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Kiel "So kann es nicht mehr weitergehen"
Kiel "So kann es nicht mehr weitergehen"
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14:00 12.11.2008

Es ist kurz nach 9 Uhr. An der Humboldtschule deutet nichts auf Unruhe hin. Auf den Fluren ist es still, draußen kicken ein paar Schüler gegen die Kälte an. Nur auf den Treppen zum altehrwürdigen Schulportal steht mit Kreide geschrieben: „Heute ist Schulstreik“. Schulleiter Hans-Michael Kiefmann hat „keine Ahnung, was heute passiert“. Besorgte Eltern haben ihn angerufen, mit welchen Konsequenzen denn das Fernbleiben ihrer Kinder vom Unterricht geahndet werde. Der Rektor seufzt. Natürlich müssten Schüler mit einem Eintrag unentschuldigten Fehlens rechnen. Mehr nicht? Kiefmann schüttelt den Kopf: „Allenfalls in begründeten Ausnahmefällen.“Eine Umfrage unter Schulleitern per Telefon und Demonstranten vor Ort macht deutlich, wie tief der Riss durch die Kollegien sein muss. Manche Schulleiter lehnen die Teilnahme an einer „von linken Kräften gesteuerten“ Schüler-Demo kategorisch ab, wollen Zuwiderhandlungen „selbstverständlich“ ahnden. Andere kündigen an, es bei schlichten Ermahnungen oder einem Brief an die Eltern mit dem Ausdruck des Missfallens zu belassen oder selbst Eintragungen unentschuldigten Fehlens „nicht zwangsläufig“ vorzunehmen. Auf der einen Seite berichten Schüler von still solidarischen Lehrern, die sogar Klassenarbeiten verschoben haben, damit demonstrierende Schüler keine Nachteile haben. Andererseits schütteln entsetzte Eltern den Kopf angesichts unverhohlener Drohungen von Lehrern, eine Streikteilnahme werde Konsequenzen für die Benotung von Schülern haben.Inzwischen hat sich gegen 9.45 Uhr ein Protestzug von rund 150 Humboldtschülern formiert. „Es hätten noch wesentlich mehr sein können“, sagt Robert Klein (Name v. d. Red. geändert), „aber viele Schüler haben einfach Schiss.“ Immer mehr Jugendliche, die aus den Seitenstraßen strömen, schließen sich an. Der Zug muss auf den Rathausplatz umgelenkt werden, weil der zunächst als Kundgebungsort vorgesehene Asmus-Bremer-Platz die Massen nicht mehr aufnehmen kann.Es sind nicht nur Schüler aus Kiel, die sich dicht an dicht drängen. Aus Plön, Heikendorf, Neumünster, Lütjenburg, Preetz, sogar aus Bad Oldesloe sind Delegationen hier. Fahnen gehen hoch – von den Jusos, von der DKP und anderen linken Gruppen. Doch von Politik ist (erst einmal) nicht die Rede. Vize-Landesschülersprecher Dominik Dicken spricht das aus, was die meisten hier denken: „Warum werden wir bei einem Bildungsgipfel nicht gehört? Warum redet keiner mit uns? Schließlich müssen wir die Entscheidungen der Politiker ausbaden.“ Die Masse jubelt und pfeift sich in Rage. Und dann listet er auf, was „so nicht mehr weitergehen kann“: Stundenausfall, überfüllte Leistungskurse, zu kleine Schulräume, zu wenige Wahlmöglichkeiten in der Profiloberstufe, zu wenige Lehrer, miserabler Zustand von Schulgebäuden.Das Protestpotenzial der Masse bleibt aber in ruhigen Bahnen. Es gibt keine Steinewerfer, keine Streit suchenden Schläger, kaum Alkohol. Die Polizeipräsenz bleibt dezent. Der sich Richtung Bildungsministerium bewegende Demonstrationszug gleicht phasenweise einem Landes-Wandertag. Mädchen haken sich bei Freundinnen unter, Jungs freuen sich über das Wiedertreffen alter Kumpels, es wird viel gelacht, geklatscht, gesungen, aber auch über drohende Schulsanktionen diskutiert.Vor dem Bildungsministerium bekommen die Parolen dann doch einen roten Anstrich. „Rauf mit Bildung, runter mit Rüstung“, skandieren Aktivisten ins Mikrofon. Ein „antikapitalistisches Schülerbündnis“ fordert die Abschaffung des „ausbeuterischen Kapitalismus'“. Später bei der Abschlusskundgebung auf dem Bahnhofsvorplatz verlangt ein „unabhängiges Bündnis Revolution“ sogar die Solidarisierung der Schüler mit der Arbeiterklasse. Aber der Beifall bleibt eher bescheiden. Heftiger brandet er auf, als den Mitmarschierern die Zahl der Demonstranten in anderen deutschen Städten verkündet wird, die zeitgleich auf der Straße sind. Bundesweit sollen es angeblich 100 000 sein. Egal, ob die Zahl stimmt oder nicht, die Schüler wissen: Sie sind nicht allein in ihrer Not – und werden es wohl auch künftig nicht bleiben. So feiern sie sich am Schluss auch ein bisschen selbst, als am Ende der Demo gegen 13 Uhr der erschöpft wirkende Organisationschef Jann Lossdörfer mit heiserer Stimme verkündet: "Das ist erst der Anfang, 2009 ist mit weiteren Protesten zu rechnen."

Mit seinen gerade mal 21 Jahren hat sich der smarte junge Mann nun schon zum vierten Mal wegen krasser Ausschreitungen gegen seine Freundin in den Knast manövriert. Zuletzt war der offenbar extrem eifersüchtige Angeklagte wegen Körperverletzung verurteilt worden, in der Nacht zum 24. April hatte er im Zorn die Wohnung der Lebensgefährtin in Mettenhof abgefackelt. Die Quittung des Jugendschöffengerichts: zwei Jahre Jugendstrafe ohne Bewährung wegen schwerer Brandstiftung.

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