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Kiel Schwentine-Strom aus Wasserkraft
Kiel Schwentine-Strom aus Wasserkraft
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11:31 18.01.2013
Von Karin Jordt
Das geplante Wasserkraftwerk an den alten Schwentinebrücken soll im mittleren Hauptstrom installiert werden. In den Gewölberuinen (vorn) einer ehemaligen Mühle befinden sich noch Reste alter Wasserkraftturbinen, die sich jedoch nicht mehr aktivieren lasse Quelle: Karin Jordt
Kiel

Am mittleren Brückenelement, wo der Hauptstrom der Schwentine neben der Fischtreppe in Richtung Förde rauscht, möchte der Diplom-Ingenieur eine sogenannte Kaplan-Turbine aufbauen. Einstimmig befürworteten die Ortsbeiräte von Ellerbek/Wellingdorf und Neumühlen-Dietrichsdorf/Oppendorf das Vorhaben in einer gemeinsamen Sitzung. Bereits seit 2009 befasse er sich mit dem Projekt, an den alten Schwentinebrücken wieder Strom aus Wasserkraft zu gewinnen, berichtete Eckhoff. Sein ursprünglicher Plan, eine große Wasserkraftschnecke aufzubauen, war jedoch kritisch aufgenommen worden, weil damit die frisch sanierten Gewölbe der alten Brücke verdeckt worden wären. Das neue, mit der Stadt Kiel und Denkmalschützern abgestimmte Konzept wurde nun von beiden Ortsbeiräten einhellig akzeptiert. Die Ruinenreste der ehemaligen Mühle und die Fischtreppe bleiben unverändert.

 Der erzeugte Strom werde in das Netz der Stadtwerke eingespeist und sei ausreichend, um etwa 200 Haushalte zu versorgen, erklärte Eckhoff. Die Kaplan-Turbine werde in einem Betongehäuse im Wasser auf der westlichen Brückenseite untergebracht sein. Die Turbine sei zuverlässig, leise, habe eine lange Lebensdauer und verdecke nicht die Brücke. Am oberen Einlauf werde ein Feinrechen wie ein Sieb verhindern, dass Fische in das Gerät schwimmen, erläuterte der Investor aus Selent. Außerdem werde es ein Reinigungssystem für Treibgut geben.

 Die Wasserkraft des Flusses zu nutzen hat Tradition. Schon im 13. Jahrhundert wurde an der Schwentine eine Wassermühle gebaut, weitere Müller siedelten sich am Ufer an. Nach Aufhebung des Mühlenzwangs ließen die Brüder Johannes und Ferdinand Lange, die auch Mühlen in Altona, Reinbek und Uetersen besaßen, auf dem Nordufer ab 1864 ein modernes Fabrikgebäude errichten: Die Langesche Kornmühle, die Getreide mit Wasserkraft verarbeitete, war acht Etagen hoch. Das Mehl konnte direkt auf Schiffe verladen und nach Kiel gebracht werden. Ein Großfeuer im Jahr 1874 vernichtete jedoch das Anwesen. Ein größerer Neubau entstand, in dem auch Dampfturbinen für die Mahlgänge genutzt wurden. 1945 zerstörten Bomben die Anlagen. Heute erinnern noch die Gewölbe mit den Turbinenresten und das Restaurant „Alte Mühle“ an den Bau.

 Der Mündungsbereich der Schwentine mit seinen Bänken, Wanderwegen, Grünflächen und Ausflugsschiffen hat sich in den vergangenen Jahren zu einer Freizeitoase entwickelt. Das Wellenreiten in der Strömung an den Brücken wird in Zukunft aber nicht mehr möglich sein. Dafür ist eine neue Attraktion geplant: Eine Schautafel soll die Funktion der Turbine erklären und die aktuelle Leistung anzeigen.

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