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Kiel So wollen Stadt und Studentenwerk neuen Wohnraum schaffen
Kiel So wollen Stadt und Studentenwerk neuen Wohnraum schaffen
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07:00 31.10.2019
Von Niklas Wieczorek
An der Feldstraße 16 in Kiel kündigt das Studentenwerk den Neubau eines kleinen Wohnheims an. Hier sollen 46 Zimmer entstehen. Quelle: Thomas Eisenkrätzer
Kiel

Es ist eine Folge der heftigen Kritik von Studentenwerk-Geschäftsführerin Susann Schrader Anfang des Jahres: Kiel stelle keine Grundstücke bereit, hieß es. Das Studentenwerk warte vergeblich darauf loszubauen.

„Wir finanzieren uns aus Studierendenbeiträgen und sind daher auf die Bereitstellung günstiger Grundstücke von Stadt und Land angewiesen“, erklärt Schrader auch heute noch. Zu 100 Prozent baue das Studentenwerk mit Mitteln der sozialen Wohnraumförderung, „um Studierenden preiswerte Mieten zu ermöglichen“. Einige Angebote der Stadt seien dadurch gescheitert.

Studentenwerk in Kiel kann derzeit 1936 Wohnheimplätze anbieten

So zum Beispiel das Grundstück des maroden RBZ-Hochhauses an der Ecke von Schützenpark und Westring mit einem benachbarten Grundstück: „Wir haben diese Fläche vorgeschlagen, da wir die Lage – Innenstadt- und universitätsnah – für das Studentenwerk ideal finden“, sagte Baudezernentin Doris Grondke.

Schwierige Suche für internationale Studenten

Für jeden Studenten ist die Wohnungssuche in Kiel eine Herausforderung – kommt auch noch ein Sprachunterschied hinzu, wird die Suche noch schwieriger. Das International Center der Uni Kiel bittet private Vermieter explizit, günstige Zimmer für ausländische Studenten zur Verfügung zu stellen. „Gerne auch für Paare oder junge Familien könne der Wohnraum gemeldet werden“, heißt es in einer Mitteilung der Universität. „Auch befristete Angebote und möblierte Zimmer werden gesucht.“ Austauschstudenten brauchen häufig eine Unterkunft für bis zu zwei Semester.

Online-Formular des International Center zum Anbieten von Wohnraum: www.international.uni-kiel.de/de/wohnungsangeb

Doch eine Prüfung der Wirtschaftlichkeit ließ den Standort scheitern: Sowohl der Abbruch der Gebäude als auch teurer Schallschutz haben demnach dagegen gesprochen. Daher muss es weiter in kleinen Schritten vorangehen, so Stadt und Studentenwerk: In Sichtweite sei die Realisierung eines siebenstöckigen Wohnheims in der Feldstraße 16, gegenüber von Finanzamt und UKSH Innere Medizin II. 46 Zimmer entstehen dort, „ein kleiner Schritt in die richtige Richtung“, so Schrader. Insgesamt könne das Studentenwerk in Kiel derzeit 1936 Wohnheimplätze anbieten, viel zu wenig für die Studenten, von denen damit gerade einmal 5,4 Prozent versorgt würden.

Mindestens 2000 weitere Wohnungen

Die Stadt gibt sich in der Hinsicht zuversichtlich, dass in den kommenden Jahren mindestens 2000 weitere Wohnungen für Studenten entstehen sollen. Mindestens 1300 davon sollen öffentlich gefördert sein wie am Torfmoorkamp (150 Wohneinheiten), an der Hörn (105 Wohneinheiten) oder in der Alten Mu (140 Wohneinheiten).

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Gute Absichten bekunden Stadt sowie Universität Kiel und das Gebäudemanagement Schleswig-Holstein außerdem am Bremerskamp: Auf Vorschlag von Doris Grondke soll demnach auch studentisches Wohnen in der Campuserweiterung eine Rolle spielen. Man sei in sehr gutem Austausch, heißt es dazu auf Nachfrage. Das Verfahren zum B-Plan laufe. Derzeit sei ein Baubeginn in zwei Jahren realistisch, heißt es – bis zu 390 Wohnheimplätze könnten nach erster Einschätzung entstehen. Eine konkrete Visualisierung gibt es allerdings noch nicht. Unweit davon prüft das Studentenwerk ein weiteres mögliches Wohnheim in der Leibnizstraße für 90 bis 120 Wohneinheiten.

Konflikte mit der Stadt sind bis auf Weiteres beigelegt

Über das RBZ-Areal spricht die Stadt demnach jetzt mit anderen Interessenten, prüft aber nebenher auch, ob eine Kombination von Schule und Wohnen möglich ist. Bis Ende des Jahres soll die weitere Nutzung möglichst geklärt werden, heißt es von der Stadt dazu.

Anschließend soll entweder eine Ausschreibung erfolgen oder die kommunale Wohnungsbaugesellschaft Kiwog entwickelt das Gelände weiter. „Dennoch sind wir der Stadt für ihre bisherigen Bemühungen sehr dankbar“, sagt Schrader. Laut Studentenwerk sind die Konflikte mit der Stadt nach deren Bemühungen bis auf Weiteres beigelegt. Die Gespräche seien sehr gut verlaufen und sollten fortgesetzt werden.

Studentenwohnheime: Nur 6,19 Prozent Unterbringungsquote

Auch Grondke beteuerte: „Die Differenzen sind vollständig ausgeräumt, und in den verschiedenen Gesprächen in den vergangenen Monaten gab es gutes Einvernehmen zwischen Stadt und Studentenwerk.“ Sie kündigte außerdem an: „Wir werden uns auch zukünftig eng mit dem Studentenwerk austauschen, um weitere adäquate Flächen zu finden und studentisches Wohnen zu realisieren.“ Vor allem gehe es in den nächsten Jahren darum, bezahlbaren Wohnraum im gesamten Stadtgebiet zu schaffen.

Die Herausforderung in Zahlen: Mit 6,19 Prozent Unterbringungsquote liegt Schleswig-Holstein weit unter dem Bundesdurchschnitt von 9,6 Prozent. Und dabei rangiert die Landeshauptstadt Kiel mit einer Angebotsmiete von 7,93 Euro pro Quadratmeter noch unter den zehn Hochschulstädten mit den niedrigsten Mieten in der Bundesrepublik.

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Insgesamt sind die Chancen auf einen Wohnheimplatz derzeit so schlecht wie nie, wie die Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen-Bundestagsfraktion mitteilte. 1991 waren es noch fast 15 Prozent. Seit dem Jahr 2005 ist die Zahl der Studenten um 45 Prozent gewachsen, die Zahl der öffentlich geförderten Wohnheimplätze nur um 8,5 Prozent. Die durchschnittliche Monatsmiete in deutschen Studentenwohnheimen belief sich Ende 2017 auf 246 Euro.

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