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Kiel Kann sich die KVG das leisten?
Kiel Kann sich die KVG das leisten?
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00:16 10.02.2014
Von Heike Stüben
„Es heißt immer, das Seniorenticket darf nichts zusätzlich kosten“, sagte Rolf Sachse vom Kieler Seniorenbeirat. Doch bisher fehle jede Berechnungsgrundlage. „Es ist also völlig offen, ob das Seniorenticket zusätzliche Kosten verursachen würde.“
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Die Bürger im Rathaus waren sich weitgehend einig: Die Zeit ist reif für ein Ticket, das einfach in der Handhabung und auch für Senioren mit kleiner Rente bezahlbar ist. „Wir wollen einfach vernünftig versorgt werden“, forderte Bernhard Bröer, und ein Bürger rief den KVG-Vertretern zu: „27 Prozent der Kieler sind über 60, und wir werden immer mehr. Machen Sie ein attraktives Angebot, und wir werden es nutzen!“

Dass das Angebot bisher nicht ausreicht, fand auch eine Rentnerin, die auf den öffentlichen Personennahverkehr angewiesen ist. „Bei meiner kleinen Rente kann ich mir ein normales Monatsticket nicht leisten.“ Das koste zwischen 56 und 72 Euro. Etwas billiger ist die Monatskarte im Zwölfer-Abo – je nach Reichweite kostet sie 46,67 Euro bis 60 Euro pro Monat.

Abgeschreckt werden durch die Preise offenbar auch jene, die noch Auto fahren. „Wenn ich mit meinem Mann einmal in die City und zurück fahre, kostet das mindestens 8,60 Euro. Könnten wir verbilligt fahren, würden wir das Auto häufiger stehen lassen und Bus fahren. So denke nicht nur ich, so denken viele Bekannte“, sagte Christine Scheffer vom Kieler Seniorenbeirat und forderte einen Modellversuch.

Doch so weit wollte am Donnerstag niemand der Verantwortlichen gehen. Grundsätzlich sei man neuen Tickets gegenüber aufgeschlossen, betonte KVG-Betriebsleiter Thomas Mau. Allerdings dürfe sich das Defizit – derzeit rund zehn Millionen Euro – nicht erhöhen. Deshalb müsse man genau rechnen.

Lutz Oschmann, grüner Ratsherr und im Aufsichtsrat der KVG, versuchte es mit einer ersten Rechnung: Wenn man ein Seniorenticket für 35 Euro im Monat anbieten würde, würde die KVG von den bisherigen Nutzern in dieser Altersklasse weniger einnehmen. „Bei 6000 Nutzern wären das Mindereinnahmen von rund einer Million Euro.“ Um das auszugleichen, müsse man viele zusätzliche Kunden mit dem Seniorenticket gewinnen. Woraufhin einige Zuhörer nachrechneten und zu dem Ergebnis kamen: Mindestens 2381 neue Kunden müssten das Seniorenticket jeden Monat kaufen.

Doch gleichzeitig kamen Zweifel auf. Denn die 6000 Nutzer und eine Million Mindereinnahmen sind offenbar nur Schätzungen. Es gibt noch gar keine gesicherten Zahlen, wie viele Senioren bereits mit der KVG fahren und wie viele davon eine Monatskarte benutzen. „Das wurde noch nicht erhoben“, hieß es bei der KVG. Jürgen Klagge und Rolf Sachse vom Seniorenbeirat forderten deshalb, endlich Zahlen beizubringen: „Der Prüfauftrag, der uns heute zugesagt wird, kann nur ein erster Schritt sein. Wir werden dranbleiben.“