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Kiel Die seriöse Arbeit am Wissen
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08:19 04.05.2019
Von Martin Geist
Außergewöhnlich jung war das Publikum im Audimax der Uni Kiel. Quelle: Martin Geist
Kiel

Dank starker Präsenz der Schülerbewegung „Fridays for Future“ war das Publikum bei den „Scientists for Future“ diesmal so jung wie noch nie.

Voriges Jahr ging es um den Dieselmotor, jetzt um den Klimawandel. Nicht ganz überraschend zeigte sich vor gut 400 Interessierten des vom Physiker Prof. Michael Bonitz organisierten Abends im Audimax erneut, welch komplexe Angelegenheit die Realität ist. Meereswissenschaftler Prof. Martin Visbeck berief sich in seinem kurzen Überblick weitgehend auf den IPCC, der hierzulande meist Weltklimarat genannt wird und auf breiter wissenschaftlicher Front Fakten und Forschungsergebnisse zum Klimawandel zusammenträgt, aber auch bewertet.

Der Klimawandel hat soziale Folgen

In Visbecks Worten ebenso wie in der Darstellung des Weltklimarats finden sich dabei immer wieder Hinweise auf Mehrheitsmeinungen beziehungsweise unterschiedlich wahrscheinliche Szenarien wieder. Die auf jede Menge Messungen gestützte Mehrheitsmeinung läuft allerdings darauf hinaus, dass ein ursächlicher Zusammenhang zwischen dem globalen Temperaturanstieg und der Zunahme von CO2 sowie anderen maßgeblich von Menschen erzeugten Gasen nicht zu leugnen ist. Auch die Erklärung, dass sich diese Gase wie eine Käseglocke über die Erde stülpen und die Wärme der Sonnenstrahlung unter dem Deckel halten, sei durch vielerlei Untersuchungen weit mehr als eine bloße Theorie, betonte Visbeck.

Prof. Silja Klepp von der Sektion für Geographie an der Uni Kiel beschäftigt sich derweil mit den sozialen Folgen des Klimawandels. Etwa in Kirabati, einer im Südpazifik gelegenen Inselgruppe, die schon jetzt stark unter den Folgen des ansteigenden Meeresspiegels und verheerenden Sturmfluten leidet. Macht das die dort lebenden Menschen zu Umwelt- oder Klimaflüchtlingen? Ist das erst der Anfang von gewaltigen Migrationsbewegungen Richtung Norden? Silja Klepp verschwieg nicht, dass in den Debatten „alarmistische Szenarien“ ebenso wie eher beschwichtigende kursieren und „ganz viele offene Streitfragen“ die Sache nicht gerade übersichtlicher machen. Auch die Wissenschaft, so räumte sie ein, äußere sich „teilweise interessengeleitet“.

Perspektive des Südens einbeziehen

Persönlich plädiert die Geographin dafür, „nicht nur vom globalen Norden aus zu schauen“, sondern genauso die Perspektive der Betroffenen im Süden einzubeziehen. Deren Sorge, die eigene Kultur komplett zu verlieren und in alle Winde zerstreut zu werden, könnte dazu führen, über ganz neue, in gewisser Weise bewahrende Formen von Migration nachzudenken.

Auf dem Podium vervollständigten Rune Vollbehr und Hannah Lüthje von „Fridays for Future“ die Runde. Sie kündigten an, demnächst der Landesregierung einen konkreten Forderungskatalog zur Klimapolitik in Schleswig-Holstein vorzulegen. Und versprachen für den Freitag vor der Europawahl eine „richtig große Demonstration“ in Kiel.

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