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Kiel Vom E-Trabi zur Servicewerkstatt
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07:58 09.01.2016
Von Merle Schaack
Ziya Özcan (li) und Marcel Tribbensee haben den Elektroladen "Smakku" in der Holtenauer Str. eröffnet Quelle: fpr: Frank Peter
Kiel

Mit Trabi „Schorsch“, der nicht knattert, sondern surrt, und der dazugehörigen, selbstgebauten Ladesäule reisten sie unter anderem zur Hannover-Messe. „Einen Job in der Automobilindustrie zu bekommen, wäre mit unserer Ausbildung kein Problem“, sagt Marcel Tribbensee. Doch der 24-Jährige und sein Freund Ziya Özcan (29) entschieden sich ganz bewusst für die Selbstständigkeit und eröffneten am Freitag in der Wik ihren Elektroladen „Smakku“. „Wir wollen beide nicht in einem großen Konzern arbeiten. Da bleibt nur die Selbstständigkeit, wenn man auf unserem Gebiet etwas werden will“, sagt Tribbensee, der vor dem Technikstudium am RBZ eine Ausbildung zum Kfz-Mechaniker gemacht hat. Zu speziell sei ihr Fachgebiet.

 Auch Ziya Özcan sah keine andere Chance, um im Norden zu bleiben. „Ich habe mich bei vielen Firmen beworben, für die ich eigentlich überqualifiziert bin. Aber ich habe nie auch nur eine Antwort bekommen. Das liegt offenbar daran, dass ich einen Migrationshintergrund habe“, sagt der zweifache Familienvater.

Reparaturservice für Elektrogeräte

 So beschlossen die Techniker, ihr Glück selbst in die Hand zu nehmen. „Wir saßen schon während des Studiums nebeneinander und haben uns gut ergänzt“, erzählt Tribbensee, der sich auf Akkus spezialisiert hat, während Özcan Elektrokleingeräte als „meine Welt“ bezeichnet. In ihrem Laden bieten sie Reparaturservice für kleine Elektrogeräte, von der Armbanduhr bis zum Handy, an. „Wir wollen einen Beitrag dazu leisten, dass die Leute nicht mehr so viele Geräte wegschmeißen“, sagt Tribbensee. Viele Werkzeug-Hersteller würden Akkus absichtlich verkleben, damit die Kunden sie nicht austauschen können und im Zweifelsfall ein neues Gerät kaufen.

 Hilfe für die Gründung holten sie sich bei selbstständigen Freunden. Außerdem ließen sie professionell ermitteln, ob ihnen finanzielle Unterstützung zusteht und ob die Geschäftsidee rentabel sein kann. „Der größte Meilenstein war das Eigenkapital. Wir wollten ohne Investor auskommen“, sagt Tribbensee. Um Kosten zu sparen, nahmen sie viele der nötigen Umbauten in der ehemaligen Bäckerei selbst vor.

 Trotzdem kamen bei Tribbensee zwischendurch kurz Zweifel auf: „Wir hatten eine Dozentin, die sagte, sie würde den Schritt nie wagen. Aber Ziya hat mich überzeugt, dass es sich lohnt.“ Allerdings zunächst nicht finanziell. „Wir haben wenig Einkünfte und gar keinen Urlaub einkalkuliert“, gibt Tribbensee zu. „Aber es ist ein tolles Gefühl, in die eigene Firma zu fahren. Allerdings bekommt man nicht nur Ärger, wenn man einen Fehler macht, sondern ihn gleich am eigenen Leib zu spüren.“ Trotz der Unsicherheit, die die Gründung mit sich bringt, überwiegen für beide die Vorteile. „Zu wissen, dass ich keinen Vorgesetzten habe und selbst Entscheidungen treffen kann, ist für mich purer Luxus“, sagt Özcan.

 Allen, die mit dem Gedanken spielen, sich selbstständig zu machen, raten sie, sich mit der Entscheidung Zeit zu lassen. „Das will gut überlegt sein. Bei uns hat es sechs Monate gedauert, bis wir uns endgültig entschieden haben“, erzählt Tribbensee.

 Auch wenn sie fortan im Laden in der Holtenauer Straße die Stellung halten, haben sie noch Zeit für ihren E-Trabi. Der steht im RBZ und dient als Übungsobjekt für die neuen Elektromobilitäts-Jahrgänge. Gibt er doch einmal Rätsel auf, stehen die Umrüster mit ihrem Rat bereit.

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