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Kiel Nicht jeder kann übers Wasser gehen
Kiel Nicht jeder kann übers Wasser gehen
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00:18 27.06.2013
Von Felix Haas
KN-Reporter Felix Haas versucht sich beim Slacklinen über der Förde. Am Aufstieg scheitert er allerdings. Quelle: Frank Peter
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Kiel

Zugegeben: Ein bisschen slacklinen kann ich ja schon. Ab und an spanne ich abends im Park meine 15-Meter-Leine auf, laufe, hüpfe, gehe rückwärts. Darum dachte ich auch, es wäre doch mal an der Zeit, sich selbst herauszufordern. Ich wollte schon immer einmal versuchen, über eine lange Leine über dem Wasser zu laufen.

Lars Krücke (31), Mitja Boettger-Soller (26), und Moritz Barrabas (29) sind die idealen Trainer. Die drei Mediziner zelebrieren während der Kieler Woche allabendlich ihre Slackline-Show an der Kiellinie. Einer der drei spaziert auf dem 50-Meter-Seil über dem Wasser, die beiden anderen verteilen im Publikum Wasserbomben. Die drei lassen Slacklinen so einfach aussehen: Traumwandlerisch balancieren sie über die Leine, federnd im Knie, mit Spannung im Oberkörper. Selbst wenn einer von ihnen von einer Wasserbombe getroffen wird, geht’s ohne große Probleme weiter. Das Publikum grölt, applaudiert und scheint teilweise fast angesäuert, dass einfach keiner herunterfällt.

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Ich zwänge mich in meinen Neoprenanzug und hole mir bei den Jungs die letzten Tipps. Die größte Hürde bei der Wasserleine ist der Aufstieg. Fast drei Meter über dem Wasser ist die Leine an den Pollern der Schiffsanleger gespannt. Da muss man ersteinmal hochkommen. „Eng am Seil entlang hangeln, umschwingen, aufsetzen. Dann einen Fuß nach hinten, das Gewicht auf den hinteren Fuß und langsam aufstehen“, sagt Mitja. Klingt einfach. Ich hänge mich an die Leine, schwinge die Füße rüber und hangel mich wie ein Kletteräffchen mit dem Rücken zum Wasser vorwärts.

Slacklinen sieht immer so wunderschön einfach aus. Da spaziert jemand über ein wackelndes Seil, reißt die Arme zur Balance hoch und läuft Schritt für Schritt bis ans Ende der Leine. Wenn die Slackline dann noch über Wasser gespannt ist, müssen doch selbst die Stürze zum Vergnügen werden. Das dachte zumindest unser Reporter Felix Haas. Dann erfuhr er am eigenen Leib, dass allein der Start mehr Kraft und Technik erfordert als ein Erfolgsstoß beim Hau-den-Lukas.

Das geht flüssig und sieht bestimmt professionell aus, denke ich mir noch. Die mindestens 500 Zuschauer sollen ja auch etwas zu sehen bekommen. Dann schwinge ich mich am Seil hoch. Naja gut, besser: Ich versuche mich hochzuschwingen. Denn ich lande wieder in der Ausgangslage. Der zweite Versuch läuft noch katastrophaler. Fast rutsche ich mit den Händen ab. Anschließend hänge ich an der Leine herunter, meine Füße berühren das Wasser. Genau so sollte es nicht laufen.

Ich lasse mich ins Wasser plumpsen und wappne mich für meinen nächsten Versuch. Ich mache es kurz: Auch bei Versuch Nummer zwei und drei hatte ich wohl mehr Wasser- als Leinenkontakt. In der Zwischenzeit tänzelt Mitja in unter zehn Minuten von einer Seite zur anderen. Als er von der Leine kommt, lacht er. Ich sage: „Sieht locker-flockig aus!“ Er sagt: „Ist es aber auch für uns nicht.“ Irgendwie glaube ich ihm das jetzt.