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Kiel Auch 1919 kam Kiel noch nicht zur Ruhe
Kiel Auch 1919 kam Kiel noch nicht zur Ruhe
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18:14 07.01.2019
Von Christian Trutschel
Kieler Freikorps-Kampfgruppe der "Eisernen Brigade", Januar 1919: Wenige Monate nach der Novemberrevolution kommt es auch in Kiel zu blutigen Kämpfen zwischen linksgerichteten Gruppen der Arbeiterschaft und der "Revolutionären Sicherheitswehr Kiel" auf der einen und rechtsbürgerlichen Formationen und "Kräften der Ordnung" aus Marinekreisen auf der anderen Seite.  Quelle: Stadtarchiv Kiel
Kiel

„Im Januar 1919 fieberte Kiel den ersten freien Wahlen entgegen“, schreibt der Historiker Martin Rackwitz in seinem Buch „Kiel 1918“. Für den 19. Januar waren die Wahlen zur verfassungsgebenden Nationalversammlung angesetzt, für den 26. Januar die Wahlen zum preußischen Landtag.

Synchron zu einem auf Litfaßsäulen und in Zeitungsanzeigen ausgetragenen Wahlkampf wuchs jedoch die Unzufriedenheit in Teilen der Bevölkerung. Die auf Kriegsgüter spezialisierte Industrie der Stadt stand vor einer Entlassungswelle. Zum Kriegsende gab es noch Vollbeschäftigung, im Januar 1919 schon 3180 Arbeitslose. 

Neue Jobs und höhere Gehälter gefordert

Am 6. Januar forderten auf dem Wilhelmplatz mehr als 1000 Arbeitslose eine Verdopplung der Unterstützung und neue Stellen durch kürzere Arbeitszeiten auf den Werften. „In ihrer Sitzung am Abend des 7. Januar hatten sich die Stadtkollegien bereits auf die geforderte Erhöhung der Arbeitslosenunterstützung geeinigt“, schreibt Rackwitz, „als mehrere Hundert Arbeitslose mit Unterstützung örtlicher Spartakisten gewaltsam in das Rathaus eindrangen und die Stadtverordneten unter Androhung von massiver Gewalt zwangen, ihren Forderungen nachzugeben.“

Die Kieler MSPD, die wie die bürgerlichen Parteien den „Sturm auf das Rathaus“ als Anarchie bewertete, rief zu einer Großdemonstration am 12. Januar gegen den Terror der Straße von Spartakisten und Kommunisten auf. Etwa 30.000 Kieler kamen, 10.000 tags darauf zur Gegenkundgebung der USPD und Spartakisten. Beide Demonstrationen verliefen zwar friedlich, doch die Arbeiterschaft war gespalten.

Spartakisten zogen sich zurück

Nachdem die USPD klar die Wahlen am 19. und 26. Januar verloren hatte, kam es am 7. Februar zum Spartakistenaufstand mit mindestens neun Toten in der Feldstraße und in der Brunswik. Konfrontiert mit der Einigkeit des Militärgouverneurs, des Kieler Obersten Soldatenrates und der MSPD, zogen sich die Spartakisten in der Nacht zum 8. Februar zurück und vermieden so ein noch größeres Blutvergießen. 

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