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Kiel So könnte das ÖPNV-Netz in Kiel aussehen
Kiel So könnte das ÖPNV-Netz in Kiel aussehen
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07:41 17.08.2019
Von Michael Kluth
Hier könnte das neue ÖPNV-Netz in Kiel entstehen (Karte), in der Universitätsstadt Tours (Frankreich) fährt die Straßenbahn mit einem schwarzen Design durch die Stadt. Quelle: Fotomontage: Lina Schlapkohl/Cramos
Kiel

Das wird eine ungewöhnlich große Runde am 28. August im Rathaus in Kiel. Die großen Flügeltüren zwischen Ratssaal und Magistratssaal werden sperrweit geöffnet, um beide Säle zu einem angemessen riesigen Raum zu vereinen. Um 16.30 Uhr finden dort gleich vier Fachausschüsse der Ratsversammlung zu einer gemeinsamen Sondersitzung zusammen: der Haupt-, der Bau-, der Wirtschafts- sowie der Innen- und Umweltausschuss. Die Beteiligung dürfte rege sein. Es geht um nicht weniger als „eine Schicksalsfrage unserer Stadt“. So formuliert es Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (SPD).

ÖPNV in Kiel: Auftakt zu einem Jahrhundertprojekt

Der Verwaltungschef wird der Politik an dem Mittwoch den Auftakt zu einem Jahrhundertprojekt präsentieren – und sie dafür zu gewinnen versuchen. Kiel soll auf Ratsbeschluss vom November 2018 ein neues, hochwertiges System im öffentlichen Personennahverkehr bekommen.

Kämpfer legt dazu das allererste Gutachten vor. Die Planungsbüros Gertz, Gutsche, Rümenapp (Hamburg/Berlin) und Büro StadtVerkehr (Hilden), die schon vielfach Kommunen beraten haben, haben die 370 Seiten starke Grundlagenstudie im Auftrag der Stadt erarbeitet. Sie ist ausdrücklich ergebnisoffen und vermeidet jede Vorfestlegung etwa auf Schiene/Straße oder auf Trassen. Darüber soll erst nach umfassender Bürgerbeteiligung und einer Trassenstudie die Ratsversammlung entscheiden – frühestens Ende 2022.

Mit KVG-Bussen wird der ÖPNV nicht zu bewältigen sein

Gleichwohl treffen die Gutachter einige Aussagen, die die Ergebnisoffenheit ein wenig eingrenzen. Durchaus apodiktisch stellen die Experten auf Seite 83 fest, „dass das heutige ÖPNV-System nicht zukunftsfähig ist“. Im Klartext: Mit KVG-Bussen allein wird der öffentliche Personennahverkehr 2030 nicht zu bewältigen sein. Das scheitert an Kapazität und Kosten.

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In den Blick genommen haben die Fachleute Schnellbusse, ein bahnähnliches schienenfreies Bus-Rapid-Transit-System (BRT) auf eigener Trasse, eine Stadtbahn auf Schienen innerhalb Kiels, eine Stadtregionalbahn auf Schienen über Kiel hinaus sowie ein Citytunnelsystem auf Schienen. Unter den fünf betrachteten neuen Verkehrssystemen zusätzlich zum Busverkehr favorisieren sie zur vertieften Untersuchung zwei: das BRT und die Stadtbahn. Sie machen deutlich, dass zumindest im ersten Schritt nicht beide neuen Systeme eingeführt werden können, sondern nur eines von beiden.

Neues Verkehrssystem

Aus einer Analyse des Nutzerpotenzials leiten die Gutachter fünf Korridore ab, in denen die absehbare Nachfrage ein hochwertiges neues Verkehrssystem rechtfertigt. Die Korridore führen durch Kiels bevölkerungsreichste Stadtteile und zu den größten Beschäftigungsorten wie UKSH, Uni und Fachhochschule: in den Norden bis zur Wik, den Nordwesten bis Suchsdorf, den Westen bis Mettenhof, den Südosten bis Elmschenhagen und den Osten bis Neumühlen-Dietrichsdorf.

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Der Norden Kiels nördlich des Kanals und der Kieler Süden ab Russee, Gaarden-Süd und Wellsee scheiden mangels ausreichender Nachfrage zumindest im ersten Anlauf aus.

In den Korridoren können laut Gutachten drei Basislinien eingerichtet werden. Linie 1: Dietrichsdorf – Gaarden-OstHauptbahnhof – Wik. Das sind 12,3 Kilometer. Linie 2: Fachhochschule (Neumühlen) – Gaarden-OstHauptbahnhof – Universität – Suchsdorf. Das sind 15 Kilometer. Linie 3: Elmschenhagen – Gaarden-OstHauptbahnhof – Mettenhof. Das sind 14,7 Kilometer.

So ist die Trassenführung geplant

Nur theoretisch und beispielhaft werden schon Straßennamen innerhalb der Korridore genannt. Die Gutachter wie der Oberbürgermeister betonen, dass sie während der Planung auswechselbar sind.

Für die Linie 1 Dietrichsdorf–Wik und die Linie 2 Neumühlen–Suchsdorf wird als Beispiel eine Trassenführung Heikendorfer Weg, Ostring, Schönberger Straße, Werftstraße, Karlstal, Gablenzstraße, Sophienblatt, Andreas-Gayck-Straße, Holstenbrücke, Martensdamm, Bergstraße, Holtenauer Straße, Olshausenstraße, Bremerskamp und Eckernförder Straße genannt. Für die Linie 3 Elmschenhagen–Mettenhof gibt es eine exemplarische Trassenführung über Krooger Kamp, Franzensbader Straße, Reichenberger Allee, Wiener Allee, Tiroler Ring, Weinberg, Poppenrade/Preetzer Straße, Werftstraße, Gablenzstraße, Sophienblatt, Ziegelteich, Westring, Kronshagener Weg, Skandinaviendamm bis Aalborgring.

Kommentar zum Thema: Kristian Blasel zu Kiels Verkehrsstudie

Kosten, Klima, Kapazitäten

Die Gretchenfrage lautet: Soll Kiel eine Stadtbahn auf Schienen oder eine Art Busbahn (BRT) auf eigener Trasse ohne Schienen bekommen? Dazu geben die Gutachter Bürgern, Politik und Verwaltung jeweils Vor- und Nachteile an die Hand. Für ein BRT-System sind danach die Investitionskosten geringer, aber die Personal- und Betriebskosten höher. Die Stadtbahn erfordert höhere Investitionen, aber später weniger Zuschüsse. Das liegt vor allem an der höheren Kapazität. Zudem schneidet die Stadtbahn bei Klimaschutz, Beförderungsqualität und städtebaulicher Wirkung besser ab. Infrastrukturkosten für beide Systeme sind bei nachgewiesenem Nutzen zu mindestens 75 Prozent förderfähig. Die Politik muss später auch Fragen wie öffentliche Akzeptanz und politische Durchsetzbarkeit bewerten.

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