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Kiel So gelingt ein nachhaltiger Schulstart
Kiel So gelingt ein nachhaltiger Schulstart
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11:50 12.08.2019
Von Kristiane Backheuer
Die Gründerinnen von „umtüten“, Anja Kromer (30, links) und Christina Lehmann (28), bringen zum Schulstart zwei neue „Snack-Tüüten“ auf den Markt. Bedruckt sind sie mit Zeichnungen von zwei Kieler Schülerinnen. Der Erlös soll in neue Müllvermeidungs-Workshops fließen. Quelle: Thomas Eisenkrätzer
Kiel

Um den ersten Schultag schon möglichst nachhaltig zu gestalten, hat sich KN-online nach Ideen umgehört.

Mitten im Wissenschaftspark am Kieler Westring sitzen Christina Lehmann (28) und Anja Kromer (30) und haben sich Gedanken gemacht, wie man unsere Welt ein wenig besser machen kann. Vor vier Jahren haben sie deshalb während des Studiums Stofftüten entwickelt, die helfen sollen, Einwegverpackungen zu vermeiden. Kaum waren die ersten Produkte unter dem Projekt-Namen „umtüten“ auf dem Markt, begann die Erfolgsgeschichte. Ihre Tüten für Brot und Snacks, die sie ganz norddeutsch als „Tüüten“ bezeichnen, sind inzwischen in ganz Deutschland zu finden. Große Bäckerei-Ketten sind ihre Kunden, genauso wie kleine Bio-Läden, aber auch Jugendherbergen und Supermärkte.

Kieler Kinder haben das Tüten-Design gemalt

„Passend zum neuen Schuljahr haben wir eine Schul-Tüüt für einen nachhaltigen Schulalltag bedruckt“, sagt Christina Lehmann. Zwei Schülerinnen, Marie-Sophie (14) und Beriwan (15) von der Kieler Klaus-Groth-Schule, lieferten dazu mit ihren Zeichnungen von der „Welt von morgen“ die Grundlage. „An der Schule hatten wir vor knapp zwei Monaten einen Workshop zum Thema Müllvermeidung angeboten“, erklärt Anja Kromer. Da entstanden die Bilder. Das Motiv von Beriwan zeigt eine offene Hand, aus der eine neue Pflanze wächst. Marie-Sophie hat eine „perfekte“ Welt gemalt. „Ich wünsche mir, dass die Natur so ist, wie sei sein soll. Bäume wachsen, Fische leben und bevölkern die Meere, Vögel fliegen in einer nicht verpesteten Luft“, so ihre Erklärung.

Die neuen „Snack-Tüüten“ fürs Pausenbrot werden per Hand in der Siebdruckwerkstatt der Kieler Muthesiusschule bedruckt. Das inzwischen fünfköpfige „umtüten“-Team achtet darauf, dass die Herstellung fair, ökologisch und lokal ist. Der Stoff aus Bio-Baumwolle hat ein abwaschbares Innenfutter aus pflanzlicher Stärke. „Das ist atmungsaktiv und wasserbeständig“, sagt Anja Kromer. „Und komplett kompostierbar.“ Gefüllt ist die „Tüüt“ zum Schulstart mit Biosaft, Apfel und Lesezeichen aus Graspapier. „Der Erlös soll in neue Müllvermeidungs-Workshops gehen“, sagt Christina Lehmann. „Wir sehen uns nicht als Beutelproduzenten, sondern eher als Aufklärer“, sagen beide. Ihr Ziel: Andere Menschen für einen Alltag ohne Einwegverpackungen begeistern.

