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Kiel Kiel wächst nicht mehr - und ist keine Handballhochburg
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18:27 28.08.2019
Von Michael Kluth
Blick auf Kiel von der Gablenzbrücke über die Hörn und die Förde. Die Einwohnerzahl der Stadt ist wieder gesunken. Quelle: Frank Peter
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Kiel

Die Zahl der Sterbefälle hat die Zahl der Geburten erstmals nach fünf Jahren wieder übertroffen. Und die Zahl der Umzüge aus Kiel heraus ist höher als die Zahl der Zuzüge nach Kiel. Folge: Die aktuelle Einwohnerzahl in Kiel beträgt 248.792, gegenüber 249.190 im Jahr 2017. Das entspricht einem Verlust von 0,61 Prozent.

Das geht aus dem Kieler Sozialbericht 2019 hervor, den der Kieler Stadtrat Gerwin Stöcken (SPD) am Donnerstag vorstellen will. Der Bericht soll am selben Abend im Sozialausschuss der Ratsversammlung diskutiert werden. Das prognostizierte Bevölkerungswachstum habe sich "so nicht bestätigt", heißt es in dem Sozialbericht.

Es ziehen viel mehr Leute aus Kiel ins Umland als aus dem Umland nach Kiel

Die Bevölkerungsbewegung in die und aus den Nachbarkreisen Rendsburg-Eckernförde und Plön zeige sogar im sechsten Jahr in Folge einen für Kiel deutlich negativen Saldo. Im Klartext: Es ziehen viel mehr Leute aus Kiel ins Umland als aus dem Umland nach Kiel.

88 Prozent aller Kieler sind Deutsche

Der Sozialbericht weist eine Reihe weiterer interessanter Zahlen auf. Zwölf Prozent aller Kieler sind Ausländer. 73 Prozent sind Deutsche ohne Migrationshintergrund, elf Prozent sind eingebürgerte Deutsche, vier Prozent deutschstämmige Aussiedler.

Die Stadtteile Gaarden und Mettenhof sind die einzigen, in denen mehr als die Hälfte der Bevölkerung einen Migrationshintergrund hat. Die Zahl der Flüchtlinge, die von der Stadt betreut werden, ist von 3185 (2017) auf 2834 (2018) gesunken.

Anteil der ältesten und der jüngsten Kieler bleibt konstant

Der Anteil der Ältesten und der Anteil der Jüngsten ist in Kiel seit zehn Jahren konstant. 18,6 Prozent sind älter als 65 Jahre, 17 Prozent sind unter 20.

Auffällig ist der Anstieg bei den 25- bis 35-Jährigen von 16,3 auf 17,8 Prozent innerhalb von zehn Jahren. Hier scheint sich vor allem das Wachstum der Universität und der Fachhochschule bemerkbar zu machen.

Ebenso auffällig sind die Abgänge der 35- bis 45-Jährigen. Ihr Anteil ist binnen zehn Jahren von 15,2 auf 12,1 Prozent gesunken.

Das hat Folgen für das Durchschnittsalter. Es steigt. Der durchschnittliche Kieler ist 41,48 Jahre alt, gegenüber 41,32 im Jahr 2016. In den beiden Jahren davor war das Durchschnittsalter noch gesunken.

Lesen Sie hier auch den Kommentar von Michael Kluth zum Sozialbericht.

Der bei weitem älteste Kieler Stadtteil ist Schilksee

Der mit großem Abstand älteste Kieler Stadtteil ist Schilksee. Im nördlichsten Stadtteil kommen auf 100 Menschen im erwerbsfähigen Alter 101,4 Senioren über 65 Jahre.

In allen anderen Stadtteilen liegt dieser sogenannte Altenquotient weit unter 50. Der Kieler Gesamtdurchschnitt beträgt 28,9 Senioren auf 100 Menschen im erwerbsfähigen Alter. Kein Wunder, dass Schilksee bisweilen etwas despektierlich "Rollatortown" genannt wird.

Die jüngsten Kieler Stadtteile liegen im Süden

Es gibt auch einen Jugendquotienten. Er bezeichnet die Zahl der unter 20-Jährigen gemessen an 100 Menschen zwischen 20 und 65.

Kiels jüngste Stadtteile sind demnach Meimersdorf/Moorsee und Wellsee/Kronsburg/Rönne mit ihren Neubaugebieten für junge Familien. Sie kommen auf einen Jugendquotienten von 49,1 und 36,2. Da kann nur Mettenhof mit einem Jugendquotienten von 49 mithalten.

Die meisten Kieler Singles leben in der Innenstadt

56 Prozent aller Kieler Haushalte sind Single-Wohnungen, gefolgt von 26 Prozent mit mehr als einer Person, aber ohne Kinder, sowie 13,8 Prozent mit mehr als einer Person und mit Kindern.

Der Anteil der Single-Haushalte ist in den innerstädtischen Bezirken Mitte (72,2 Prozent), Ravensberg/Brunswik/Düsternbrook (67,1), Schreventeich/Hasseldieksdamm (64,3) und Gaarden (62,9) besonders hoch. Am niedrigsten ist er mit 22,6 Prozent in Meimersdorf/Moorsee.

Die Wohnungsnot in Kiel nimmt dramatisch zu

Besorgniserregend ist die Entwicklung der Zahl der akuten Wohnungsnotfälle. Sie stieg laut Sozialbericht von 588 im Jahr 2014 auf 2148 im Jahr 2018.

Rekordzahl sozialversicherungspflichtig Beschäftigter in Kiel

Erfreulich entwickelt sich die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Kiel. Sie liegt mit 90376 im Jahr 2018 so hoch wie nie zuvor und steigt seit 2005 beständig. Die Zahl der geringfügig Beschäftigten erreicht mit 8608 ebenfalls Rekordhöhe.

So viele Pendler nach und aus Kiel wie nie zuvor

Mehr Beschäftigte in Kiel machen auch mehr Verkehr. 60.972 Einpendler und 27.444 Auspendler sind jeweils Rekordwerte.

Arbeitslosenquote in Kiel sinkt

Mit der steigenden Beschäftigtenzahl korrespondiert die Zahl der Arbeitslosen. Sie sinkt seit zehn Jahren beständig und lag Ende 2018 bei 10260. Das entspricht einer Arbeitslosenquote von 7,4 Prozent.

Am höchsten ist die Arbeitslosenquote in Gaarden (14,5 Prozent) und Mettenhof (12,6), gefolgt von den weiteren Stadtteilen am Ostufer: Neumühlen-Dietrichsdorf (8,6 Prozent) und Ellerbek/Wellingdorf (7,1).

Jedes dritte Kind unter 15 lebt in Kiel in Armut

Besorgniserregend bleibt die Kinderarmut in Kiel. Fast jedes dritte Kind unter 15 Jahren ist von Armut betroffen: 29,1 Prozent. Auch hier sind das Ostufer und Mettenhof besonders betroffen.

Kiel ist gar keine Handballhochburg

Zum Schluss noch eine Überraschung: Kiel ist gar keine Handballhochburg. Unter den beliebtesten Vereinssportarten in Kiel nimmt der Handball nur den fünften Rang ein. Deutlicher Spitzenreiter ist das Turnen, gefolgt von Fußball, Segeln und Tennis.

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