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Kiel Positive Reaktion von Hinterbliebenen
Kiel Positive Reaktion von Hinterbliebenen
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18:47 12.02.2014
Von Paul Wagner
Bleibt in der Diskussion: Modell der Erinnerungskapelle. Quelle: hfr
Kiel

„Mit Bedenken verfolgt der Deutsche Marinebund (DMB) die bisher unwürdige Diskussion und das nun einsetzende Gezerre um den Standort der Kapelle“, schreibt der DMB in einer Presseerklärung und bietet dem Hinterbliebenenverein einen Standort auf dem Gelände des Ehrenmals in Laboe an, „da sich der Leitgedanke der Gedenkkapelle sehr gut in die Erinnerungskultur des Ehrenmals integrieren lässt“.

 Vertreter des Hinterbliebenenvereins der 228 Menschen, die 2009 auf einem Air-France-Linienflug auf dem Weg von Rio de Janeiro nach Paris über dem Atlantik tödlich verunglückten, reagieren positiv auf das Angebot aus Laboe. „Das Angebot des Marinebundes ist plötzlich eine ganz andere Botschaft als das, was uns bisher aus Kiel entgegengebracht worden ist. Es berührt mich persönlich sehr, wenn jetzt jemand die Symbolik des Projektes versteht“, sagt Bernd Gans, Vorsitzender des Vereins aus Vaterstetten bei München. Gans verweist auf Fernanda Gräfin von Oppersdorff, die den Kontakt zu den weltweit lebenden Angehörigen hält.

 Von Oppersdorff ist die Witwe des in Kiel geborenen und beim Flugzeugabsturz verunglückten Architekten Moritz Kock. Sie hatte sich in der Vergangenheit für den Standort der Gedenkkapelle in Kiel-Schilksee eingesetzt, das Geld für die geschätzten Baukosten in Höhe von 450.000 Euro gesammelt und seit 2011 die Gespräche mit der Stadt geführt. Vor knapp drei Wochen hatte sie das Angebot für den Kapellenbau als einen Ort des Gedenkens für alle Hinterbliebenen zurückgezogen. Kurz zuvor war der Streit um den Standort, der von vielen Anwohnern abgelehnt wurde, auf einer Ortsbeiratssitzung in Schilksee hochgekocht.

 Auf Anfrage sagte von Oppersdorff jetzt, dass sich die Gruppe seit dem Rückzug aus Kiel nicht wieder getroffen habe. Erst bei einem gemeinsamen Treffen könnten die Hinterbliebenen über mögliche Angebote aus Strande oder Laboe sprechen. Dies könne einige Zeit dauern. „Unsere Mitglieder sind auf der ganzen Welt verstreut“, sagte von Oppersdorff und bekräftigte: „Die neuen Angebote aus Kiel sind unheimlich nett. Es zeigt, dass es auch ermutigende Reaktionen auf unser seriöses Projekt gibt.“ Wenn die Vorschläge substanziell seien, würde sich der Hinterbliebenenverein diesen nicht verschließen. „Zunächst hatten wir gesagt: Der Standort Kiel ist für uns gestorben. Aber wir wollen auch nicht für alle Zeit sämtliche Türen zumachen.“ Die Witwe unterstreicht jedoch auch, dass das „Andenken der Hinterbliebenen nicht so einfach verschiebbar ist“. Kiel habe man aufgrund der besonderen Symbolik ausgewählt. Auch habe der Verein derzeit mehrere Angebote für einen Standort in Südamerika.