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Kiel Böse Überraschung am Ostseekai
Kiel Böse Überraschung am Ostseekai
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07:24 29.01.2014
Von Frank Behling
Acht der 92 Haltepfähle sind gerissen. Die 40 Meter langen Stahlprofile wurden im Winter 2006/2007 (Foto) im Winkel von 55 Grad gerammt. Nach den Arbeiten wurde der Raum zwischen alter (links) und neuer Kaimauer (rechts) mit Baggergut gefüllt. Quelle: FB
Kiel

Der tägliche Wetterbericht ist in diesen Tagen für Dirk Claus genauso wichtig wie der tägliche Hafenbericht aus Hamburg. Der Geschäftsführer der Seehafen Kiel GmbH braucht jetzt alles, nur keinen harten Winter mit Schnee und Dauerfrost. Alles, was Tiefbauer stoppen kann, könnte auch die Kieler Traumschiffssaison gefährden. Grund sind schwere Schäden an der Kaimauer des Ostseekais, die jetzt durch Zufall bei Erdarbeiten entdeckt wurden.

 Die Reparatur von Kiels wichtigstem Kreuzfahrtliegeplatz muss schnell erfolgen. Ende März kommt mit der „Aidacara“ der erste Kreuzfahrer. „Wir sind guter Dinge, dass die Arbeiten Anfang Mai abgeschlossen sein werden. Bis dahin sind wir in der Lage, die Kreuzfahrtschiffe an dem anderen Liegeplatz am Ostseekai abzufertigen“, sagt Claus.

 Für die Reparatur des Ostseekais müssen bis zu zwei Millionen Euro in die Hand genommen werden. In zwei Reihen sollen im Abstand von 40 Metern zur Kaikante 20 Meter lange Stahlpfähle gerammt werden. An diesen Pfählen werden Stahldrähte befestigt, die der gefährdeten Kaimauer am Liegeplatz 27 zusätzlichen Halt geben sollen. Diese mehrere Hundert Tonnen schwere Konstruktion aus Beton- und Stahlelementen sollte eigentlich durch 92 Stahlträger gehalten werden. Diese Pfähle sind 40 Meter lang und wurden im Winter 2006/2007 im Winkel von 55 Grad ins Erdreich gerammt. Bei einer genaueren Überprüfung wurde jetzt festgestellt, dass acht dieser Stahlträger komplett durchgerissen wurden. Einige weitere Träger sind beschädigt. „Wir wissen noch nicht, warum das geschehen ist“, sagt Claus. Ob Pfusch beim Bau oder Materialfehler an den Trägern die Ursache waren, ist noch unklar. Es gehe jetzt aber vorrangig darum, den Liegeplatz bis Mai wieder einsatzbereit zu machen. Von einem Plan B will Claus noch nicht reden. Als Ausweichliegeplatz würde der Ostuferhafen bereitstehen. Wenn der Winter aber ein zügiges Arbeiten erlaube, werde man diese Lösung nicht brauchen, verspricht Claus. In Kiel werden zwischen Ende März und Oktober fast 130 Schiffsbesuche von Kreuzfahrern erwartet.