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Kiel Strafverfahren gegen Klimaaktivisten
Kiel Strafverfahren gegen Klimaaktivisten
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17:37 06.08.2019
Polizei räumt Aktivisten am Kreuzfahrer „Zuiderdam“ in Kiel. Quelle: Frank Behling
Kiel

Mit rund sechs Stunden Verspätung ist ein Kreuzfahrtschiff nach einer Blockadeaktion von rund 50 Aktivisten in Kiel ausgelaufen. Ein Großaufgebot von Polizei und Feuerwehr beendete am Sonntag kurz vor 22 Uhr die Protestaktion. 46 Menschen wurden vorläufig festgenommen. Zwölf von ihnen mussten die Nacht in der Zelle verbringen.

Die Gruppe „Smash Cruiseshit“ besetzte am Nachmittag einen Baustellenkran am Ostseekai. Die Aktivisten  blockierten den Zugang zu den Pollern und kreuzten mit kleinen Booten vor dem Bug des Schiffes. Einige Personen sind auf den Wulstbug und auf Festmacherleinen geklettert. Die Aktivisten hielten Transparente hoch und verhielten sich friedlich. 

Aktivisten klettern auf Wulstbug

Die Aktion wurde von Seiten der Polizei als Versammlung eingestuft. Laut den Beamten verweigerten die Aktivisten eine Kontaktaufnahme mit den Einsatzkräften. Die Versammlung wurde von der Versammlungsbehörde der Stadt Kiel beendet. Die Polizei forderte die Demonstranten auf, den Kai zu verlassen, doch sie weigerten sich.

Mehrere Aktivisten hielten sich weiterhin in Kleinbooten und auf dem Wulstbug des Ozeanriesen auf. Kurz nach 21 Uhr griffen die Polizisten mit mehreren Booten zu und beendeten die Blockade. 41 Menschen wurden vorläufig festgenommen. Einige Aktivisten konnten sich jedoch befreien und flüchteten. 

Höhenretter räumen Baustellenkran

Fünf Aktivisten besetzten darüber hinaus am nahe liegenden Ostseekai einen Kran, zwei von ihnen wollten diesen nicht verlassen und wurden von Höhenrettern der Bundespolizei und der Feuerwehr abgeseilt.

Insgesamt 46 festgenommene Aktivisten seien noch im Verlauf der Nacht wieder aus dem Gewahrsam entlassen worden. Zwölf von ihnen wurden kurze Zeit später wieder festgenommen, da sie einem Platzverweis nicht nachgekommen seien. Laut "Smash Cruisehit" hätten die Aktivisten auf Beschlagnahmeprotokolle für ihre Boote bestanden.

12 Menschen weiterhin in Gewahrsam

Auch am Montagmorgen hielt die Polizei die 12 Personen fest. Grund hierfür seien Maßnahmen zur Klärung der Identität der Aktivisten. "Sie haben keine Ausweispapiere dabei und wollen selbst keine Angaben machen", so ein Polizeisprecher am Montagmorgen. Über den weiteren Verbleib der Aktivisten im Gewahrsam soll noch am Montagvormittag ein Richter entscheiden.

Gegen die Aktivisten wurden Strafverfahren wegen des Verdachts der Nötigung, des Widerstandes und des Hausfriedensbruchs eingeleitet.

Gegen 21.50 Uhr verließ das Kreuzfahrtschiff seinen Liegeplatz in Richtung Kopenhagen, so die Polizei. Mehrere Boote der Wasserschutzpolizei haben es bis zur Strander Bucht begleitet.

Aktion gegen Schadstoffausstoß

Die Gruppe "Smash Cruiseshit" erklärte, sie wolle mit der Aktion den Schadstoffausstoß des Kreuzfahrtschiffes "Zuiderdam" unterbrechen und auf die Arbeitsbedingungen an Bord aufmerksam machen. "Teilweise nur 2 Euro Stundenlohn und 72 Stunden Arbeit. Diese Ausbeutung muss aufhören!", schrieben die Aktivisten auf Twitter, und: "Kreuzfahrtschiffe tragen zur Erhitzung des Planeten bei - durch Rußpartikel, die sich auf Eisbergen in der Arktis absetzen, schmilzt das Eis dort noch schneller."

Verletzt wurde bei der Aktion nach Polizeiangaben niemand, "Smash Cruisehit" schrieb auf Twitter hingegen von einigen Leichtverletzten. Wie viele Passagiere auf dem Kreuzfahrtschiff waren, konnte die Polizei nicht sagen.

Von RND/sal/KN/dpa

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