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Kiel Der Nerv der medizinischen Forschung
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09:49 28.04.2014
Von Karina Dreyer
Einst ein Vorlesungssaal für angehende Mediziner auf dem Anschar-Gelände, nun voll von Graffiti: Dirk Scheelje (links) und Torsten Meyer-Bogya von der Atelierhausgesellschaft. Quelle: Karina Dreyer
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Die Haustüren sind mit Holzplatten vernagelt, Balken stützen die Decken, die Wände sind besprüht und auf dem Boden liegen Scherben. Nur der rotte Hörsaal im ersten Stock und die zerbrochenen Waschbecken im Labor unterm Dach erinnern daran, dass im Haus 3 des Anscharparks einst geforscht und gelehrt wurde.

 Haus 3 bildet mit dem Verwaltungsgebäude (Haus 1) und dem Atelierhaus ein Ensemble im Anscharpark, das noch den Charakter des ursprünglichen Lazarett-Geländes samt seiner streng geometrisch angelegten Wege erhält. In der Parkanlage suchten Patienten, die in Sälen mit bis zu 20 Betten untergebracht waren, Erholung.

 Bis in die 90er waren auf dem unter Denkmalschutz stehende Gelände noch Teile der Uniklinik untergebracht. Herta Bonah, ehemalige Krankenschwester der Anschar-Schwesternschaft war Anfang der 80er-Jahre dort tätig. „Da gab es die Zahnklinik, die Neurochirurgie und das Anschar-Krankenhaus“, berichtet die 69-Jährige. „Wenn da jemand operiert wurde, wurde der noch vom OP-Saal nach draußen ins Bettenhaus getragen. Da wurde viel improvisiert und aus wenig noch was gemacht und es war trotzdem ein sehr gutes Krankenhaus“, erzählt sie und kann sich auch noch an die Säle mit 18 Betten erinnern.

 Im Haus 3 selber gab es den Hörsaal, ein Bettensaal, das Forschungslabor und Räume für Professoren. Einer von ihnen war Hans-Gerhard Creutzfeldt, von 1938 bis 1953 Direktor der Neurologie und Psychiatrie in Kiel und einer der beiden Entdecker der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Creutzfeldt von der Kieler Professorenschaft zum ersten Rektor der wieder errichteten Universität gewählt.

 „Als letztes war das Toxilogische Institut von Professor Otmar Wassermann im Haus 3“, weiß Dirk Scheelje von der Atelierhausgesellschaft, die das Haus erworben hat und darin ein Designhaus einrichten möchte. Denn die meisten der Designer, die ihr Studium an der Muthesius Kunsthochschule absolviert haben, würden Kiel verlassen. „Wir möchten das Spitzenniveau gerne in Kiel halten“, so Scheelje. Zudem ist das Gebäude wichtiger Teil des historischen Ensembles, ein Abriss wäre eine Katastrophe. Doch die Sanierung liegt bei rund 4, 5 bis 5 Millionen Euro, die erst einmal finanziert werden müssen. Die Stadt Kiel hat beim Land bereits einen Antrag auf Fördermittel aus dem Programm Städtebaulicher Denkmalschutz gestellt, „wenn das nicht klappt, müssen wir uns nach anderen Töpfen umsuchen“, so Dirk Scheelje.

 Bislang ist von Haus 3 noch wenig bekannt, „vor allem aus der Zeit des Nationalsozialismus, da fehlen uns noch Informationen. Die Akten liegen bei der Bundeswehr in Flensburg“, sagt er. Auch die Aufarbeitung der Historie steht auf dem Plan der Atelierhausgesellschaft, dafür sind alte Fotos, Informationen oder Zeitzeugenberichte willkommen.