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Kiel Alles andere als Kinderkram
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11:37 21.02.2017
Von Isabelle Breitbach
Sooke Dittbrenner (links) und Stefan Simon kümmern sich um städtische Kinder- und Jugendeinrichtungen. Quelle: Sven Janssen
Kiel

Als Entschuldigung dafür, dass ein städtischer Spielplatz so trostlos aussieht wie der in der Waisenhofstraße – der „traurigste Spielplatz in Kiel“, über den wir vor einigen Wochen berichteten –, darf das aber nicht herhalten. Ähnlich sahen dies zahlreiche Leser, die sich allerdings nicht nur über dessen Zustand beklagten.

 Eines vorab: An Spielflächen, zu denen neben Kinderspielplätzen auch Bolzplätze, BMX-Bahnen, Skateanlagen, Beachvolleyballfelder, Jugendparks, Streetballanlagen, Schul- und Spielhöfe gehören, mangelt es in der Landeshauptstadt nicht. 2015 zählte die Stadtverwaltung 397 Spielflächen, von denen 303 öffentlich zugänglich und 178 in städtischem Besitz sind. Eine Quote, die 1976 im Kieler Jugendplan festlegt wurde, sieht Stefan Simon, Leiter der Abteilung Kinder- und Jugendinteressen und offene Jugendarbeit, „mehr als erfüllt“: Neun Quadratmeter Sport-, Spiel- und Bewegungsfläche pro schulpflichtigem Kind oder Jugendlichem im Alter von sechs bis 17 Jahren sind darin vorgesehen. Im Idealfall soll so jedes Kind, das älter als sechs Jahre ist, im Umkreis von 300 Metern Luftlinie um seinen Wohnort einen Spielplatz vorfinden.

 „Kinder sollen auch mal ohne Aufsicht zum Spielen gehen können“, so bringt Beate Goffin, Leiterin des Amts für Kinder- und Jugendeinrichtungen, Sinn und Zweck dieser Richtlinie auf den Punkt. Simon erklärt, das funktioniere in Kiel „nicht immer, aber in den meisten Fällen“: Neumühlen-Dietrichsdorf und Meimersdorf sind die Ausnahmen. Dort stünden allerdings zusätzlich private Spielflächen zur Verfügung. Auch Spielflächen von Schulen und Kitas, so ergänzt Goffin, sollen in Zukunft möglichst für alle frei zugänglich sein, überall funktioniere das allerdings nicht.

Ansprüche sind unterschiedlich

 Das Angebot ist also vorhanden, doch sagt das noch lange nichts über den Zustand der Anlagen aus. Nicht alle geben ein so trauriges Bild ab wie das Beispiel Waisenhofstraße mit gerade einmal zwei Spielgeräten; und dennoch gibt es genug Spielplätze, die dringend generalüberholt werden müssten. Das Problem: Nicht nur Neuanschaffungen, sondern auch deren regelmäßige Kontrolle, Pflege und Instandhaltung kosten die Stadt eine Menge Geld. Das aber ist nicht gerade reichlich vorhanden: Für alle Spielflächen zusammen stehen 400000 Euro Jahresbudget zur Verfügung. „Das trägt mit dazu bei, dass einige Spielplätze nicht so schön aussehen“, stellt Sooke Dittbrenner vom Amt für Kinder- und Jugendeinrichtungen klar. „Wie kostenintensiv so ein Spielplatz ist, wissen die meisten Leute gar nicht“, ergänzt sein Kollege Simon. „Ein großes Spielgerät kostet schon mal rund 60000 Euro. Mit Kosten von 100000 bis 150000 Euro kann man bei einem komplett neuen Spielplatz rechnen.“ Warum das so teuer ist? Laut Simon und Dittbrenner liegt das vor allem daran, dass die Ansprüche an Kinderspielplätze ebenso hoch wie unterschiedlich sind. Zum einen müssen verschiedene Dinge beachtet werden, je nachdem, für welche Altersgruppe die Spielfläche gedacht ist. Kleinkinder etwa brauchen eine abgegrenzte Fläche und altersgerechte Spielgeräte. Zum anderen müssen alle Spielgeräte DIN-Richtlinien entsprechen, damit die Kontrolleure diese auch als sicher freigeben können. Ganz einfach im nächsten Baumarkt ein neues, günstiges Gerät anschaffen, geht also nicht.

 Und nicht nur das Offensichtliche kostet, auch der geeignete Untergrund ist nicht umsonst. So muss etwa der Sand aus hygienischen Gründen jährlich maschinell gereinigt und spätestens alle zwei bis drei Jahre ausgetauscht werden. Die Kosten dafür belaufen sich auf 60000 bis 80000 Euro. Wenn der Kampfmittelräumdienst anrücken muss, kann es noch teurer werden. Auch regelmäßige Kontrollen finanziert die Stadt: Fünf Kontrolleure besuchen die städtischen Spielflächen mindestens einmal pro Woche zur „Sichtkontrolle“; außerdem überprüfen sie monatlich die Funktionstüchtigkeit der Spielgeräte. Eine Hauptinspektion steht einmal im Jahr an.

 Dass das Budget nicht reicht, um alle Mängel zeitnah zu beseitigen, verwundert nicht. „Mehr Geld könnte man immer gebrauchen, das würden wir auch nehmen. So müssen wir immer ein bisschen überlegen“, sagt Dittbrenner und spielt darauf an, dass neben kreativen Lösungen auch Fördergelder und Spenden gefragt sind. Für Investitionen gebe es eine „Prioritätenliste für drei Jahre im Voraus“. Im Hinblick auf die einzelnen Stadtteile werde danach entschieden, wo die Lage besonders prekär sei, Spielplätze besonders stark frequentiert würden, aber auch, wo es besonders viele Bürgeranliegen gebe. Die nächsten Punkte auf der Liste seien Wellingdorf (Schreiweg), Wik (Schulredder), Suchsdorf (Charles-Ross-Ring), Ravensberg (Wasserturm) und der Skaterpark Gaarden. Ideen von Kindern und Jugendlichen sind ausdrücklich erwünscht und werden mit einbezogen. Den Spielplatz in der Waisenhofstraße sehen Boffin, Dittbrenner und Simon als unrühmliche Ausnahme. Seit Jahren sei unklar, was mit dem Gelände passieren soll. Investitionen lohnen erst, wenn darüber endgültig entschieden ist. Dass der Platz wegfällt, will man unbedingt vermeiden: „Das darf nur dann passieren, wenn wir einen adäquaten Ersatz bekommen.“

Thema im Ortsbeirat

Spielplätze in der Innenstadt“ diskutiert am Dienstag, 21. Februar, auch der Ortsbeirat Mitte. Die Sitzung beginnt um 19.30 Uhr im Magistratssaal des Rathauses.

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