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Kiel Im Ernstfall kommen Besucher jetzt noch schneller aus der Halle
Kiel Im Ernstfall kommen Besucher jetzt noch schneller aus der Halle
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14:03 13.11.2019
Von Jürgen Küppers
An diesem Modell der Sparkassen-Arena in Kiel konnten Ernstfälle und Rettungswege des mitdenkenden Systems simuliert werden. Quelle: Uwe Paesler
Kiel

Möglich wird das durch eine elektronische Meisterleistung der "Weltneuheit" (laut Herstellerangaben): Das System passt sich dynamisch an die jeweilige Hallenbestuhlung sowie an diverse Störungsszenarien von Bränden bis Bombendrohungen an. Und errechnet in Sekunden die aktuell sichersten Fluchtwege aus der Halle, die Besuchern auf Spezial-Bildschirmen angezeigt werden.  

Wo es im Ernstfall in der Halle langgeht, sehen die Besucher künftig auf einen Blick. Über den freigegebenen Fluchtweg-Türen nach draußen leuchten weithin sichtbare grüne LED-Bänder, rote signalisieren hingegen: diesen Ausgang auf keinen Fall nutzen – entweder, weil dahinter möglicherweise ein Brandherd lauert oder Rettungskräfte gerade bei der Arbeit sind.

Ändert sich die Lage, ändern sich die Fluchtwegepläne

Doch das dynamische System kann noch mehr. Sollte sich die Lage im Ernstfall und damit der ursprünglich angezeigte Fluchtweg ändern, erkennen die Besucher das nicht nur am Farbwechsel der LED-Bänder über den Türen. Auch die großen Bildschirme daneben können auf eine neue Lage reagieren. Sie zeigen dann mit Farben und Pfeilen die neu errechneten Fluchtwege an.

So funktioniert die Weltneuheit

Zwei Jahre tüftelten Programmierer, Ingenieure und Brandschutzexperten an der Entwicklung dieses mitdenkenden Systems „Rescue and Safety Control“ (RASC, übersetzt: Rettungs- und Sicherheitskontrolle). „Es dauerte unter anderem deshalb so lange, weil die Ausgangslage in der Sparkassen-Arena extrem komplex war“, berichtet Rettungsingenieur Erik Burgemeister, in dessen Hamburger Firma Imagine Digit Idee und Konzept von RASC entwickelt wurden.

230.000 Schaltungen in wenigen Sekunden

Komplex machte die Lage vor allem die Flexibilität der Halle, die mit insgesamt 46 Bestuhlungsvarianten individuell auf Größe und Art von Veranstaltungen zugeschnitten werden kann – vom Handballspiel bis zu Rockkonzerten, von Shows bis hin zu kleiner dimensionierten Vorträgen. „Weil jede Bestuhlungsvariante aber auch andere Rettungswege bedeutet, mussten wir das System mit entsprechend umfangreichen Daten füttern und programmieren.“

Das war aber nicht die einzige Herausforderung für die Spezialisten. Denn pro Bestuhlungsvariante errechneten sie 60 verschiedene Brandszenarien mit insgesamt 200 verschiedenen Flucht- und Rettungswegen. Alle Daten zu Bestuhlung, Brandszenarien und Wegen sind im neuen System hinterlegt. Mit bis zu 230.000 möglichen elektronischen Schaltungen errechnet das System aus diesem Datenwust innerhalb weniger Sekunden die sichersten Wege aus der Halle, leitet die entsprechenden Signale an 27 Bildschirme in der Halle und LED-Leuchtbänder an allen Türen weiter.

In großem Bogen an Rettungskräften vorbei

Doch die dynamische Anpassungsfähigkeit von RASC berücksichtigt noch weitere Aspekte. „Es reagiert auch auf die Taktik der Rettungskräfte“, erklärt Devrim Yilmaz, Chef des Hamburger Ingenieur-Büros für Brandschutz Schlüter & Thomsen, das das System mit entwickelte. Das bedeutet: „Je nachdem, wo gerade gelöscht oder geräumt werden muss, führen die Fluchtwege an diesen Einsatzorten in großem Bogen vorbei, damit sich Einsatzkräfte und Besucher nicht in die Quere kommen.“

So viel dynamische Flexibilität im Katastrophenfall hat ihren Preis. Rund 200.000 Euro investierten die Gesellschafter der Sparkassen-Arena laut Erik Burgemeister in die Aufrüstung des Sicherheitssystems. Ab dem 1. Januar 2020 soll RASC dann „scharf gestellt“ werden, wenn alle Schulungen für Mitarbeiter der Halle oder der Kieler Feuerwehr abgeschlossen sind.

Jetzt bekommt das Nolde-Museum das neue System

Nach Angaben von Devrim Yilmaz verfügt die Sparkassen-Arena dann aber über eine sicherheitstechnische „Weltneuheit“: „Denn so eine dynamische Fluchtwegsteuerung durch Digitalsignale ist bislang absolut einmalig.“ Der nächste prestigeträchtige Einsatzort der neuen Technologie in Schleswig-Holstein ist schon in Sicht. Auch das Nolde-Museum in Seebüll soll mit RASC sicherheitstechnisch nachgerüstet werden.

Für den Chef der Sparkassen-Arena, Stefan Wolf, bedeutet der RASC-Einbau technologisch zwar einen „absoluten Quantensprung und Meilenstein in der Entwicklung der Halle“: „So richtig und schön das auch alles ist: Hoffentlich kommt dieses System niemals zum Einsatz.“

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