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Kiel Sie helfen mit Feuereifer
Kiel Sie helfen mit Feuereifer
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12:07 09.05.2018
Von Kristiane Backheuer
Als sie von den Special Olympics in Kiel hörte, hat sie sich sofort beworben: Die 20-jährige Corinna Flodin ist für drei Monate nach Kiel gekommen, um zu helfen. Quelle: Frank Peter
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Kiel

Mit zwei großen Koffern, Luftmatratze, Schlafsack und ganz viel Elan im Gepäck kommt Corinna Flodin (20) Anfang März am Kieler Hauptbahnhof an. Knapp 1000 Kilometer trennen sie seitdem von ihrem Zuhause am Bodensee. Doch von Heimweh keine Spur. „Kiel ist einfach wunderbar“, sagt sie lachend. „So wunderbar, dass ich mich inzwischen entschieden habe, ganz hier zu bleiben.“

Doch der Reihe nach. Eigentlich sind nur drei Monate Kiel geplant. Denn hier in der Landeshauptstadt will Corinna Flodin unbedingt bei den Special Olympics helfen. Mit Menschen mit Behinderung kennt sie sich aus. In ihrer Heimat in Wilhelmsdorf, einer 5000-Seelen-Gemeinde im Landkreis Ravensburg, wird Inklusion großgeschrieben. Menschen mit und ohne Behinderung leben hier Tür an Tür, gestalten gemeinsam den Alltag oder feiern miteinander Feste und Gottesdienste. Bei Familie Flodin lebt auch seit zwölf Jahren eine 50-Jährige mit geistiger Behinderung. „Meine Mutter hatte einen Bruder, der geistig behindert war“, erzählt Corinna Flodin. „Vielleicht ist es in unserer Familie deshalb normal und selbstverständlich, dass man sich engagiert.“

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Für die Special Olympics in Kiel hat sie sich sofort als Helferin beworben

Noch als Schülerin spielt sie in einer Unified Volleyballmannschaft mit, bestehend aus Menschen mit und ohne Behinderung. 2016 kommt sie bei den Nationalen Special Olympic Spielen in Hannover mit ihrem Team auf den zweiten Platz. Nach dem Abitur geht sie für acht Monate nach Amerika. Hier hilft sie unter anderem im Sägewerk ihres Großvaters in Alaska, arbeitet in einer Bootsbauwerkstatt in Seattle, wo Jugendliche, die vom rechten Weg abgekommen sind, wieder auf die Beine kommen. Als sie von den Special Olympics in Kiel hört, bewirbt sie sich sofort. Noch von den USA aus sucht sie sich ein WG-Zimmer in Kronshagen. Und wenig später beginnt auch schon das Abenteuer Kiel.

Alle Helfer fiebern der Eröffnung entgegen

„Es ist unglaublich, wie viele Helfer hier begeistert mitmachen“, schwärmt sie. Corinna Flodin ist Teil eines zwölfköpfigen Teams im Organisationsbüro in Kiel. Sie telefoniert, plant und koordiniert wie ein Weltmeister. Sie verhandelt mit einem Schreiner, der sechs Boccia-Bahnen für die Bresthalle herstellt. Sie empfängt die frisch angelieferten Dixie-Toiletten. Sie weiß, in welchen der vielen, vielen Kartons in der großen Lagerhalle in Friedrichsort die T-Shirts für die über 10000 Teilnehmer sind und nimmt 152 Paletten Getränke – insgesamt 82000 Liter – in Empfang. Dass die Spiele endlich starten, kann sie kaum erwarten. „Wir alle fiebern der Eröffnung entgegen“, sagt sie. Und danach? „Ich möchte hier bleiben und an der Fachhochschule Soziale Arbeit studieren. Ich liebe den Norden und die Menschen hier. Alle sind unglaublich hilfsbereit, freundlich und nett.“

So ein netter Kieler ist auch Peter Carstens (64). Der ehemalige Versicherungskaufmann ist genauso mit Feuereifer dabei wie die vielen anderen Helfer. Als er von den Special Olympics direkt vor seiner Haustür hörte, meldete er sich sofort als Freiwilliger an. Bei mehreren großen Veranstaltungen in Kiel hat er schon im Promo-Team für die Spiele geworben. Bei den Wettkämpfen selbst ist er als passionierter Tennisspieler natürlich auch für genau diese Sportart eingeteilt. „Olympia und Kiel – das passt zusammen“, sagt er. „Ich möchte aktiv helfen, diese tolle Veranstaltung für alle Teilnehmer und für alle anderen auch zu einem Erlebnis zu machen.“ Gespannt ist er vor allem auf die „Freude und Begeisterung der Athleten, die bestimmt viel ehrlicher, spontaner und ausgeprägter ausfällt als bei so manchem Profisportler“.

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