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Kiel Stadt entdeckt die Kreativen
Kiel Stadt entdeckt die Kreativen
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20:00 18.09.2014
Von Martin Geist
Allein und doch nicht einsam: Filme- und Eventmacher Gregor Weiss von der Forma Plan B vor einem Foto von Oliver Franke. Quelle: mag: Martin Geist
Kiel-Gaarden

In Kiel allgemein und speziell auch im Stadtteil Gaarden hat sich die Kultur- und Kreativwirtschaft fast unbemerkt zu einer relevanten Größe entwickelt.

Eva Plankenhorn soll sich neuerdings im Rathaus darum kümmern, die wirtschaftlichen Potenziale der Kreativen zu erfassen und zu fördern. Was das erfassen betrifft, so ist sie schon gut davor und hat herausgefunden, dass in Kiel 725 Firmen der Kultur- und Kreativwirtschaft ansässig sind. Das entspricht immerhin gut zehn Prozent aller Betriebe und bedeutet einen Jahresumsatz von 420 Millionen Euro sowie mehr als 7400 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte.

 Speziell mit Gaarden befasst hat sich innerhalb eines Praktikums im Wirtschaftsbüro Margarita Schmal, Studentin der Stadt- und Regionalentwicklung. Sie stöberte im Internet, sprach mit Insidern, recherchierte zu Fuß und unternahm auch sonst allerhand, um die Lage im Stadtteil möglichst vollständig zu erfassen. Ergebnis: Mindestens 61 Unternehmen lassen sich der Kreativwirtschaft zuordnen, sind in der Werbung, im Journalismus, im Film-Metier oder im Eventbereich tätig. Räumlich gibt es dabei drei Schwerpunkte mit besonders vielen Unternehmen und besonders vielen Arbeitsplätzen: die Halle 400 und die Werftbahnstraße 8 an der Hörn sowie ganz unten in der Kaiserstraße das Kieler Restaurierungszentrum.

 In der Gesamtheit allerdings gedeiht die Kreativwirtschaft kleinteilig. Zuallermeist, so berichtet Margarita Schmal im Ortsbeirat, handelt es sich um Ein-bis-zwei-Personen-Betriebe, die oft gut miteinander vernetzt seien.

 Über die Motive und Befindlichkeiten der Kreativen kann die Studentin einiges sagen, weil 24 von ihnen entsprechende Auskünfte in einer Online-Umfrage erteilt haben. Eindeutige Vorzüge des Standorts Gaarden sind demzufolge die gute Infrastruktur, die Nähe zur Innenstadt, die günstigen Mieten und nicht zuletzt die Möglichkeit, dort passende Räumlichkeiten zu finden.

 Auffallend häufig haben sich die Kreativen dabei aufgrund persönlicher Empfehlungen angesiedelt, wohingegen der Ruf von Gaarden weder positiv noch negativ eine Rolle zu spielen scheint. Vom Multi-Kulti-Flair des Stadtteils lassen sich die Kreativen nicht so leicht locken, das Image als Problem-Stadtteil beeindruckt sie aber auch nicht groß. Ganz überwiegend, nämlich zu 85 Prozent, geben die Teilnehmer der Umfrage an, dass der Ruf von Gaarden auf ihr Geschäft keinen negativen Einfluss hat.

 Besonders wohl fühlen sich Kreativwirtschafter offenkundig, wo sie zwar allein, aber in der Nähe von ihresgleichen arbeiten. Das erklärt die Beliebtheit von Halle 400, W8 und Restaurierungszentrum.

 Fazit der Autorin: „Die Anzahl und Vielfalt der Unternehmen macht deutlich, dass sich Gaarden durchaus als Standort der Kultur- und Kreativwirtschaft etabliert.“ Was getan werden kann, um diesen Wirtschaftszweig in Gaarden und Kiel überhaupt zu stärken, soll unter Regie von Eva Plankenhorn innerhalb des kommenden Jahrs ausgelotet werden. Das Interesse scheint enorm. Für den Auftakt-Workshop am 30. September im Rathaus lagen zwei Tage nach Bekanntgabe des Termins bereits 75 Anmeldungen vor.