Wachspapier-Folie zum Einwickeln der Pausenbrote

Für einen nachhaltigen Schulstart ist auch die Kieler Buchhandlung „Liesegang“ in der Holstenstraße gerüstet. Stempel, Buntstifte und Lineale aus Holz, bunte Wachspapier-Folie zum Einwickeln der Pausenbrote, kleine Spiele in Pappschachteln, Wasserflaschen aus Glas. „Selbst Plastik-Tintenpatronen müssen nicht mehr sein“, sagt Buchhändler Benjamin Vohs. Für Füllhalter gebe es inzwischen Aufsätze (Konverter), mit denen man Tinte aus einem Tintenfass nutzen kann. „Viele Buchverlage lassen zudem oft die Folie weg oder nutzen das Cradle-to-Cradle-Verfahren, bei dem bei der Herstellung eines Buches keine Rohstoffe verbraucht werden.“ Ein witziger Gag sind zudem „Schlüsselromane“, die im Buchladen angeboten werden. So wurde beispielsweise das Mädchenbuch „Dolly“ von Enid Blyton aus den 1960er-Jahren zum angesagten Schlüsselbrett.

Zu kreativen Ideen und selbst gemachten Überraschungen beim Thema Schultüte rät die Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein. „Kleine Überraschungen in der Schultüte fördern die Vorfreude auf den ersten Schultag“, so Pressesprecherin Vivien Rehder. „Zum Beispiel selbst gemachte Knete, ein Bastelbuch oder ein Armband mit Buchstaben-Perlen. Hochwertige, schadstoffarme Stifte halten lange und machen Freunde beim Malen.“ Eine gute Orientierung beim Kauf von Schulmaterial biete das Siegel Blauer Engel. Vor gekauften Süßigkeiten warnt sie dagegen. „Sie enthalten viel Zucker. Lieber Vollkornkekse selbst backen oder Trockenfrüchte und Nüsse als Alternative nehmen.“

Von „i-Dötzchen“ und „Abc-Schützen“

Wer zur Schule kommt, ist ein Schulanfänger. Doch in Deutschland gibt es viele Begriffe für Erstklässler. So heißen sie beispielsweise im Rheinischen „i-Dötzchen“. Früher wurde im Unterricht als erstes der Buchstabe „i“ gelehrt. Mit „Dotz“ oder „Dötzchen“ wird ein „Punkt“ bezeichnet. So entstand der Ausdruck.

Aus dem Westfälischen stammen die Begriffe „i-Männchen“, „i-Männeken“ und „i-Köttel“. Geläufig ist vielerorts auch die Bezeichnung „Abc-Schütze“, die schon seit der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts bekannt ist. Sprachwissenschaftler sind sich allerdings uneins, warum es „Schütze“ heißt. Vermutet wird, dass das lateinische Wort „tiro“ für „Anfänger“ fälschlicherweise mit dem lateinischen Wort „tirare“ für „schießen“ verwechselt wurde. Die Österreicher kennen zudem den Begriff „Taferlklassler“.

Der Brauch, jungen Lernanfängern eine Schultüte zur Einschulung zu schenken, stammt aus dem Beginn des 19. Jahrhunderts. Besonders in Sachsen und Thüringen wurde mit Nüssen, Obst und Naschwerk der Weg in die Schule versüßt. Als erste Großstadt übernahm Berlin die Schultüten. Erst nach und nach setzte sich der Brauch dann im Süden und im Westen Deutschland durch.

Freude über Kreativität der Eltern

All das ist ganz im Sinne von Bildungsministerin Karin Prien (CDU): „Wir freuen uns über die Kreativität der Eltern. Buntstifte und Malkreiden zum Beispiel und alles, was die Freude am Malen und Schreiben fördert, gehört natürlich in eine Schultüte. Aber auch gerne etwas zum Naschen, es ist ja ein besonderer Tag.“ Damit die neuen Erstklässler ganz umweltbewusst starten, verteil der Abfallwirtschaftsbetrieb Kiel (ABK) kostenlos Brotdosen. „Wir wollen vermitteln, wie wichtig eine umweltschonende und nachhaltige Lebensweise ist“, sagt Marion Voß vom ABK. Die Abfallvermeidung sei dabei ganz wichtig. „Wenn die Brotdose in der Grundschulzeit verwendet wird, werden pro Kopf etwa 800 Meter Aluminium- oder Kunststofffolie eingespart. Das ist ein Gewinn für die Umwelt und die Haushaltskasse der Eltern.“

Mehr über: „Umtüten“. Übers Internet können die Einschulungs-Tüten bestellt werden. Angeboten werden die Tüten zudem im KN-Shop am Asmus-Bremer-Platz.

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