Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Kiel Bitterer Alltag auf der "Gorch Fock"
Kiel Bitterer Alltag auf der "Gorch Fock"
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:27 05.02.2019
Von Frank Behling
Ein Besatzungsmitglied des Segelschulschiffes "Gorch Fock" steht an Bord des Schiffes. Quelle: Christian Charisius/dpa
Kiel/Bremerhaven

Besonders bei den Soldaten, die sich speziell der Seefahrt wegen zur "Gorch Fock" gemeldet hatten, ist der Frust groß: "Seefahrt sieht für mich jedenfalls anders aus", sagte ein Soldat, als kürzlich Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen das Schiff im Dock besuchte.

Hier finden Sie weitere Fotos vom Besuch der Verteidigungsministerin in Bremerhaven. 

Da sich die Indienststellung wieder verschiebt, hat Kommandant Nils Brandt jetzt mehr Leute an Bord, als er eigentlich benötigt. 123 Frauen und Männer umfasst die Stammcrew, davon sind 50 bis 70 ständig vor Ort. "Es gibt spannendere Dienstposten – und Sport gegen Langeweile", sagte ein Soldat.

Warum braucht die "Gorch Fock" aber überhaupt eine Crew in der Werft? Die "Gorch Fock" ist ein Kriegsschiff. Sie hat sogar die taktische Kennung "A60" für den Kriegsfall. "Für die Aufrechterhaltung der Arbeitsfähigkeit einer Dienststelle Schiff "Gorch Fock" mit militärischer und schiffsbetriebstechnischer Bewachung werden Soldaten benötigt", heißt es beim Marinekommando. Die Soldaten seien aber auch in den Arbeitsprozess der Werft fest eingebunden. Das gelte besonders für Abstellungen durch das Bordkommando bei der Instandsetzung der Takelage, so ein Sprecher in Rostock. Gleichwohl gibt es immer wieder Leerlauf, da auch die Werft nicht im Zeitplan ist.

Soldaten sitzen die Zeit ab

Da die "Gorch Fock" selbst nicht bewohnbar ist, muss die Crew auf dem "Knurrhahn" leben – einer 48 Meter langen und drei Decks hohen schwimmenden Kaserne. An Bord sind Küche, Wachtmeisterei, Messe, Konferenzraum und Kammern zum Schlafen für bis zu 200 Soldaten. Der graue Koloss aus Kiel mit der Kennung "Y811" liegt am Dock vertäut. Auch dort sitzen die Soldaten oft stundenlang die Zeit ab, gehen zum Rauchen aufs Seitendeck oder spielen an Computern.

Ganz anders war die Stimmung im vergangenen Herbst. Kommandant Brandt hatte für seine Stammbesatzung ein Vorbereitungsprogramm gestartet. Im Juni 2019 wollte er mit seinen Frauen und Männern wieder segeln. Er fuhr zwei Wochen mit 50 Soldaten zum Großsegler "Schulschiff Deutschland" nach Bremen-Vegesack. Auf dem Programm stand das Training im Umgang mit Tampen, Tauen und Takelage. Genau diese Seefahrt lockte die jungen Soldaten, die sich alle freiwillig gemeldet hatten. Kommandant Brandt hatte bereits während der Werftzeit Reisen ausgearbeitet. Karibik mit Kuba und die die US-Ostküste standen auf der Liste. Das hatte sich auch in der Marine herumgesprochen.

Temporäre Einsätze auf anderen Schiffen

Doch Ende Oktober kam die Meldung, dass sich der Zeitplan erneut verschiebt. "Das war ein Tiefpunkt für die Crew", erzählte ein Soldat.

Hier sehen Sie, was alles an der "Gorch Fock" erneuert werden muss.

Sofort kümmerte sich Brandt um seine Soldaten. Da er auch vorher Kommandant der Fregatte "Schleswig-Holstein" war, nutzte er die Kontakte, um Möglichkeiten für zeitlich begrenzte Einsätze für seine Leute auf fahrenden Schiffen zu bekommen. Das war ihm auch in den Vorjahren gelungen. "Wichtig ist es, die Motivation der Soldaten hoch zu halten", sagte Brandt.

"Die Hälfte seines Lebens wartet der Soldat vergebens", lautet eine alte Truppenweisheit. Manchmal bietet aber auch das keinen Trost mehr.

Kommentare 0 Nutzungsbedingungen
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Der Tresor des Kieler Mietervereins mit Datenträgern aller Mitglieder ist im Kieler Umland gefunden worden. Es seien sämtliche Festplatten im Umkreis des geöffneten Tresors sichergestellt worden, teilte Geschäftsführer Carsten Wendt mit. Ein Missbrauch der Daten sei so gut wie ausgeschlossen.

05.02.2019

Der Auftritt der Hamburger Komikerin Jutta Wübbe, alias Marlene Jaschke, am Dienstag, 5. Februar, im Kieler Schloss muss aufgrund von Krankheit verschoben werden. Dies teilte ihr Konzertbüro am Dienstag mit.

05.02.2019

Einsatz auf der Werft: In einer Lüftungsanlage der Kieler Werft Thyssen Krupp Marine Systems ist am Dienstag ein Feuer ausgebrochen. Der Brand wurde kurz nach 9 Uhr bemerkt.

Frank Behling 05.02.2019