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Kiel "Schwenteeny" leidet an Hautkrankheit
Kiel "Schwenteeny" leidet an Hautkrankheit
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11:00 01.06.2019
Von Steffen Müller
Auf der rechten Körperseite des Delfins haben sich auffällige Flecken gebildet. Vieles spricht dafür, dass „Schwenteeny“ an einer Hautkrankheit leidet. Quelle: Sven Koschinski
Kiel

Aufgestellt hat diese Vermutung der Meeresbiologe Sven Koschinski, nachdem er wie viele andere Förde-Besucher auch mit seiner Tochter am Mittwoch den Delfin in der Förde beobachtet hatte. Dabei fielen dem Schweinswalexperten an der rechten Körperseite hinter der Finne kreisrunde Flecken auf, die auf eine weit fortgeschrittene Hautkrankheit hindeuten könnten. Im Gesicht und an der Finne entdeckte Koschinski Anzeichen für sich bildende Ekzeme. "Das sind sicher keine normalen Hautabschilferungen", sagt der freischaffende Meeresbiologe aus Nehmten am Plöner See, der für mehrere Institute als Berater arbeitet.

Krankheit Ursache für merkwürdiges Verhalten?

Koschinski schätzt, dass die Krankheit der Grund für das auffällige Verhalten von "Schwenteeny" sein könnte. "Der Delfin tauchte immer in einem bestimmten Muster entlang von zwei Pfählen auf", schildert der Biologe. "Nur wenn Boote nahe dran waren, verschoben sich die Auftauchmuster etwas. Als alle Boote weg waren, sprang der Delfin etwa 100-mal hintereinander." Sehr merkwürdig sei, dass der Delfin immer im Dreieck zwischen den Stegen hin und her schwimme. Wahrscheinlich nutzt das Tier die Pfähle, um sich daran zu schubbern. Auch das häufige Springen könne darauf hindeuten, dass sich der Delfin von den Parasiten zu befreien versucht.

Fotoaktion: Hier können Sie ein Foto von Schwenteeny hochladen - wir stellen es dann zur Fotostrecke

Immerhin: Anhand der Bilder kann Professorin Ursula Siebert von Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung in Büsum leichte Entwarnung geben. "Derartige Infektionen werden immer wieder bei Delfinen beobachtet", meint die Fachtierärztin für Wildtiere. "Häufig sind es kombiniert virale, bakterielle und fungale Prozesse." Meistens sehe es schlimmer aus, als es ist, und in vielen Fällen sei auch kein Juckreiz gegeben. "Je nachdem, wie die Fitness der Tiere ist, kann es damit gut klarkommen, und alles heilt ab."

Delfin "Schwenteeny" wegen Krankheit alleine?

Die Krankheit könnte auch der Grund sein, warum "Schwenteeny" alleine unterwegs ist. Normalerweise finden sich „gemeine Delfine“ in Schulen zusammen, doch auch bei Meeressäugern gilt, dass das schwächste Glied einer Gruppe zurückgelassen wird, wenn es die restlichen Artgenossen aufhält und somit gefährdet. Möglicherweise konnte "Schwenteeny" das Tempo seiner Familie durch die häufigen Sprünge nicht mehr mitgehen.

Mittlerweile hat sich "Schwenteeny", wie der Delfin von manchen Fans genannt wird, einen Lieblingsplatz gesucht: nämlich am Sporthafen Dietrichsdorf in der Schwentinemündung.

Infektionsgefahr in der Schwentinemündung

Allerdings vermutet der Kieler Wal-Experte Boris Culik, dass die Hautinfektion mit den letzten Regenfällen und dem Einspülen ungeklärter Straßenabwässer mit all ihren Keimen und Tierkot zu tun haben könnte. Direkt in die Schwentinemündung fließt die Straßenentwässerung vom Ostufer, was zu viel Dreck in dem meist stehenden Gewässer führt.

"Vielleicht ist es an der Zeit", sagt Culik, "Strategien zu entwickeln, wie der Delfin in die Kieler Förde und weiter nach Norden gelockt werden kann, um den Rückweg in die salzreichere und daher für seine Haut vermutlich besser geeignete Nordsee zu finden."

Seit Mitte Mai Auffälligkeiten zu erkennen

Ob sich der Delfin die Krankheit möglicherweise erst in der Schwentine eingefangen hat, lässt sich nicht sagen. Als das Tier Anfang April erstmals in der Förde gesichtet wurde, war es noch sehr scheu, Fotos zeigen es nur von weit entfernt. Erst seit wenigen Wochen, seit Anstieg der Temperaturen, taucht "Schwenteeny" häufiger auf, sucht sogar die Nähe zu Kajak-Fahrern oder Stand-up-Paddlern.

Bilder der letzten Tage belegen zumindest, dass den Delfin auch schon Anfang Mai Flecken an seinem Körper zierten.

Suche nach Delfin-DNA

Derweil hat sich das Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung vom Geomar auf die Suche nach der Herkunft von "Schwenteeny" begeben. Aus der Schwentinemündung wurden Wasserproben genommen, in der Hoffnung, darin Delfin-DNA nachzuweisen und um zu klären, in welchen Gewässern der Meeressäuger ursprünglich beheimatet ist. Nach Angaben eines Sprechers wird es aber noch mindestens zwei Wochen dauern, bis erste Ergebnisse vorliegen.

Delfine in Kiel

"Schwenteeny" ist nicht der erste Delfin, der sich länger in der Kieler Förde aufhält. Als 2016 der Delfin Fiete die Kieler Förde besuchte, verbreitete sich die Nachricht wie ein Lauffeuer. Gefühlt war ganz Kiel auf den Beinen, um zumindest noch nach Feierabend einen Blick auf den verspielten Großen Tümmler zu werfen.

Ähnlich war es beim Besuch von Selfie und Delfie in Kiel. Die Delfine hielten sich in den Morgen- und Abendstunden vermehrt in den Hafenanlagen der Bundeswehr auf - wo sie auf Fischfang waren.

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