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Kiel So gefährlich sind Knopfzellbatterien für Kleinkinder
Kiel So gefährlich sind Knopfzellbatterien für Kleinkinder
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16:19 23.12.2019
Von Christian Trutschel
Gefahr für Kleinkinder durch verschluckte Knopfzellen: Ina und Mark Ellrichmann warnen vor den kleinen Batterien. Quelle: Ulf Dahl
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Kiel/Ostenfeld

Christin Barcz aus Ostenfeld (Kreis Rendsburg-Eckernförde), deren Sohn Hannes vor vier Wochen durch eine Mini-Batterie zum medizinischen Notfall wurde, ist diese Warnung wichtig. „Ich möchte anderen Eltern dieses Leid ersparen“, sagt sie.

Es war am 27. November nachmittags, als Hannes, 15 Monate alt, „plötzlich anfing, ganz laut zu schreien und immer wieder zu erbrechen. Ich habe nicht gesehen, dass er sich eine Batterie in den Mund gesteckt hatte, aber meine Mutter bemerkte, dass die Batterie aus der Verpackung einer Teelicht-Kerze fehlte.“ Sofort rief Christin Barcz den Kinderarzt an, bekam in der Praxis die Nummer der Giftnotrufzentrale, „dort wurde mir gesagt, ich solle schnellstmöglich den Rettungswagen rufen.“ Sie wählte die 112 und wartete auf den RTW, der zu dem zwischen Bovenau und Schacht-Audorf gelegenen Dorf kam, um Mutter und Kind ins UKSH Kiel zu bringen.

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Batterie wurde unter Vollnarkose entfernt

„Zwischenzeitlich schlief Hannes ein“, berichtet die Mutter. „Er lachte sogar wieder, als wir auf die Röntgenuntersuchung warteten, und ich dachte schon: falscher Alarm.“ Doch das Röntgenbild zeigte klar, dass eine Knopfzellbatterie im oberen Teil der Speiseröhre feststeckte. Daraufhin wurde das Kind in der Endoskopie des UKSH rasch in Vollnarkose versetzt, und Gastroenterologe Dr. Mark Ellrichman entfernte die Batterie mit einem flexiblen Endoskop. „Das ist bisher immer gelungen“, erklärt Ellrichmann, Leiter der interdisziplinären Endoskopie und Oberarzt in der Klinik für Innere Medizin I. „Bei Komplikationen würden wir die HNO-Kollegen hinzuziehen.“

Speiseröhre kann verätzt werden

Fünf Fälle wurden allein in diesem Jahr am UKSH Kiel behandelt. „Die Häufigkeit nimmt zu“, sagt Dr. Ina Ellrichmann, Oberärztin und Kindergastroenterologin in der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin I. Die Gefahr, die von den Batterien – meistens vom Typ CR 2032 oder auch CR 2430 – ausgeht, erklären die Eheleute Ellrichmann, selbst Eltern, so: „Gefährdet sind Kinder, die noch alles in den Mund stecken, um die Welt zu erfahren, und bei denen die Speiseröhre noch eng ist. Verschluckte Fremdkörper bleiben gern in einer der drei Engen der Speiseröhre stecken. Dann hat die Batterie beidseitig Kontakt, der Stromkreis ist geschlossen, und das Gewebe wird verätzt. Binnen Minuten schwillt die Speiseröhre zu. Die Kinder können ihren Speichel, der nun vermehrt produziert wird, nicht mehr schlucken, sodass er ihnen aus dem Mund läuft.“

Immer einen Rettungswagen rufen

Solange Strom fließt, gehen Zellen unter. Dabei entstehen sogenannte Nekrosestraßen von abgestorbenem Gewebe, die sich bis zum Aortenbogen – bei kleinen Kindern etwa fünf Zentimeter von der Speiseröhre entfernt – vorfressen können. „Dann kann das Kind verbluten. Eine Knopfbatterie in der Speiseröhre ist ein Notfall“, betont Ina Ellrichmann, „und es ist richtig, über die 112 den Rettungswagen zu holen.“ Wichtig: „Batterien, die wir als entleert betrachten, sind für Kinder immer noch gefährlich.“

Hannes musste über Magensonde ernährt werden

Bei Hannes zeigte eine MRT-Aufnahme am Tag nach der Endoskopie, dass sich Nekrosen in Richtung Aorta entwickelt hatten. Mehrere Tage lang wurde er über eine Magensonde ernährt, durfte nichts trinken und essen, dann nur breiige Kost. „Beim zweiten MRT, acht Tage nach der Endoskopie, sah es schon so aus, als ob die Nekrosestraße wieder abgebaut würde“, berichtet Ina Ellrichmann.

Zehn Tage blieben Hannes und seine Mutter im UKSH. „Richtig, richtig tapfer war er“, erzählt sie. Bis zur nächsten Endoskopie am 8. Januar darf er nur Weiches essen. „Mir war nicht bewusst, dass die kleinen Batterien so einen Schaden anrichten können, und auch in unserem Bekanntenkreis wusste das keiner. Deshalb ist es mir wichtig, das bekanntzumachen.“

Es können Schäden bleiben

Hannes hatte wahrscheinlich Glück. Bei einem anderen Jungen, der 2018 im Alter von neun Monaten als Batterieopfer im Kieler Uniklinikum behandelt wurde, bildeten sich beim Abheilen der Schleimhaut Narben – die Neigung dazu ist individuell unterschiedlich. Die Folge sind Schluckstörungen.

„Die geeignete Therapie ist eine Ballon-Dilatation, die etwa fünf bis zehn Minuten dauert“, erklärt Mark Ellrichmann. Dabei wird ein Ballonkatheter zur Engstelle geführt. Ist er an der richtigen Stelle, wird der Ballon aufgeblasen. „Der Junge“, berichtet Ina Ellrichmann, „hat inzwischen mehrere Ballon-Dilatationen hinter sich und heute eine gute Lebensqualität.“

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