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Kiel 21 Meter unter dem Schwentinespiegel
Kiel 21 Meter unter dem Schwentinespiegel
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10:05 15.07.2016
Von Petra Krause
Abstieg in Kiels Untergrund: Die Stadtwerke öffneten jetzt den rund 477 langen Fernwärmetunnel unter der Schwentine zu einer ersten Besichtigungstour. Quelle: Petra Krause
Kiel

Von Juli bis Oktober kann man nach Anmeldung das Heizkraftwerk Humboldtstraße, das Wasserkraftwerk II am Rosensee in Raisdorf, den Fernwärmetunnel unter der Schwentine und die Biogasanlage Futterkamp besichtigen. Die erste Tour führte jetzt durch den rund 477 Meter langen Fernwärmetunnel unter der Schwentine.

 Anstoß für den Blick hinter die Kulissen gab die Neugier der Kunden, die Anlagen des Energieversorgers vor Ort kennenzulernen. „Die Nachfrage, Bausteine unserer Energieversorgung zu besichtigen, ist seit Jahren unverändert hoch“, sagte Jörg Teupen, Mitglied des Vorstandes der Stadtwerke Kiel AG. „Wir haben viel interessante Technik in Kiel verbaut, und die wollen wir den Leuten auch zeigen.“

 So möchte das Unternehmen noch weitere Anlagen für Publikum öffnen. Während es in diesem Jahr ausschließlich um Erzeugungsanlagen geht, soll im nächsten Jahr die Trinkwasserversorgung im Mittelpunkt stehen. Unterstützt von ehemaligen Stadtwerke-Mitarbeitern wurde ein Besichtigungskonzept für die Anlagen erstellt. Einer von ihnen ist Hans Werner Hamm, der bereits am Einstiegsschacht im Eichenbergskamp mit gelben Bauhelmen auf die Premiere-Gruppe wartet.

 Seit zehn Jahren im Ruhestand, führt der ehemalige Maschinist die interessierte Truppe durch den in zwei Jahren erbauten und 1988 fertiggestellten Tunnel auf die andere Seite zum Seefischmarktgelände in Wellingdorf.

 Zuerst einige Vorsichtsmaßnahmen: So ist der gelbe Bauhelm Pflicht und dient als Schutz vor spitzen Eisenelementen. Träger von Herzschrittmachern dürfen aufgrund elektromagnetischer Felder nicht mit in die Kieler Unterwelt, und außerdem warnt Hamm noch: „Hände weg von den Rohren!“. Auch wenn sie isoliert seien, würden sie teilweise bis zu 130 Grad heißes Wasser enthalten. Dann öffnet er die Tür am Einstiegsschacht, und feucht-warme Luft schlägt den Teilnehmern entgegen. Der 68-Jährige legt den Schalter um, mit dem gleichzeitig Licht und Belüftung im Tunnel anspringen und schon geht es über Stahltreppen sieben Meter hinab. Bevor es in den bananenförmig gekrümmten Tunnel geht, erklärt der Fachmann die technischen Herausforderungen beim Bau des zentral gesteuerten Versorgungstunnels, der eines der wichtigsten Elemente des Kieler Fernwärmeringsystems darstellt.

 Rechts und links laufen die isolierten Heizwasserwärmeleitungen von 70 Zentimetern Durchmesser. „Die Isolierung ist sehr wichtig, um Wärmeverluste zu vermeiden“, erläutert Hamm. Dazwischen liegt ein schmaler Pfad, um den Tunnel für Kontrollzwecke begehen zu können. Im Gänsemarsch geht es hintereinander durch die einst Stück für Stück vorgepressten Stahlbetonrohre von drei Metern Innendurchmesser – jedes Element wiegt 40 Tonnen. Die Gruppe zieht vorbei an antiquiert wirkenden Nottelefonen, die auch ohne Strom funktionieren. Am tiefsten Punkt stoppt Hamm – 21,3 Meter unter dem Schwentinespiegel.

 Bernhard Schick und seine Frau Elke, die sich spontan für die Führung angemeldet hatten, sind beeindruckt von der Anlage. „Man hat als Laie ja keine Ahnung, was alles dahinter steckt, auch an Ingenieursleistung“, sagt der Schwentinentaler . Beide haben sich vorgenommen, auch an weiteren Führungen teilzunehmen. Auch Peter Knobloch, der sich auch für das Wasserkraftwerk angemeldet hat, ist begeistert von dem Angebot: „So etwas kriegt man ja sonst nicht zu sehen.“

 Zum Abschluss gibt Hamm den Besuchern noch ein paar anschauliche Zahlen mit auf den Weg. Die Spitzenleistung der Anlage lag an einem Tag im Februar 2012 bei 510 Megawatt. Damals flossen 2,5 Millionen Liter Wasser durch die Rohre, das entspricht etwa 17000 Badewannen.

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