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Kiel Wie soll die Stadtbahn kommen?
Kiel Wie soll die Stadtbahn kommen?
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19:00 15.11.2019
Von Niklas Wieczorek
Wo geht es lang für die Stadtbahn? Oberbürgermeister Ulf Kämpfer begrüßte am Abend 100 Besucher im RBZ Wirtschaft. Quelle: Frank Peter
Kiel

Die Stadt hatte groß aufgefahren: Gegen das etliche Millionen schwere Stadtbahnprojekt soll niemand im Anschluss die Beschwerde vorbringen können, es habe keine Möglichkeiten gegeben sich einzubringen. Als Moderatorin Astrid Könönen (Rambøll Consulting) den Abend eröffnete, war der Raum im RBZ Wirtschaft daher schon mit einer großen Stadtkarte und den eingezeichneten Trassenkorridoren ausgelegt – und in etlichen Ecken warteten Stellwände, Ansprechpartner und Verpflegung auf die Bürger.

Rund 100 hatten die Einladung der Stadt angenommen: „Es darf auch Spaß und Freude machen: Am Ende geht es um Lebensqualität“, hatte Oberbürgermeister Ulf Kämpfer einführend gesagt. Bis es für die Bürger tatsächlich zu Sache ging, verging allerdings noch eine gute Stunde.

Nach langer Einführung konnten die Bürger ran

Bis 2030 solle der ÖPNV-Anteil in Kiel fast verdoppelt werden, dafür sei vor allem notwendig die Pkw-Fahrten zu verringern, sagte Kämpfer. Dann holte Stadtbahn-Projektleiter Christoph Karius aus: „Es braucht ein anderes und attraktiveres Angebot der anderen Mobilitätsarten“, zog er als Fazit aus Vorab-Studie zur Stadtbahn und dem Entwurf zum Verkehrsentwicklungsplan. Er definierte noch einmal die bekannten Trassenkorridore, an denen eine Stadtbahn gleich welcher Bauart effektiv fahren könne. „Man wird für Kiel nicht das aktuelle Busnetz ersetzen, sondern ergänzen.“

Unsere Karte zeigt, wie das ÖPNV-Netz in Kiel aussehen könnte.

Wie das aussehen soll, konnten die Bürger dann einzeichnen, und mit etlichen Notizzetteln an den Stellwänden markieren. Während sich dabei tatsächlich auch Befürworter vermeintlich abwegiger Transportwege wie einer Seilbahn über die Förde meldeten, oder die Radwege verbessert werden sollten, traten auch simpelste Probleme am aktuellen ÖPNV zutage: Das viel zu komplizierte Ticketsystem monierte Karl-Hermann Wienecke-Höltje (74), vor 20 Jahren habe es bereits eine einfache Bezahlkarte gegeben. Christiane Baumgärtner (26) freute sich dagegen über die frühe Bürgerbeteiligung und erkannte die scherenförmigen Korridore bereits als sinnvolle Durchschnitte der Stadt. Ohne Autofahrer zu diskriminieren sei wichtig, die Stadt atmosphärisch mit einer Tram zu bereichern.

Was wünschen sich die Kieler im Westen vor dem Entstehen einer Stadtbahn? Darum ging es am Donnerstagabend im RBZ Wirtschaft.

Trassen-Streitpunkt Holtenauer Straße

Wo die entlangfahren soll, entwickelte sich an vielen Ecken des Raums zur Gretchenfrage: Besonders an der Holtenauer Straße schieden sich die Geister. Während einige befürworten, gerade an den Geschäften müsse die Bahn entlangfahren – machten Skeptiker deutlich, dass sie um die Erreichbarkeit mit Pkw oder aus dem Umland fürchten. Tiefbauamtsleiter Peter Bender nahm als eine Anregung für die Ausschreibung der Trassenstudie mit, dass diese auch eine vollständige Simulation der Verkehrswege in den entsprechenden Straßen bieten müsse.

Lesen Sie auch: Machbarkeitsstudie: Grüne wollen Förde-Seilbahn prüfen

Jene Ausschreibung, bekräftigte Karius abschließend, folge nach den vier Stadtteilforen. Er lobte den Auftakt, erhoffte sich auch rege Beteiligung im Norden, Süden und Osten. Und er betonte, durch das Einbeziehen der Bürger gehe dem Gesamtprojekt keine Zeit verloren. Vielmehr sollen auch aus der Trassenstudie in den kommenden Jahren Zwischenergebnisse öffentlich präsentiert werden. „Es ist wichtig, vor den Entscheidungen ins Gespräch zu kommen.“ Das führe zu mehr Akzeptanz dessen, was der Rat Ende 2022 endgültig beschließen soll. Ambitioniert könne man dann mit einer fünfjährigen Planungs-, und einer stark geförderten drei- bis fünfjährigen Bauphase der Stadtbahn rechnen.

So kann man mitmachen

Alle Interessierten, die sich nicht an den Stadtteilforen beteiligen können oder ergänzende Rückmeldungen zur Mobilität in Kiel geben wollen, finden Informationen hier. An der städtischen Online-Umfrage zum Thema beteiligten sich bis Donnerstagabend bereits fast 1800 Personen.

Die weiteren Stadtteilforen: Nord (15. November, Gemeinschaftsschule Friedrichsort, Steenbarg 10), Süd (25. November, Haus des Sports, Winterbeker Weg 49) und Ost (26. November, RBZ Technik, Geschwister-Scholl-Straße 9) – jeweils 17 bis 19.30 Uhr.

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