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Kiel So reagieren die Anwohner auf die kalte Heizung
Kiel

So reagieren die Anwohner auf den Ausfall der Fernwärme in Kiel

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19:09 09.01.2022
Von Frank Behling
Anwohner Sasha Wäscher mit Sohn Fynn an der Holtenauer Straße.
Anwohner Sasha Wäscher mit Sohn Fynn an der Holtenauer Straße. Quelle: Frank Behling
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Das zischende Geräusch und die große weiße Wolke aus heißem Wasserdampf hatten die Anwohner der ersten Reihe an der Holtenauer Straße, der Mittelstraße und am Lehmberg wahrgenommen.

„Ich sah auf einmal diese Dampfwolke, und dann wurde die Heizung kalt“, berichte Hauke Hansen. Der Anwohner schnappte sich die Kamera und und ging raus. „Diese Bilder waren wirklich beeindruckend“, erzählt er. Ein Stück weiter hatte der Bäcker gerade geöffnet. „Zum Glück geht der Strom“, sagt die Verkäuferin. Wegen Corona hätten sie die Tür eh meistens offen, da falle es nicht so auf, dass die Heizung nicht gehe.

Mit einem Rucksack kommt kurz nach 10 Uhr Anneke Lischewski aus der Haustür an den Arkaden. „Bei mir ist die Wohnung seit 8 Uhr kalt. Ich fahre jetzt aber nach Hamburg zu einem Hockeyturnier mit dem KHTC“, sagt sie und blickt von der Bushaltestelle auf die Bagger und die Arbeiter. „Bis zum Abend ist das ja vielleicht alles wieder repariert“, hofft sie und steigt in den Bus.

Kleiner Kiel wurde zur Attraktion

„Das ist doch kein Problem. Dann zieht man sich eben etwas wärmer an. Sachen haben wir ja genug“, sagt Sasha Wäscher. Mit Sohn Fynn ist der Anwohner zur Baustelle gekommen. Und wenn die Reparatur länger dauert? „Dann hole ich mir eben einen Heizlüfter.“ Die Arbeiten sind für den Sohn Fynn eh viel spannender. Zusammen gehen sie auch gleich zum Kleinen Kiel, der fast komplett grün gefärbt ist.

Der Ausfall der Heizung lässt die meisten Menschen nicht aus der Ruhe kommen. „Der Ausfall von Strom wäre viel schlimmer. Wie soll man denn sonst sein Telefon aufladen? Und Netflix geht auch bei Heizungsausfall“, so Tim Seger. Die Arbeiter an der dampfenden Baugrube vor der „Campus Suite“ müssen sich auch nicht rechtfertigen. Nur vereinzelnd kommen Menschen und fragen, wie lange es denn dauern könnte.

„Klar, das ist nicht schön. Aber ich wollte eh ins Fitness-Studio, da ist man dann automatisch warm“, sagt Anwohnerin Ulrike Brandt. Und wenn die Heizung auch nachts nicht wieder geht? „Dann habe ich ja eine warme Decke und notfalls eben die gute alte Wärmflasche. Das geht schon.“

Betroffen sind auch viele Wohneinrichtungen für Senioren in der Umgebung. „Wir haben keine Heizung. Alles ist kalt. Wir warten aber auf Nachrichten“, sagt der Mann am Eingang vom Altenzentrum St. Nicolai im Lehmberg. Im Aufenthaltsraum sitzen die Senioren in Jacken und Mäntel bei heißem Tee und Kaffee. Die Stimmung wirkt aber auch dort entspannt.

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Die Arbeiter kämpfen sich derweil durch das Erdreich. „Jetzt nur kein Stromkabel erwischen“, sagt einer zum Baggerfahrer. Am frühen Nachmittag haben sie das beschädigte Stück der Fernwärmeleitung freigelegt.

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