Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Anmelden
Kiel Helfende Hände dringend gesucht
Kiel Helfende Hände dringend gesucht
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:59 16.09.2019
Von Katharina Horban
Es gehe auch um die "Zusatzportion Menschlichkeit": Bundesfreiwilligendienstleistende Maryem Amrani räumt mit Marion Weitemeyer und Rainer Martin die Spülmaschine im Seniorenhaus der Stiftung Drachensee ein. Quelle: Frank Peter
Kiel

"Letztes Jahr war es ganz schlimm. Ursprünglich hatten wir im Haus sechs Stellen für einen Freiwilligendienst, mittlerweile sind wir froh, wenn wir zwei kriegen", sagt Knud Sönnichsen. Der 53-jährige Sozialpädagoge ist Hausleiter des Seniorenhauses der Stiftung Drachensee am Postillonweg, in dem 30 Menschen zwischen 60 und 85 Jahren leben. Im vergangenen Jahr ist nur ein FSJler die kompletten zwölf Monate geblieben, eine andere hat wegen eines Studienplatzes frühzeitig abgebrochen. Von Jahr zu Jahr habe sich die Situation verschlechtert, sagt Sönnichsen.

Von Jahr zu Jahr werden die Bewerber weniger

Das Seniorenhaus ist nicht allein mit dem Problem: Der Träger des Hauses, die Gesellschaft für Paritätische Soziale Dienste (GPS), berichtet dieses Jahr von erheblichen Schwierigkeiten, Bewerber zu finden. Anfang September waren noch mehr als 100 Plätze unbesetzt – fast ein Viertel aller Stellen. Normalerweise seien es um diese Jahreszeit nur etwa 30.

Beziehungsarbeit als große Stärke der Freiwilligen

Gerade die Beziehungsarbeit sei aber eine große Stärke der Freiwilligen: "Ohne sie bleibt viel liegen", berichtet der Hausleiter. Die jungen Erwachsenen hätten schlichtweg mehr Zeit als die festen Mitarbeiter, die in ihre Arbeitsstrukturen eingebunden sind. Mal eine halbe Stunde helfen, den Schrank umzuräumen oder mit einer Bewohnerin im Rollstuhl im Supermarkt einkaufen – das könnten fast nur die FSJler stemmen: "Die können alles mit mehr Zeit und mehr Geduld machen."

Studentische Aushilfen kompensieren die Lücken

Ironischerweise werden die fehlenden Plätze zurzeit durch sechs studentische Aushilfen kompensiert – also gerade diejenigen, die altersmäßig für ein FSJ oder einen BFD in Frage kämen. Aber selbst diese Stellen kann das Haus nur schwer besetzen, Aushänge an der Universität würden kaum funktionieren. Sönnichsen sieht die geringe Bezahlung der Freiwilligen als eine von vielen Ursachen für den Bewerbermangel: Die Hilfskräfte würden in zehn Stunden so viel verdienen wie die FSJler in 40 Stunden.

In dieser prekären Situation ist Maryem Amrani ein Glücksfall für das Haus. Die 34-Jährige kommt ursprünglich aus Marokko und macht seit dem 1. August ihren Bundesfreiwilligendienst im Seniorenhaus der Stiftung Drachensee. Sie erzählt: „Ich habe schon immer alten und behinderten Menschen geholfen.“ In ihrem Heimatland sei es vollkommen normal, sich um Pflegebedürftige in Familie und Nachbarschaft zu kümmern. Glücklich mache sie es, wenn sie von Senioren ein Lächeln für ihre Arbeit bekommt – Amrani möchte später eine Ausbildung zur Altenpflegerin machen.

Um sieben Uhr morgens beginnt der Arbeitstag

Schon früh am Morgen beginnt Amranis Arbeitstag: Um 7 Uhr ist die Besprechung mit den Kollegen von der Nachtschicht, dann richtet sie mit den Bewohnern das Frühstück und hilft manchen Senioren beim Essen. Ein paar würden sich aber auch selbst helfen: „Herr Kokowski will Kaffee kochen, und Herr Rainer will die Spülmaschine anmachen.“ Später hilft sie beim Duschen und Anziehen, wechselt Vorlagen und hilft auch bei handwerklichen Dingen: „Heute früh habe ich mit einem Bewohner einen Gartentisch aufgebaut.“

In der ersten Woche ging es aber erst einmal ums Kennenlernen: Mit den Bewohnern hat sie in der Zeit viel „Mensch ärgere dich nicht“ gespielt – und auch Kuchen gebacken, wie sie sich lachend erinnert: Denn gegenüber von ihr im Wohnzimmer macht eine gehörlose Bewohnerin mit den Armen Rührbewegungen, als ob sie einen Kuchenteig umrühren würde.

Mehr Zeit für die Bewohner

Ob Amrani den Eindruck hat, mehr Zeit für jeden einzelnen Bewohner zu haben als die festen Mitarbeiter? „Naja, wir machen die Arbeit ja alle zusammen“, wiegelt sie ab. Hausleiter Sönnichsen schaltet sich ein und sagt zu ihr: „Mein Eindruck wäre das schon, dass Sie sich mehr Zeit nehmen können.“ Neben Amrani gibt es eine zweite Freiwilligendienstleistende: Tamari Sokhadze ist 27 Jahre alt, kommt aus Georgien und hat nach einem Au-pair-Jahr nahe Laboe am 1. September ihren Bundesfreiwilligendienst im Haus begonnen. „Die jungen Leute, die gerade von der Schule kommen, bekommen wir gar nicht mehr zu fassen“, sagt Sönnichsen. Sokhadze erzählt, dass auch sie von vielen Leuten gehört habe, dass ihnen ein Jahr in einer sozialen Einrichtung zu beschwerlich sei.

Berührungsängste verschwinden schnell

Anfangs habe sie zum Teil zwar auch Berührungsängste gehabt, weil sie noch nie mit älteren Menschen zu tun hatte. Aber nach knapp zwei Wochen sagt sie: „Hier im Haus baut man Beziehungen zu den Menschen auf. Es ist wie mit Oma und Opa.“

Mehr Nachrichten aus Kiel lesen Sie hier.

Im Kieler Musiculum gibt es bei der Auftaktveranstaltung des Jahrgangs 2019/ 2020 im Freiwilligendienst Kultur und Bildung viel Lob von Seiten der geladenen Gäste - aber von den jungen Erwachsenen kommt auch einige Kritik an den Rahmenbedingungen.

Katharina Horban 16.09.2019

Inter Türkspor Kiel kann doch noch gewinnen: Am Freitagabend setzte sich das Team von Özcan Atasoy mit 3:2 im Kellerduell der Fußball-Oberliga gegen den Aufsteiger Eckernförder SV durch und gab mit dem ersten Saisonsieg die Rote Laterne an den TSV Kropp ab.

Michael Felke 16.09.2019
Kiel Neue Förde-Fähre für Kiel Alles Handarbeit bei der "Gaarden"

Die erste Hybrid-Fähre für die Kieler Förde nimmt Formen an. In der Bauhalle der Werft Holland Shipyards bei Rotterdam wird in diesen Tagen der Rumpf des neuen Fördeschiffes „Gaarden“ zusammengesetzt - alles noch in echter Handarbeit.

Frank Behling 16.09.2019