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Kiel Bestätigt: Staatsanwaltschaft ermittelt
Kiel Bestätigt: Staatsanwaltschaft ermittelt
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14:07 11.06.2019
In Geilenkirchen ist die auf auf der "Gorch Fock" ums Leben gekommenen Soldatin Jenny Böken begraben. Quelle: Henning Kaiser/dpa
Kiel

Mehr als zehn Jahre nach dem rätselhaften Tod der „Gorch Fock“-Kadettin Jenny Böken hat die Staatsanwaltschaft Kiel den Fall wieder aufgerollt. Das Todesermittlungsverfahren sei wieder aufgenommen worden, teilte die Behörde am Dienstag mit. Damit hat sich bestätigt, worüber KN-online bereits am Montag  berichtet hat.

Nach den Aussagen einer Zeugin müssten einige Punkte überprüft werden. Die Angaben dieser Zeugin beruhten allerdings im Wesentlichen auf Hörensagen, hieß es. Sie sei im Jahr 2008 Soldat der Bundeswehr gewesen, habe aber weder zur Marine noch zur Besatzung der „Gorch Fock“ gehört.

Über eine anstehende Wiederaufnahme des Todesermittlungsverfahrens hatte vor wenigen Tagen bereits „Der Spiegel“ berichtet. Die Ermittlungen im Fall Böken waren 2009 eingestellt worden.

Jenny Böken starb im September 2008

Die damals 18-jährige Jenny Böken war in der Nacht zum 4. September 2008 während einer Ausbildungsfahrt des Segelschulschiffs "Gorch Fock" bei einer Wache über Bord gegangen. Die Todesumstände blieben ungeklärt. Der Leichnam wurde erst nach elf Tagen aus der Nordsee geborgen. Die Ermittler hielten ein Unglück bisher für am wahrscheinlichsten.

Immer gut informiert: Das Themendossier zum Fall Jenny Böken

Die Eltern sahen dagegen sogar Hinweise für einen Mord. Sie stützten sich dabei auf eine eidesstattliche Aussage eines früheren Bundeswehrangehörigen, der im April dieses Jahres - nach einer Geschlechtsumwandlung - von der Kieler Staatsanwaltschaft als Zeugin vernommen wurde.

Zeugin deutete Erdrosselung von Jenny Böken an

Oberstaatsanwalt Axel Bieler hatte damals gesagt, die Aussage werde überprüft und dann entschieden, ob das Todesermittlungsverfahren wieder eröffnet wird. Die Zeugin sei früher ein Kamerad von Jenny Böken bei der Bundeswehr gewesen, sagte Bieler Ende April nach der staatsanwaltschaftlichen Vernehmung. Inzwischen hat der Soldat sein Geschlecht geändert.

Laut dem Anwalt der Bökens, Rainer Dietz aus Aachen, soll die im April vernommene Zeugin erklärt haben, kurz nach dem Auffinden der Leiche hätten mehrere Männer, darunter Marineangehörige, sie in einer Kaserne besucht. Sie sollen angedeutet haben, dass die junge Frau erdrosselt worden sei.

Um der jetzt gemachten Zeugenaussage weiter nachgehen zu können, soll es ein förmliches Ermittlungsverfahren geben. Nur so können sich aus weiteren Befragungen Hinweise auf einen gewaltsamen Tod von Jenny Böken und mögliche Beschuldigte ergeben.

Das ist dann die Voraussetzung für ein Gerichtsverfahren. Dieses hatten die Eltern bislang vergeblich versucht zu erzwingen. Sie waren damit auf dem Weg durch alle Instanzen bis zum Bundesverfassungsgericht gescheitert.

140.000 Unterschriften für Wiederaufnahme gesammelt

Im September vergangenen Jahres hatten sich die Eltern der toten „Gorch Fock“-Kadettin an Schleswig-Holsteins Justizministerin Sabine Sütterlin-Waack (CDU) gewandt. Über ihren Anwalt Dietz beantragten sie, die Ministerin solle das Oberlandesgericht Schleswig-Holstein anweisen, statt der Kieler eine andere Staatsanwaltschaft mit der Prüfung des Antrags auf Wiederaufnahme der Ermittlungen zu beauftragen. Die Eltern hatten der Staatsanwaltschaft Fehler, Versäumnisse und Voreingenommenheit vorgehalten. Die Generalstaatsanwaltschaft in Schleswig-Holstein verwarf den Antrag.

Der Vater der Kadettin hatte im September 2018 knapp 140.000 Unterschriften für eine Wiederaufnahme der eingestellten Ermittlungen gesammelt. Insgesamt 14 Aktenordner hatte Uwe Böken der Justizministerin übergeben.

Von KN/dpa

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