich aus den gelben Müllsäcken sogar Regencapes basteln müssen. „Da hat es gefühlt tagelang durchgeregnet“, sagt Lass, „aber es nützt ja nichts. Es muss ja trotzdem alles fertig werden.“

 Nach der Mittagspause geht es zum Tallin-Stand. Dort muss noch ein Eingangsschild montiert werden. „Jedes Jahr stehen die Stände ein klein wenig anders. Wir müssen uns immer anpassen bei der Montage“, sagt Lass. Danach geht es gleich weiter: Wir schneiden alte Spanholzplatten mit einer Kreissäge zu, um mit den Platten Eingänge zu freien Flächen zwischen Ständen zu schließen. Lass nennt diese Flächen „Schmutzecken“. Es sind Ecken, die ohne Absperrung wohl zu leicht als Toiletten oder Mülleimern missbraucht werden könnten.

 Der Tag vergeht wie im Flug. Um 16 Uhr ist Feierabend. „Man muss hier viele Kleinigkeiten erledigen“, sagt Lass und drückt zum Abschied erneut fest die Hand. Stimmt, denke ich. Aber ohne diese vielen Kleinigkeiten von den vielen Helfern wäre die Kieler Woche nicht das, was sie ist: das größte Volksfest Nordeuropas.