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Kiel Statt Unterricht Demo gegen Rassismus
Kiel Statt Unterricht Demo gegen Rassismus
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19:25 27.04.2016
Von Karen Schwenke
„Gegen Rassismus und rechte Hetze“ in der Flüchtlingsdebatte haben etwa 500 Jugendliche am Mittwoch in Kiel demonstriert. Quelle: Frank Peter
Kiel

Schnee, Regen, Eiseskälte und die Unterrichtspflicht – all diese Widrigkeiten sprachen am Mittwochmorgen gegen eine Demonstration. Rund 500 Schüler machten sich trotzdem auf den Weg in die Innenstadt, um der Öffentlichkeit klar zu machen: „Wir sind gegen Rassismus und gegen rechte Hetze.“ Aufgerufen zu der Aktion, die bundesweit in weiteren Städten lief, hatte in Kiel ein Bündnis aus mehreren Jugendorganisationen, unter anderem aus dem Landesjugendwerk der Arbeiterwohlfahrt (Awo), den Jungsozialisten (Jusos), der Jugend des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) und der Landesschülervertretung der Gymnasien. „Die AfD hat bei den Wahlen in anderen Bundesländern viele Stimmen geholt, wir wollen verhindern, dass dies auch in Schleswig-Holstein passiert“, sagte Schülerin Annika Salzinger (20), Mitorganisatorin der Demonstration.

Auf ihrem Weg durch die Innenstadt skandierten einige Demonstranten: „Bleiberecht überall – kein Mensch ist illegal“. Auf Transparenten war zu lesen: „Solidarität kennt keinen Stundenplan“ und „Mittelfinger hoch – Nazi sein ist doof“.

Kapitulation vor rechtspopulistischer Hetze

In den Redebeiträgen ging es vor allem um die Situation von Flüchtlingen. Diese würden zurzeit nicht freundlich willkommen geheißen, sondern von Menschenmengen mit ausländerfeindlichen Parolen und teilweise Gewalt begrüßt. „Wir sind solidarisch mit allen Menschen, die flüchten müssen“, sagte eine Rednerin der Jusos und kritisierte die Politik der Bundesregierung und damit auch die ihrer Partei, der SPD: „Asylrechtsverschärfung ist eine Kapitulation vor rechtspopulistischer Hetze und Meinungsmache. Das Asylpaket II ist hierfür ein Beispiel.“ Sie beschwerte sich auch über Zustände in Schleswig-Holstein: Hier könne es für Asylbewerber von der Ankunft bis zur endgültigen Entscheidung Jahre dauern: „Das können wir nicht hinnehmen.“

Viele Schüler trieb neben der Sorge um die Flüchtlinge ihre Kritik am „zunehmenden Rassismus“ auf die Straße. Die 17-jährige Yulamae Whyth von der Max-Planck-Schule, deren Vater aus Jamaika stammt und deren Freund ein Flüchtling aus Ghana ist, nahm an der Demonstration teil, „weil ich selbst von Alltagsrassismus betroffen bin. Noch heute können sich Leute nicht vorstellen, dass ich aufs Gymnasium gehe. Und in der Schule wurde ich wegen meiner Afrokrause gemobbt“, berichtet sie.

Keine schriftlichen Missbilligungen

Noch bevor der Protestzug den Rathausmarkt erreichte, sorgte eine Information unter den Demonstranten für Unruhe. Es hatte sich herumgesprochen, dass die Schulen und das Bildungsministerium „schriftliche Missbilligungen“ aussprechen würden, um das Fernbleiben vom Unterricht zu rügen. Über Lautsprecher informierten die Organisatoren über dieses Gerücht und versprachen, sich für die Schüler einzusetzen. Das alles stellte sich auf Nachfrage beim Ministerium aber als falsch heraus: „Eine Missbilligung vom Ministerium gibt es nicht“, sagte Sprecher Thomas Schunck. Das Ministerium halte „die Ziele der Demonstration sogar für richtig und unterstützenswert, allerdings könnten sie auch jenseits der Unterrichtszeit verfolgt werden“. Den Schulen habe man empfohlen, eigene Regelungen für den Umgang mit der Demonstration zu treffen, zum Beispiel, den Unterricht zu einem späteren Zeitpunkt nachzuholen. Für alle anderen Schüler gilt: „Unentschuldigtes Fehlen wird im Klassenbuch vermerkt und erst dann zum Problem“, so Schunck, „wenn es so häufig vorkommt, dass die Lehrkräfte ihre Schüler nicht mehr bewerten können.“

Das gab es in der 50-jährigen Geschichte des Landesverbandes von Pro Familia noch nie: Zum ersten Mal übernimmt ab 1. Mai ein Sexualpädagoge die Leitung einer Beratungsstelle – in diesem Fall die in der Kieler Bergstraße.

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