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Kiel Schwerverletzte warnt vor dem Feuerwerk
Kiel Schwerverletzte warnt vor dem Feuerwerk
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08:00 13.01.2019
Von Niklas Wieczorek
Foto: Sonja Zipkat geht inzwischen gefasster mit dem Vorfall in der Silvesternacht um. Doch ihre Verletzungen werden sie noch lange daran erinnern.
Sonja Zipkat geht inzwischen gefasster mit dem Vorfall in der Silvesternacht um. Doch ihre Verletzungen werden sie noch lange daran erinnern. Quelle: Frank Peter
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"Erst sah es so aus, als wenn da nur ein paar Haare verknöselt sind", sagt Zipkat eine Woche nach Neujahr in einem Café unweit des Unfallortes. Oder ist es ein Tatort? Die 26-Jährige trägt ein Kopftuch, weil die Haut noch empfindlich ist – doch sie wirkt gefasst. Auch wenn ihr das explodierende Feuerwerk etwas Liebes genommen hat: "Seit vielen Jahren schon habe ich lange Haare", sagt Zipkat. Die schwersten Verbrennungen zweiten und dritten Grades nennt sie erst danach. Zipkat sagt: "Es tat höllisch weh."

Der Abend hatte gut begonnen

Gemeinsam mit ihrem Freund und einer Handvoll Freunden hatte sie den Abend begonnen: Bei Raclette, "Dinner for One" und dem Gesellschaftsspiel "Activity". Für Mitternacht hatten sie den Fuß- und Radweg von der Niebuhrstraße zum Westring unweit des Wasserturms Ravensberg ausgesucht. Von hier wollten sie besser über die Dächer gucken. Doch wenige Meter weiter lauerte ganz und gar nicht ungefährliches Feuerwerk.

Eine kleine Gruppe junger Männer, Mitte 20, habe mehrere Minuten lang überschwänglich mit Pyrotechnik hantiert, so Zipkat. Raketen aus der Hand abgefeuert, Feuerwerk in Richtung der parkenden Autos geschleudert – Zipkat und ihre Freunde nahmen Abstand. Doch nicht genug. Im Gebüsch habe einer der Männer schließlich eine Fontäne angezündet. "Das sah nicht aus wie ein normaler Feuerwerkskörper", sagt Zipkat, "es war so eine Röhre. Und er ist nach dem Anzünden auch schnell weggelaufen."

Sie geht von illegaler Pyrotechnik aus

Daher geht Zipkat davon aus, dass den Männern bewusst gewesen sein dürfte, dass es sich um illegale und unsichere Pyrotechnik gehandelt haben muss. Meterhoch sei der Lichtstrahl aus der Fontäne geschossen: "Ich habe so etwas noch nie gesehen", sagt Zipkat. Sie und ihre Freunde nutzten gar keine Knaller, machten noch ein paar Schritte zurück – als die Fontäne plötzlich in die Luft flog. "Es war ein weißes Licht, das auf mich zukam, eine Kugel." Dass die ausgerechnet unter ihrer Kapuze landete, war Pech. Nach der OP hat sie jetzt zumindest die Hoffnung, dass ihre Haare nachwachsen. Aber dass sie Silvester 2019 auch nur einen Fuß vor die Tür setzt, kann sie sich nicht vorstellen.

"Sie sollen anfangen zu denken"

Stattdessen möchte sie die Gruppe erreichen: Sie wisse nicht, ob die Männer von dem Vorfall etwas mitbekommen haben. Doch ihr Umgang mit dem Feuerwerk sei fahrlässig gewesen. Daher hat Zipkat Anzeige erstattet, wie die Polizei bestätigt. "Ich möchte, dass sie wissen, was sie ausgelöst haben. Das hatte Folgen und ist gefährlich", sagt Zipkat. Nach einer Strafe verlangt sie nicht. Das sei Sache der Polizei, von der sie sich Unterstützung erhofft. In Richtung der Männer sagt sie: "Es reicht, wenn sie sich zusammensetzen und bewusst machen, was passiert ist." Und nach einer Pause: "Sie sollen anfangen zu denken."

Die Polizei ruft Zeugen auf, sich zu melden: Wer hat in dem Bereich eine fünf- bis sechsköpfige Gruppe gesehen, die mit Feuerwerk hantierte? Der junge Mann, der die Fontäne anzündete, war laut Zipkat etwa Mitte 20, 1,75 bis 1,80 Meter groß, trug eine schwarze Jacke und hatte blonde, kurze Haare. Hinweisgeber können sich melden unter Tel. 0431/160-3333.

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