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Kiel Wohnkosten werden zur Schuldenfalle
Kiel Wohnkosten werden zur Schuldenfalle
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17:00 10.07.2019
Von Heike Stüben
Die Fälle werden immer komplexer. Oft kommen die Klienten erst, wenn nichts mehr geht. Kostenlose Hilfe gibt es dann bei Schuldnerberaterin Ursula Jakobi (rechts). Quelle: Sven Janssen
Kiel

Dass Menschen durch steigende Mieten und Nebenkosten mit ihren Zahlungen in Verzug geraten, treffe inzwischen auch Arbeitnehmer mit geregelten Einkünften – und vor allem immer mehr Senioren.

„Oft leben Rentner seit Langem in ihrer Wohnung und sind im Umfeld verwurzelt. Wenn dann die Warmmiete zu hoch fürs Budget wird, versagen sie sich alles, was sich nur irgendwie einsparen lässt. Bis hin zum Essen", berichtet Schuldnerberaterin Ursula Jakobi. "Wenn das trotzdem nicht reicht - und das erleben wir immer öfter –  wird das zur Katastrophe für die Betroffenen.“

Schleswig-Holstein: Schulden werden in die Höhe getrieben

Die stellvertretende Leiterin des Schuldner- und Insolvenzberatungszentrums erlebt, dass die Schuldenlast oft unnötig in die Höhe getrieben wird - etwa, weil insbesondere große Wohnungsunternehmen Rückstände von Inkassounternehmen eintreiben lassen. Die hohen Gebühren dafür würden die Schuldenfracht weiter erhöhen. „Oft mündet das in eine Räumungsklage. Hier gibt es kaum Spielraum für Regulierungen.“

Doch eine bezahlbare Wohnung in der Nähe zu finden, sei meist nicht möglich. Schon gar nicht, wenn der Betroffene staatliche Unterstützung wie Grundsicherung im Alter erhält und deshalb eine Mietobergrenze einhalten muss.

Hier gibt es Hilfe

Die Beratung im Schuldnerberatungszentrum von Lichtblick e.V. ist kostenlos, freiwillig und vertraulich. Die Ratsuchenden behalten ihre Angelegenheiten in der Hand. Sie entscheiden, wie es weitergehen soll, ob sie eine weitere Unterstützung durch einen Berater wollen oder nicht. Aus langjähriger Erfahrung rät das Team, so früh wie möglich das Hilfsangebot zu nutzen. Die Beratungen finden in der Kieler City, am Alten Markt 7, oder in Kiel-Gaarden, Elisabethstraße 74, statt. Weitere Informationen und Beratungstermine gibt es unter Telefon 0431/ 24012 22.

Kiel: Wohnungsmarkt stärker regulieren

Die Folge beschreibt Rolf Fischer so: Immer mehr Betroffene finden entweder gar keine Wohnung oder sie müssen in Stadtteile wie Gaarden und Mettenhof ziehen.

„Wir erleben eine negative Mobilität: Menschen mit ähnlichen Problemen konzentrieren sich seit Jahren immer mehr in bestimmten Quartieren.“ Das sei nicht nur sozialpolitisch ein Irrweg, sondern vergrößere letztlich das Problem.

Fischer, selbst viele Jahre in der SPD aktiv und bis 2017 Staatssekretär in der Landesregierung, hält deshalb eine stärkere Regulierung des Wohnungsmarktes und mehr Sozialwohnungen für notwendig. Mietobergrenzen und Umzugsaufforderungen müssten mit Augenmaß gehandhabt werden.

Zusammenarbeit mit Wohnungswirtschaft

Er schlägt aber auch eine enge Zusammenarbeit mit der Wohnungswirtschaft vor. „Es reicht nicht, unsere Klienten zu beraten, auch die Eigentümerseite ist wichtig.“ Außerdem müsse deutlich mehr Übergangswohnraum geschaffen werden, für den die Stadt bürge und der Menschen ein Dach über dem Kopf gebe, bis sie wieder eine Wohnung finden.

Angeheizt wird die Überschuldung oft noch durch hohe Energiekosten. „Wer elektrische Durchlauferhitzer oder alte Geräte hat, hat einen höheren Verbrauch und ist damit von steigenden Energiekosten besonders betroffen. Genau diese Konstellation findet sich eher bei Menschen mit geringem Einkommen“, sagt Fischer.

Lesen Sie auch: Studie - Schulden im Schnitt bei 29000 Euro

Jakobi schlägt vor, Mietern mit Verschuldungsproblemen ein Prepaid-System anzubieten: Wollen Sie Strom, müssen sie dann erst einen Euro in ein Gerät werfen. „Das hat den Vorteil, dass der Mieter seinen Verbrauch genau kontrollieren kann. Die Stromkosten sind besser kalkulierbar, als wenn im Nachhinein die dicke Rechnung kommt.“

Risiko: bargeldlos einkaufen

Weitere Schuldenfallen: Internetverträge für Handy, Spiele und andere Dienstleistungen. Immer wieder erleben die Berater, dass Schuldner schnell im Internet einen Vertrag eingehen und im Nachhinein nicht einmal mehr rekonstruieren können, mit wem sie zu welchen Bedingungen den Vertrag abgeschlossen haben.

„Solche Verträge zu kündigen, ist oft sehr schwer. Da benötigen wir mehr Verbraucherschutz und auch eine andere Rechtsprechung“, fordert Rolf Fischer. Auch das bargeldlose Bezahlen mache Menschen immer häufiger Probleme – und mitunter sogar zu Straftätern. Die Karte sei an der Kasse schnell gezückt, und nicht immer werde automatisch die Liquidität geprüft. „Wer aber weiß, dass sein Konto gar nicht gedeckt ist und trotzdem per Karte einkauft, kann strafrechtlich wegen Betruges belangt werden. Im schlimmsten Fall ist er dann vorbestraft.“ 

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