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Kiel Eine Alternative zur Kieler Woche
Kiel Eine Alternative zur Kieler Woche
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00:17 26.06.2013
Von Carsten Purfürst
Ilse Krohn Superiors beim Sommerfest der Hansa48, das traditionell draußen stattfindet. Quelle: Mischke
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Kiel

„Fern der Dröhnbierstände und Champignonfrittierer“, wie es im Programm heißt, setzt die Hansa48 auf ein Alternativprogramm zur Kieler Woche. Und das mit Erfolg, was nicht nur 300 Gäste belegen, sondern auch die Gestaltung des Programms belegen. Gewohnt hochwertig wird aufgefahren, und zwar zum Einstieg mit den Sambastards, darauf folgend Ilse Krohn Superiors – so etwas wie der „Hausband“ des Kulturzentrums.

In einer Zeit, in der multimedialer Überfluss irritierend das Denken der Masse lahmlegt, pflegen Ilse Krohn Superiors den Geist der 68er – und entspringen alterstechnisch doch maximal derer Folgegeneration. Gesungen wird auf Deutsch, und es rumpelt und pumpelt im Rhythmusgetriebe, wenn die „Götter der Hausmusik“ ihre eigenwillige Mischung aus Blues, Polka, Tango und Punkrock auffahren. Da hupt das Akkordeon, crasht die Gitarre, bringen Bass und Schlagzeug das Volk vor der Veranda zum Tanzen.

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Eindrücke vom Sommerfest der Hansa48.

Denn trotz Regens findet das Sommerfest traditionell draußen statt. Um die Ecke gibt es veganes Chili oder Hot Dogs, mischt sich der Geschmack von Röstzwiebeln mit dem erfrischenden Nass, das einem von der Überdachung her überraschend in den Nacken tröpfelt. Ilse Krohn Superiors jonglieren die Stimmung gekonnt gen ersten Höhepunkt des Abends, kurze Umbaupause, dann wird es rock’'n’rollig mit The White Lines aus Neumünster. Die Band um die Gebrüder Tesch feiert ihr 25-jähriges Bandjubiläum, und der alte Hering, er schmeckt immer noch: Elvis, Buddy Holly, Carl Perkins, aber auch Bruce Springsteens I’m On Fire, das seiner Mollharmonik beraubt und kurzerhand zum Bluesschema umgeschrieben wird, zünden den Nachbrenner und bringen das Publikum in Partylaune. Carsten Tesch an der Leadgitarre twangt Licks und Tricks der Fifties-Gitarrentechnik, als das Wünschen noch geholfen hat und die Popmusik in ihren Kinderschuhen unsicher das Licht der Bühnenwelt erblickte, während Sänger und Kontrabassist Bernd Tesch seine vier Saiten schlägt und mit Crooner-Timbre Refrainattacken fährt. Olaf Tesch an der Rhythmusgitarre und Schlagzeuger Michael Helle runden ab, bedienen kongenial.

Auf den Punkt eingespielt, schafft das Quartett den Spagat zwischen oll und toll, selbst wenn totgeglaubte Songs wie I’m Looking For Someone To Love von Buddy Holly von 1957 erklingen, als wäre es gestern gewesen. Würde man bei Ansagen wie „Elvis, warum bist du weggegangen?“ an anderer Stelle fassungslos den Kopf schütteln, scheint Wehmut in den Momenten, wo The White Lines zum nächsten Rock’n’Roll-Klassiker ansetzen, angebracht und nachvollziehbar. Dann offenbart sich die Klasse dieser Band, deren Sound zwischen Blue Suede Shoes und Baby, Baby, Baby derart authentisch klingt, das hier und heute nahezu zehn Zugaben gefordert werden, bis The White Lines abtreten dürfen.

Die Party verlagert sich nach drinnen, wo im Saal des Kulturzentrums mit den DJs Leif, Lars und Jochen die Disko eröffnet wird. Billy Idol, House oder Elektro, kein Weg zu weit, kein Stil tabu. Und so klingt das Sommerfest der Hansa48 aus, bildet den Abschluss der ersten kulturellen Saison des Jahres, bevor sich die Tore zum September wieder öffnen.