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Kiel Altes Lazarett soll überleben
Kiel Altes Lazarett soll überleben
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10:06 25.04.2014
Von Karina Dreyer
Im Haus 3, dem einstigen Absonderungshaus, könnten ein Künstlerhotel oder Appartements für Künstler entstehen. Quelle: Karina Dreyer
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Wik

Mit dem Wachsen des Marinestandortes Kiel entstand auch der Bedarf an einem militärischen Krankenhaus, für das 1901/02 ein rund sechs Hektar große Areal in der Wik ausgewählt und erworben wurde. Bis 1907 entstand dort das Marinelazarett im typischen Kasernenbaustil der Kaiserzeit mit 16 Gebäuden und einem Park, der der Erholung der geschwächten Patienten diente. In dem durch Backstein-Pfeiler und Metallgitterzaun eingefassten Areal gab es eine Villa für den Direktor, Häuser für Ärzte, Beamte und Bedienstete, ein Operationshaus, Verwaltungs- und Wirtschaftsgebäude sowie Bettenhäuser und das Kesselhaus für die Fernwärme.

In einem der sechs sogenannten Pavillongebäude war am Rande des Areals in der Weimarer Straße 8 das Absonderungshaus (Haus 7) untergebracht. Damals gab es noch keine Penicillin, deshalb wurden dort Menschen mit ansteckenden Krankheiten untergebracht. Heute steht es leer. Überall liegen Scherben. Schrille Graffiti-Kunst hat sich hier breit gebracht, dennoch herrscht etwas morbide Stimmung.

Nur ein paar Schritte weiter steht Haus 12, die Leichenhalle, in der damals Tote obduziert und aufgebahrt wurden. Auch dieses Häuschen steht leer und wartet auf eine neue Nutzung wie die kleine Kapelle (Haus 13), die heute als Trafo-Station und Lager dient. Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahmen Anschar-Schwestern zum größten Teil den Pflegedienst im Lazarett. 1950 pachtete die Schwesternschaft das Lazarett, das fortan Anschar-Krankenhaus hieß. Später kamen mehrere Kliniken der Uni Kiel hinzu.

„Dann gab es 1996/97 Pläne und den Entschluss, nicht zu sanieren, da die Erhaltung mit 140 Millionen DM zu teuer war“, erklärt Ratsherr Dirk Scheelje, der auch zur Atelierhaus-Gesellschaft gehört, die 2009 ein Teilgrundstück mit dem ehemaligen Wirtschaftsgebäude (das jetzige Atelierhaus) erworben hat. Mit dem Ziel, das Gebäudeensemble zu retten und Kunstschaffenden und Designern in Kiel Räume zu bieten, um arbeiten und ausstellen zu können. Die Atelierhausgesellschaft übernahm ebenso das Verwaltungsgebäude, in das eine Kita und Kreativwirtschaft einziehen sollen und auch das Kesselhaus, das derzeit saniert wird. „Hier soll es Werkstätten für Projekte von Künstlern geben sowie eine Inklusionsbetrieb. Das heißt, Menschen mit Behinderungen gehen den Künstlern zur Hand“, erklärt Scheelje. Ebenso soll Gastronomie installiert werden und da kommt die ehemalige Leichenhalle, die viele Jahre auch als Seminarraum diente, ins Spiel.

Eine Arbeitsgemeinschaft von vier Wohnungsbaugenossenschaften kaufte das 30000 Quadratmeter große Gelände im östlichen Teil, plant dort den Bau von neuen Wohnhäusern sowie den Erhalt des ehemaligen Absonderungshauses, der Leichenhalle und der Kapelle. „In das Haus 7 müssen 4,5 Millionen Euro gesteckt werden, um es zu erhalten und eine Mischung aus Wohnen und Gewerbe entstehen zu lassen“, so Scheelje. Vorstellbar wäre ein Hotelbetrieb oder Appartements für Künstler und Architektenbüros.

Ein Jahr Rücktrittsrecht hat die Gemeinschaft, das erlischt im November. „Die Gutachten sind durch, das Beteiligungsverfahren läuft, der B-Plan muss noch beschlossen werden“, zählt er auf und ist optimistisch gestimmt, denn „alle wollen es. Wenn das aber nicht klappen sollte, dann kann auf diesem Gelände keiner mehr was retten“, betont er. So stark seien die Gebäude vom Verfall bedroht.