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Kiel Verwaltung so krank wie nie
Kiel Verwaltung so krank wie nie
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00:49 20.11.2014
Von Martina Drexler
Die Stadtverwaltung in Kiel ist so krank wie nie. Quelle: Matthias Friedemann
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Kiel

Das Problem ist für die Stadt nicht neu: Seit 2005 steigt der Krankenstand mehr oder minder kontinuierlich an – und liegt damit auch über dem Bundesdurchschnitt. Der Negativ-Trend hat die Stadt schon 2010 alarmiert und die Notbremse ziehen lassen: Gemeinsam mit dem Gesamtpersonalrat unterzeichnete sie eine Vereinbarung über gesundheitliches Betriebsmanagement, das durch Gesundheitstage, Angebote, verbesserte Arbeitsabläufe, Informationen und Beratung gegensteuern soll. Dafür aber brauche man einige Jahre Vorlauf, verwies der für Personalfragen zuständige Dezernent Wolfgang Röttgers auf eine Umfrage zur Einschätzung ihrer Arbeitssituation unter allen Beschäftigten. Von ihrer Auswertung im Frühjahr 2015 erhoffen sich Stadt und Peronalratsvertreter konkrete Hinweise, wo genau die Angestellten und Beamten der Schuh drückt. Der Rücklauf von mehr als 62 Prozent zeigt nach Ansicht des Bündnisses von SPD, Grünen und SSW, welch hoher Stellenwert die Beschäftigten dem Thema beimessen.

Warum liegt der Krankenstand in öffentlichen Verwaltungen deutlich über dem der Privatwirtschaft (derzeit bei etwa 3,8 Prozent) und warum steigt er seit Jahren an? Dirk Lerche, Vorsitzender des Gesamtpersonalrats, und Röttgers können in manchen Punkten nur vermuten, doch vieles liegt für sie auf der Hand, etwa, dass Fehlzeiten in den Behörden bereits ab dem ersten Tag zählen. Zudem haben Arbeitsverdichtung, Spardruck und Aufgabenvielfalt allgemein so zugenommen, dass immer mehr Bedienstete bei der Stadt am Limit arbeiten. Die Stadt, gibt Röttgers zu bedenken, beschäftigt im Vergleich zur Privatwirtschaft deutlich mehr Menschen mit Behinderungen (9,55 Prozent) und mehr Ältere bis zum 65. Lebensjahr. Ein Fünftel aller städtischen Mitarbeiter seien älter als 55 Jahre – ein Alter, in dem Krankheiten zwar nicht häufiger aufträten, aber oft länger anhielten. Dazu kämen eine hohe Anzahl Langzeit-Kranker und ein Anstieg psychischer Erkrankungen.

Die Angst um den Arbeitsplatz, vermutet Lerche, führte in vielen Firmen wohl dazu, dass sich „manche krank zur Arbeit schleppen. Wir rufen unsere Mitarbeiter dagegen auf, sich auszukurieren.“ Lerche und Röttgers sind zuversichtlich, dass das Gesundheitsmanagement, mit dem Kiel landesweit eine Vorreiterrolle übernommen hat, langsam zu greifen beginnt und die Fehlzeiten wieder sinken. Fit bleiben und die Arbeitskraft erhalten – das sei das erklärte Ziel: „Denn wir wollen als eine gesunde Verwaltung, die gesunde Arbeitsplätze bis zum Rentenalter anbietet, werben“, so Lerche. Das sei auch angesichts des Fachkräftemangels nötig. Laut Statistik gehen bei der Stadt ab 2016/17 auf einen Schlag Jahr für Jahr viele Mitarbeiter in den Ruhestand.